2 Tages Tour im Karwendel

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Darf ich vorstellen - das Karwendel

Darf ich vorstellen – das Karwendel

Im Karwendel bin ich bis dato erst einmal unterwegs gewesen. Genauer gesagt mit Till auf unsere ersten Schneeschuhtour in den Alpen. Vor zwei Wochen bin ich mit Arbeitskollege Daniel auf eine Sommerwochenendtour los gezogen. Die Gebirgskette wartet mit 125 Gipfeln über 2000m auf uns. Das Ziel sollten natürlich nicht alle Gipfel sein :-), jedoch wollten wir zwei schöne Tage im Karwendel zu Fuss mit nächtlichem Biwak verbringen. Der eine Teil des Karwendels gehört zu Tirol und der Andere zu Bayern. Richtung Westen warten die schroffen & felsigen Berge und der Osten zeichnet sich durch viel Grün auf dessen Gipfel aus. An landschaftlicher Abwechslung sollte es uns daher nicht mangeln. Wir planten eine Tour zum höchsten Gipfel, Bikkarspitze (2749m) über die Pleisenhütte und Breitgrieskarspitze.
Im Nachblick eine schöne Tour, bei der sich das Karwendel von seiner besten Seite präsentierte, mal abgesehen vom Wetter und der geänderte Tourenplanung für Sonntag…

Infos zur Tour

Länge:
Gesamtlänge: ca. 24 km
Schwierigkeit:
Gute Kondition, Schwindelfreiheit & Trittsicherheit vorausgesetzt.
Erfahrung mit der Überquerung von Altschneefeldern je nach Jahreszeit ist erforderlich
Tourenpunkte:
Start: Gasthof Wiesenhof im Hinterrautal, Pleisenhütte, Breitgrieskarspitze, Biwakschachtel, Seekarl, 
Marxenkar, Abstieg zur Angeralm, zurück über Forststraße, Ziel: Gasthof Wiesenhof
Abstiegsmöglichkeiten:
keine
weiter Gipfelmöglichkeiten:
1. Pleisenspitze (2569m)
2. Große Seekarspitze (2677m)
3. Bikkarspitze (2749m)
Gehzeit:
Tag 1: Gasthof Wiesenhof bis Biwakplatz Marxenkar (ca. 7 Gehstunden)
Tag 2: Biwakplatz Marxenkar bis Gasthof Wiesenhof (ca. 4,5 Gehstunden)
Kartenmaterial:
Kompass Karte: Karwendel, Maßstab 1:50000

Tag 1: Samstag, 31.08.13, Wetter: sonnig/bewölkt
Gasthof Wiesenhof zum Marxenkar (ca. 13 km)

Pleisenhütte

Pleisenhütte

Daniel und ich waren am Freitag Abend direkt nach der Arbeit Richtung Karwendel mit dem Auto aufgebrochen. Wir hatten die Nacht bei schönstem Sternenhimmel in der Nähe des Wiesenhofes biwakiert und waren diesen morgen früh dran. Ein wenig Frühstück und das Auto auf dem Wanderparkplatz abgestellt, folgten wir ab 8 Uhr dem Forstweg gen blauen Berghimmel zur Pleisenhütte. Der Weg ist sehr einfach und schraubt sich Meter für Meter nach oben! 1,5 km vor der Hütte endet die Forststraße und geht in Serpentinen auf schmalen Wege bis zu der urigen Pleisenhütte. Wir genießen immer wieder die Ausblicke auf die gegenüberliegenden Berge der Gleirsch-Halltal-Kette. Wir sind in den Bergen angekommen und freuen uns hier zu sein.
An der Pleisenhütte angekommen, lassen wir uns erst einmal auf der Sonnenterasse nieder. Wir trinken etwas und füllen unseren Wassersack mit Wasser. WICHTIG: Wer hier wie wir in den Bergen ebenso Biwakieren will, sollte auf jeden Fall ab hier Wasser mitnehmen, da es gerade im Spätsommer wenige bzw. gar keine Wasserquellen am Wegesrand zum Auffüllen gibt. Für uns reichen 2-3 Liter um das Abendessen in Form von Adventure Food Trekkingnahrung auf zu bereiten.
Wir lassen die Hütte nach der Stärkung hinter uns und befinden uns ab hier in alpinen Terrain und die Bergwelt öffnet sich uns endgültig. Nach ein paar Meter hat man die Möglichkeit zur Pleisenspitze abzuzweigen. Der Gipfel ist recht einfach über einen breiten Grat zu erreichen. Wir entscheiden uns diesen jedoch diese links liegen zu lassen, da es nur ein Sackgassengipfel ist und wir weiter auf dem Toni-Gaugg-Weg laufen wollen. Das letzte Grün an den Hängen verschwindet so langsam hinter uns und wir kommen Schritt für Schritt auf das Hinterkar Felsenfeld. Mich erinnert es ein wenig ans Steinerne Meer von der Tour am Königssee. Es gibt nur noch nackten Fels und Steinwände die links, rechts und vor Dir empor steigen. Ein wunderschönes Bild und während wir den Anstieg nehmen, genießen wir die Einsamkeit hier oben. Es sind keine Leute unterwegs und wir haben alles für uns alleine.

Einzigartige Bergwelt

Einzigartige Bergwelt

An einer Stelle lassen wir uns für einen Snack nieder und um etwas zu trinken, bevor wir den letzten Kilometer zur Breitgrieskarspitze angehen. Bis hierher war der Weg einfach zu laufen, nicht wirklich anspruchsvoll. Jedoch kann bei dichtem Nebel die Wegfindung etwas anstrengend werden, da teilweise in längeren Abständen erst „rote“ Wegzeichen auftauchen. Mit Nebel haben wir es heute jedoch in keinem Fall zu tun :-)! Erst vor der Breitgrieskarspitze läd der Weg etwas zum Kraxeln ein und erfreut den Bergsteiger mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Uns macht es Spaß!
Den eigentlichen Gipfel nehmen wir nicht mit, sondern halten uns an den direkten Weg zur Breitgrieskarscharte an der ein Biwakschachtel für den Notfall stehen soll. Der Weg ist teilweise steil und selbst bei trockenem Wetter nicht ohne! Schnell befindet wir uns jedoch wieder auf einfach Weg zum Notbiwak und links von uns ragt die Nordostseite der Breitgrieskarspitze gen Himmel. Das Notbiwak beeindruckt uns nachhaltig, welchen „Komfort“ den nutzenden Bergsteiger erwartet. Dank dem „Roten Kreuz“ steht hier oben ein ausgeschlachteter alter Rettungswagen ohne Fahrgestellt auf 2300m. 3 Isomatten machen den Boden erträglicher und Kerzen und etwas Instandfutter bringt einen fast bei jedem Wetter in Hüttenstimmung :-). Da kann das Unwetter kommen! Wichtig ist jedoch zu sagen, dass es sich um eine Notfallunterkunft handelt und nicht aus Spaß zum übernächtigen verwendet werden sollte. So viel Respekt muss sein!

Grat unterhalb der Breitgrieskarspitze

Grat unterhalb der Breitgrieskarspitze

Mit einer weiteren Brotzeit im Magen, geht es gestärkt um 15 Uhr weiter über den Übergang zur Marxenkar, wo wir heute Schluss machen und biwakieren wollen. Als wir am Sattel ankommen, blicken wir bereits aufs Marxenkar hinab und können eine große Grünfläche ausmachen, die zum Biwak perfekt sein könnte. Das sieht doch gar nicht schlecht aus und wir machen uns an den Abstieg und werden teilweise von den örtlichen Gämsen unter die Lupe genommen. Wir bewundern deren Kletterkünste und stellen andererseits fest, das die Viecher immer wieder Steinschläge auslösen. Jeden Bergsteiger würden wir dafür verfluchen :-), aber der Tierwelt gestehen wir die mangelnde Rücksicht auf uns Wanderer ein.

Nettes Biwakplätzchen

Nettes Biwakplätzchen

Gegen 17 Uhr kommen wir auf der großen Grünfläche an und nach etwas Suchen hat Daniel einen guten Platz zum Biwakieren gefunden. Da der Wetterdienst für die Nacht und nächsten Tag Regen angesagt hat, packen wir ganz im Sinne des Leichtwanderns unser Tarp aus. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Schutz ein solches Tarp bieten kann. Mein Tarp aus Ripstop Nylon ist sicher nicht das leichteste, jedoch bietet es für 2-3 Leute bei Regenwetter eine zuverlässige Übernachtungsmöglichkeit. Der Rest des Abends genießen wir die letzten Sonnenstrahlen und den Blick auf die Bergwelt der nördlichen Karwendelkette. Was willst beim Wandern mehr als etwas zum Futtern und diese Aussicht!

Bald schlüpfen wir dennoch in unsere Schlafsäcke und genießen den Komfort einer Thermoluftmatraze. Mal schauen was der nächste Tag bringt und ob das Wetter mit uns Erbarmen hat und wir trockenen Fusses die Birkkarspitze besteigen können.

Tag 2: Sonntag, 01.09.13, Wetter: Regen
Marxenkar zurück zum Gasthof Wiesenhof (ca. 11 km)

Der Regen ist doch gekommen

Der Regen ist doch gekommen

In der Nacht hatte es leider angefangen zu regnen und um uns herum hängen die Wolken in den Bergen als wir morgens aus unseren Schlafsäcken krabbeln. Wir entscheiden uns auf Grund des Wetters gegen den Gipfelsturm der Bikkarspitze, da der Weg dorthin teilweise ausgesetzt und rutschig ist. Wir werden den direkten Abstieg ins Karwendeltal  nehmen und dieses auf dem Forstweg bis zur Schieche Klamm vorlaufen um eine gemütliche Einkehr zur Mittagszeit im Gasthof Wiesenhof anzupeilen :-). Irgendwie schade um den Gipfel, aber wir nehmen es gelassen und nehmen uns das Frühstück zu Magen und witzeln wieder etwas über die Gämse rum.
Das Tarp ist schnell zusammen gebaut und wir starten um ca. 8 Uhr bei Regen in Etappe Nr. 2. Anfänglich müssen wir die Markierung für den Abstieg erstmal finden. Mit einem Blick auf die Karte ist das aber auch schnell gefunden. Der Abstieg wird sehr schnell steil und der Weg ist nicht immer eindeutig erkennbar und man muss aufmerksam nach der roten Wegmarkierung schauen. Einmal haben wir wohl eine übersehen und sind zu faul wieder Retoure zu stapfen und entscheiden uns einfach straight den Abstieg zu nehmen, da der markierte Weg und sein Zustand auch nicht besser ist. Die Entscheidung bereuen wir zügig :-)! Unsere Wegewahl führt uns direkt auf einen Abgrund zu. Also Karte in die Hand nehmen und den ursprünglichen Weg suchen. Nach eine geschlagenen Stunde finden wir den Weg wieder. Der Dickichtkampf zurück zum Weg ist jedoch niemanden zu empfehlen :-). Also Tipp meinerseits: Schön den Markierungen von oben direkt folgen.

Alpiner Salamander

Alpiner Salamander

Ab hier ist der Weg auch wieder besser ausgebaut und wir vertreiben uns die Zeit im Abstieg unter anderem damit die zahlreichen Alpinsalamander zu bewundern. Auf Grund des Regens kriechen sie aus ihren Verstecken und präsentieren sich uns am Wegesrad. Bei so einem Sauwetter bin ich froh, dass der Inov 8 Roclite 312 GTX, die Regenhose Berghaus Paclite Pant und die Marmot Super Mica mich trocken halten. Schneller als gedacht haben wir dann auch die knapp 700 Hm von Marxenkar ins Tal bewältigt.

Ab hier ist dann die Tour für uns leider gefühlt zu Ende. Wir klinken uns in den Marsch der anderen Wanderer ein und folgen bei immer noch anhaltendem Regen dem Forstweg zurück Richtung Wiesenhof. Die Blicke schweifen das ein oder andere Mal in die umliegende Bergwelt und wir bewundern die vergänglichen Felsstürze und die Gämse in den Schotterfeldern, wie sie geschickt in dem Gelände vorankommen. Ganze 8 km später geht der Weg links ab über den Karwendelbach und wir blicken bei dessen Überquerung in Form einer Brücke in die Tiefen der Schieche Klamm. Der Weg verläuft noch einmal durch den ruhigen Wald bis wir auf den Forstweg zum Gasthof Wiesenhof treffen, den wir gestern empor gewandert kamen.
Am Gasthof angekommen, lassen wir es uns gut gehen und beenden die Tour mit einer deftigen Mahlzeit, einem Bierle und sind uns einig, dass das Karwendel nochmal einen Besuch wert ist.

Fazit

Auch wenn die Tour am Sonntag etwas langweilig durch den Marsch auf dem Talweg war, sind die Errinnerungen besonders an Tag 1 positiv. Eine schroffe Bergkulisse hat uns Wanderern eine wahre Freude bereitet und wir waren für eine Nacht Teil der Bergwelt durch einen tollen Biwak. Hätten wir die Bikkarspitze noch mitnehmen können, wäre das Fazit für Tag 2 auch besser ausgefallen. Ein Dank an Daniel, der sich nicht nur als Arbeitskollege sondern auch als lustiger Wanderkollege erwiesen hat :-).

Noch nie gesehener Wegbegleiter

Noch nie gesehener Wegbegleiter

Weit und breit nur Fels

Weit und breit nur Fels

Erster Blick zur Breitgrieskarspitze (rechts)

Erster Blick zur Breitgrieskarspitze (rechts)

Notbiwak Breitgrieskarscharte

Notbiwak Breitgrieskarscharte

 

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