2 Tage Rund um den Königssee

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Belohnenswert - die Schneibspitze

Belohnenswert - die Schneibspitze

Der Name „Königssee“ spricht bereits für sich selbst: Prädikat Trinkwasserqualität, ein Stückchen Norwegen in Bayern und unzählige Möglichkeiten sich in der Gegend zu Fuss auszutoben. Ich bin noch nie dort gewesen und so beschließe ich kurzerhand mit Herr „Papa“ das erste Septemberwochenende dort auf Tour zu gehen. Diesmal bleiben Schlafsack und Isomatte zu Hause und wir ergattern 2 Schlafplätze in der Wasseralm, die mit uhriger Atmosphäre und dem weitbekannten Gemüseeintopf zum Abendessen die Sache abrunden soll. Die Tourenplanung ergibt den Aufstieg zum Schneibstein, vorbei am Seeleinsee zur Wasseralm. Am nächsten Tag mit Peilung West über den inoffiziellen Zustieg zum Funtenseetauern, hinab zum Kältepol Deutschlands, dem Funtensee. Ab hier geht es nur noch abwärts über die Saugasse nach St. Bartholomä.

Samstag, Tag 1: Königssee zur Wasseralm

Wir starten mit kleinem Gepäck, in Form des Golite Ion direkt von der Tourimeile über den breiten Weg 493 zur Königsbachalm und gleich weiter unterhalb des Jenners zum Schneibsteinhaus. Je höher wir kommen um sehr mehr liechtet sich der Nebel im Tal und schon weit vor dem Schneibsteinhaus sieht man bei tollstem Wetter die umliegenden Berge. Unübersehbar ist natürlich hier der Watzmann und die berühmte Ostwand auf der anderen Seite des Königssees. Eigentlich hatten wir uns für dieses Wochenende die Überschreitung des Schicksalberges vorgenommen. Der Hüttenwirt aus der Wimbachgrieshütte riet uns jedoch davon ab, da am Wochenende zuvor 500 Tourengeher die Überschreitung machten und alles andere als glücklich über das Staulaufen waren. Auf diesem Wege nochmal Danke für den Tipp. Wir wollen ja noch Ziele für die Zukunft haben :-).
Am Schneibstein füllen wir den Wasserspeicher noch auf und folgen dem steinigen Weg Richtung Schneibsteingipfel. Punkt 12 Uhr gibt es ein Gipfelfoto. Mal von Stein zu Stein, auf schmalen Wegen und einem stätigen Auf und Ab geht es über den Weg 416 zum Seeleinsee weiter. Ich lasse es mir nicht nehmen hier eine Runde schwimmen zu gehen um den letzten Abschnitt zum Tagesziel frisch und munter in Angriff zu nehmen.

Auf zum Seeleinsee

Auf zum Seeleinsee

Über eine Scharte geht es nochmal ordentlich hinab durch eine große Rinne, die unterhalb der Hanauerlaubwand entlang führt. An dessen Ende wartet der erste Blick auf Teile des Königssees und den kompletten Obersee. Herrlich gelegen folgen wir dem Weg durch den Wald und meistern die letzen Höhenmeter bis zur Wasseralm. Diese war bis vor einigen Jahren noch eine Selbstversorgerhütte und wurde dann mit Hilfe des DAVs wieder bewirtschaftet und erneuert. Trotzdem hat sie kein bisschen an Charm verloren. Zum Abendessen gibt es nur ein Gericht oder gar nichts :-). Die leckere Gemüsesuppe für einen fairen Preis von 8€ mundet in der Tat und sorgt für neue Energie in den Beinen, wenn es am nächsten Tag zum Funtenseetauern hoch geht. Die Nacht verbringt man im Maßenlager, dass sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Es geht sehr eng zu und niemand schläft so richtig gut. Aber das nehmen wir gerne in Kauf für eine tolle Tour an dessen Ende eine ursprüngliche Alm auf uns wartet, die liebevoll eingerichtet und vom Hüttenwirt(in) nett bewirtschaftet wird.

Sonntag, Tag 2: Wasseralm zurück zum Königssee

Zustieg zum Funtenseetauern

Zustieg zum Funtenseetauern

Wir sind bereits um 7 Uhr wieder auf den Beinen, die Nacht war kurz. Vorher holen wir uns noch vom Hüttenwirt die letzten Infos, wo ungefähr der Einstieg zum Funtenseetauern ist, wenn man den inoffiziellen Weg nehmen will. Dieser ist bei uns auf der Karte vom Bayerischen Vermessungsamt mit ein paar kleinen Punkten angezeichnet. Wir finden tatsächliche den Einstieg, der mit einem „FT“-Zeichen auf einen Stein gemalt ist. Unser Pioniergeist ist geweckt und nach einem Frühstück geht es zwischen dem Hocheck und der Gemsscheibe über die Vorboten des Steinernen Meers „aufi“. Das war eine tolle Entscheidung hierum zu gehen. Einen Weg gibt es nicht, aber dafür eine Menge Spaß am navigieren. Bei unserer Sicht kein Problem, nur bei schlechtem Wetter wäre ein Kompass von Vorteil. Hier sieht vieles gleich aus.
Als wir über die Scharte zwischen dem Graskopf und Leiterkopf kommen, machen die Wolken für eine kurzen Moment dicht und es beginnt leicht zu regnen. Dafür entlohnt aber ein toller erster Blick auf das komplette Steinerne Meer mit der markanten Schönfeldspitze. Ab hier geht es Richtung Nordost zum Funtenseetauern weiter und ein paar Steinmandl helfen bei der Wegfindung. Oben angekommen sind wir erstaunt, dass keine Menschenseele mit uns am Gipfelkreuz steht. Der Blick von hier ist trotz der Wolkendecke wahnsinnig und speichert sich unlöschbar im Gedächtnis ab.
Der kurze Abstieg in eine Senke ist einfach zu meistern. In Richtung Stuhljoch wird es aber noch mal etwas abenteuerlicher. Wir sehen nur einen möglichen Weg und der folgt über einen Gratstück. Wer sich das ersparen will und nicht schwindelfrei ist, empfehlen wir lieber den offiziellen Weg von der Wasseralm zum Funtensee zu nehmen. Als wir den Grat hinter uns haben geht es nur noch bergab. Meist folgen wir dem Grashang hinab und sind froh als wir knapp 1000 Hm unten am Funtensee ankommen. Lieber laufen wir 1000 Hm hoch als diese wieder runterlaufen zu müssen. Am Kärlinghaus wartet dafür eine lecker Zwischenmahlzeit und ein Kübel Apfelschorle.

Stärkung gefällig? Immer gern...

Stärkung gefällig? Immer gern...

Von hier an führt der Weg erstmal über ein Auf und Ab zur Saugasse, die wir joggend hinter uns bringen. Ich persönlich finde es angenehmer, wenn es der Weg zulässt, einen Abstieg zu joggen. Die Belastung mit vielen kleinen Schritten ist für mich nicht so hoch, wie das ständige abstoppen. Passend dazu schüttelt eine Dame mit Kniebandagen in der Gasse den Kopf und kommentiert unseren Abstiegsritt: „Wenn ich das nur sehe, bekomme ich schon Knieschmerzen“. Ich muss ein wenig darüber schmunzeln. Hier zeigt sich nun mal wer einen leichten Rucksack dabei hat, kann so etwas eher machen. Der Rucksack der Dame mit 50 Liter Packvolumen scheint mir dann hier für die Knie und die Bandagen eine verständliche Überforderung zu sein :-).
Die letzen 2 Km führt der Weg noch schön gelegen bis zum Königssee hinab und wir sind hin und weg von der Schönheit, wie hier der Berg direkt in den See abfällt. Das gibt es nicht über all zu sehen.
Nach einem schönen Bad im See laufen wir in St. Bartholomä ein und sind wieder unter Menschen. Einer Menge Menschen :-)! Wer hier nicht den Rückweg mit dem Boot antreten will und noch 5 Stunden Tageslicht hat, kann über die Archenkanzel zurück nach Königssee laufen. Von hier hat man wohl einen der schönsten Ausblicke auf den See und sieht nochmal fast alles, was man die letzten 2 Tage abgewandert ist.

Fazit der Tour

Der Königssee ist ein wunderbarer Fleck in Deutschland und wir sind uns sicher nächstes Jahr mal wieder hier vorbei zukommen. Der Watzmann wartet ja schließlich noch auf uns. Schade, auf der einen Seite, verständlich auf der anderen Seit, dass im einzigsten Nationalpark Deutschland das bivakieren absolut verboten ist. Unsere Tour ist nur ein Vorschlag und ist problemlos erweiterbar auf mehr Tourentage. Schließlich kratzt man auf dieser Tour gerade mal so das Steinerne Meer, dass noch viel Wanderspaß zu bieten hat.

Blick unterhalb der Archenkanzel

Blick unterhalb der Archenkanzel

Typisches Gestein für das Steinerne Meer

Typisches Gestein für das Steinerne Meer

Auf Messers Schneide

Auf Messers Schneide

Die Wasseralm

Die Wasseralm

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