2 Tagestour rund um Oberstdorf

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Am Eissee

Am Eissee

Der Winter war lange genug und der Frühling brachte ebenso kühle Temperaturen und somit wurde es Zeit, dass ich mal wieder zu einem Wandertrip in die Berge komme. Das Fernweh ist einfach irgendwann zu groß und die Wettervorhersage war sonnig. Als Begleiter hatte sich ein guter Freund, schimpft sich ebenfalls Hannes :-), als Tourenpartner dazu gesellt. Auch wenn es nur 2 Tage übers Wochenende geworden sind, war der Trip lohnenswert. Geplant war am Samstag in Oberstdorf das Auto abzustellen und  mit der Nebelhornbahn zur 2. Bergstation (Edmund-Probst-Haus) zu fahren um von dort am ersten Tag zum Eissee am Allgäuer Hauptkamm zu laufen. Für Sonntag den Retoureweg übers Dieterbachtal zurück zum Auto zu laufen.

Infos zur Tour

Länge:
Gesamtlänge: ca. 28 km
Schwierigkeit:
Gute Kondition vorausgesetzt eine meist einfache Tour. Keine ausgesetzte Stellen!
Erfahrung mit der Überquerung von Altschneefeldern je nach Jahreszeit ist jedoch erforderlich
Tourenpunkte:
Start: Oberstdorf, Seealpe, Edmund-Probst-Haus, Schochen, Laufbacher Eck, Schönberg Hütte,
Himmeleck, Wildenfeld Hütte, Bivak am Eissee, Abstieg Dietersbach, Gerstruben, Ziel: Oberstdorf
Abstiegsmöglichkeiten:
1. Nach der Edmund-Probst-Hütte über den Seealpsee ins Oytal (Tagestour)
2. Käser Alpe ins Oytal
Gehzeit:
Tag 1: Oberstdorf bis Biwak am Eissee (ca. 8,5 Gehstunden)
Tag 2: Biwakplatz über das Dieterbachtal nach Oberstdorf (ca. 4 Gehstunden)
Kartenmaterial:
Kompass Karte: Allgäuer Alpen, Maßstab 1:50000

Vorgeschichte bei der Anreise

Hannes und ich hatten uns Samstag morgen rechtzeitig auf den Weg Richtung Oberstdorf gemacht. Hannes hatte mich gebeten, dass die Tour dieses Jahr nicht mit ganz so vielen Höhenmeter gespickt ist. Auf unsere letzten Tour im Herbst 2012 im Lechgebirge haben Till und ich Hannes etwas zu sehr mit den Höhenmetern gequält :-). Gesagt getan hab ich ihm die Option offen gelassen, dass wir von Oberstdorf mit der Bahn die ersten 1200 Hm zum Edmund-Probst-Haus machen können. Dies hat er bis zum Moment dankend angenommen, bis ich ihm erzählte, dass die einfache Fahrt 20€ pro Person kostet. Zitat Hannes: „Ne, dass mach ich nicht. Da bin ich doch zu viel Schwabe dafür um 20€ zum Fenster rauszuschmeißen“. Man kann vorwegnehmen, dass Hannes die Tour trotz der Höhenmeter mit Bravour gemeistert hat.

Tag 1: Samstag, 20.07.13, Wetter: sonnig
Oberstdorf bis zum Eissee am Allgäuer Hauptkamm (ca. 18 km)

Schlucht zur Seealpe

Schlucht zur Seealpe

Wir kommen erst gegen 11.00 Uhr in Oberstdorf an und packen alles notwendige in unsere Rucksäcke für die zwei Tage. Hannes hat heut einige Premieren in Sachen Ausrüstung, die eingeweiht und getestet werden müssen. Genau geht es um seinen neuen Rucksack, den Osprey Exos 58 und die neuen Wanderstiefel aus dem Hause Hanwag, namens Banks GTX. Da muss ich kurz ein wenig die Werbetrommel für den Rucksack rühren. Wer einen bequemen Leichtwanderrucksack mit knapp über einem Kilogramm Gewicht sucht, wird mit dem Exos-Serie von Osprey glücklich werden. Der Rucksack hat viele geniale Eigenschaften, wie das Tragesystem, die Rückenbelüftung und die kleinen Details.
Um 11.30 Uhr geht es endlich los! Ab in die Berge und wir sind voller Vorfreude. Wir lassen die Bergbahn rechts liegen und schlendern am Skiflugstation von Oberstdorf vorbei. Der Blick hoch zur Schanze flößt Respekt gegenüber jedem Springer ein, der sich dort mit den Brettern runterstürzt. Von hier geht es in eine schöne Schlucht, die vom Faltbach gespeist wird. Sie spendet Schatten und ist schön anzuschauen. Schneller als gewünscht kommen wir aus der Schlucht heraus und landen auf dem breiten Fussweg zur vorderen Seealpe. Ehrlich gesagt empfehle ich niemand diesen Weg ab der Seealpe direkt über die Fahrstraße zu laufen. Schön ist was anderes und man erkennt das hier besonders der Wintertourismus seine Spuren hat. Wir nehmen den Weg aus Zeitgründen, da wir heute Abend pünktlich am Eissee ankommen wollen. Alternativ gibt es einen schönen alpinen Wanderweg, der an der Seealpe links Richtung Nebelhorn abbiegt. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind jedoch für diesen Abschnitt Voraussetzung!

Genuss auf dem Weg

Genuss auf dem Weg

Asphaltiert geht es auf der Fahrstraße bis zum Edmund-Probst-Haus oft sehr steil bergauf. Hannes und ich pfeifen ordentlich und sind dennoch froh es hinter uns zu haben. Jetzt wird der Weg definitiv schöner und landschaftlich beeindruckender. Auch wenn heute zwar die Sonne ordentlich auf den Planet knallt, ist die Fernsicht sehr eingeschränkt. Die Sicht ist diesig und man erkennt von hier oben nur einige markante Berge in der Ferne wie den Hohen Ifen und den Widderstein. Nach so viel schweißtreibender Arbeit nehmen wir uns die Zeit für eine kleine Stärkung im Edmund-Probst-Haus. Das tut gut und gibt besonders Hannes neue Kraft für das Bevorstehende. Zitat: „Von mir aus könnte die Tour hier schon zu Ende sein, da die Höhenmeter doch in den Beinen stecken“ und muss lachen. Die meisten Höhenmeter sind jedoch geschafft und die nächsten 13 Km geht es in einem Auf und Ab weiter.

Fantastisch - die Alpenflora

Fantastisch – die Alpenflora

Bereits nachdem wir die Scharte hinter der Hütte überquert haben (Abzweig für die Abstiegsvariante 1 ins Oytal), wird der Weg (Wegnr. 428) schmal und schlengelt sich wunderschön am Großen und Kleinen Seekopf, Schochen, Lachenkopf bis zur Scharte Laufbacher Eck entlang. Wir genießen die neu gewonnene Einsamkeit und bleiben hier und da stehen um die Sicht zu genießen. Ganz nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne doch so nah ist.“, bewundern wir die blühenden Berghänge. Da die Schneeschmelze dieses Jahr etwas länger gedauert hat, ist jetzt Ende Juli die Bergflora in voller Pracht zu sehen. Hier wird einem wieder klar, wie klein wir sind und welche Größe die Natur um uns hat. Sie schmückt sich mit den unterschiedlichsten Kräutern, Blumen und Gräsern um den Wanderer zu faszinieren. Für uns jetzt schön ein Highlight auf dieser Tour!

Laufbacher Eck

Laufbacher Eck

Auf dem kompletten Abschnitt bis zum Etappenziel überqueren wir regelmäßig alte Schneefelder, die ein wenig Erfahrung benötigen aber mit etwas Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gut zu meistern sind. Am Laufbacher Eck gegen 16.30 Uhr warte ich auf Hannes, da ich es auch genieße mein Tempo zu laufen. Auf der einen Seite sind wir gemeinsam hier oben unterwegs und dennoch genießt jeder die Zeit für sich, wenn wir einmal getrennt laufen. Ein kleiner Snack bringt neue Kraft und Motivation für den Rest der Strecke. Ab hier geht es nochmal an die 450 Hm den Berg hinab und wir wollen die Abkürzung zum Himmeleck nehmen. Auf dem Abstieg treffen wir jedoch einen Mitarbeiter der Bergwacht, der uns empfiehlt den etwas längeren Schlenker zu machen, da auf der Abkürzung ein großes Schneefeld zu queren ist. Dem Rat folgen wir dankend und schlagen an der Schönberghütte den Weg rechts hoch zum Himmelseck ein (Wegnr. 431). Im Anstieg treibt mich erneut der sportliche Ehrgeiz und ich genieße das schnelle Laufen den Berg hinauf. Spüre meinen Puls, atme kontrolliert ein und aus und fühle mich einfach befreit. Um gut voran zu kommen, hab ich heute den La Sportiva Crossover GTX an den Füssen. Die Momente, wo der Alltag mal Alltag sein kann und man nun einfach hier angekommen ist. Mit einem Rucksack auf dem Rücken, der einem alles bietet was man braucht um eine tolle Tour mit einem Freund zu machen. Beschränkt auf das Einfache um die Werte des täglichen Luxus schätzen zu lernen.

Bivakplatz am Eissee

Bivakplatz am Eissee

Oben empfange ich einen strahlenden Hannes, der von seiner neuen Ausrüstung schwärmt und konditionell für die letzten 6 Km gerüstet ist. Ab hier laufen wir viel gemeinsam und kommen in den Genuss eines neu angelegten Streckenabschnitts durch den DAV. Hier gilt es DANKE zu sagen! Viele Männergespräche folgen :-) und die zahlreichen Bergbäche sorgen bei immer noch ordentlichen Temperaturen für eine abwechslungsreiche Erfrischung. Ab der Wildenfeldhütte (Abzweig für die Abstiegsvariante 2 ins Oytal) haben wir unser Ziel dauerhaft im Blick. Der Eissee selbst liegt auf einem schönen Plateau unterhalb des Rauecks (2384 m) und speist einen Wasserfall der sich 100 m in die Tiefe stürzt. Von hier gibt es keine großen Höhenunterschiede mehr zu bewältigen und so kommen wir um 20 Uhr am Eissee an. Das ist mal ein Zeitmanagement!
Jetzt ist das Abendprogramm dran: Katzenwäsche am See und uns wird klar warum der Eissee seinen Namen trägt :-). Bivakplatz herrichten und den Jetboil Sol ti Gaskocher zum Leben erwecken. Das heiße Wasser ab in die Adventure Food Tüte eingerührt und 10 min warten. Das schmeckt nach dieser Tour und Hannes bestand darauf ein Bierchen bis hierher mit zu schleppen. Sehr gute Idee! So lassen wir den Abend hier oben in der Bergwelt ausklingen und legen uns zeitig in die Schlafsäcke, da es doch recht frisch wird.

Tag 2: Sonntag, 21.07.13, Wetter: sonnig
Eissee am Allgäuer Hauptkamm bis Oberstdorf  (ca. 10 km)

Start in einen neuen Tag

Start in einen neuen Tag

Hannes ist bereits kurz nach 7 Uhr auf den Beinen und genießt die Morgenstimmung während ich noch die Obhut des warmen Schlafsacks in Anspruch nehme. Arg lange hält es mich aber auch nicht mehr und wir entscheiden, dass Frühstück am Grat zum Raueck zu machen. Dort scheint die Sonne schon hin und die Aussicht ist super! Wir packen unser Zeug zusammen und stürzen uns um 8 Uhr in den kurzen Anstieg hoch zum Grat (ca. 200 Hm).

Frühstückszeit

Frühstückszeit

Hier lässt es sich aushalten und wir genießen das Outdoorfrühstück mit Sicht auf die umliegenden Berge und zurück auf den unter uns liegenden Eissee, der türkis im ersten Sonnenlicht erstrahlt. Ich merke leider schon hier, dass ich eigentlich weiter auf dem Hauptkamm laufen will. Den Hauptkamm hatte ich mit Till und einem Freund 2006 gemacht und weiss um dessen Schönheit. Aber alles jammern bringt halt doch nichts, da es heute zurück nach Oberstdorf geht. So stapfen wir um 9.15 Uhr am Grat entlang und genießen ein letztes Mal die Aussicht, bevor wir uns den Abstieg zur Dietersbachalpe vornehmen. Die ersten 250 Hm sind ein Abenteuer für sich. Es geht auf nassem Gestein durch einen eng verwachsenen Weg hinab zum Alpelesattel. Ein wenig Urwaldfeeling überkommt uns, da wir in der dämpfigen Luft schwitzen wie kaum auf der Tour zuvor. Ab dem Sattel geht es auf gutem Wanderweg nach unten zur Dietersbachalpe. Noch ein letztes mal werfen wir einen Blick auf die bunt bewachsenen Hänge und bewundern die Flora dieser Landschaft.

Ausblick Richtung Dieterbachtal

Ausblick Richtung Dieterbachtal

Die Alpe läd bereits schon zum Abhängen ein, jedoch wollen wir weiter auf dem Fahrweg Richtung Oberstdorf. Erst auf einem breiten geschotterten Fahrweg, der ab Gerstruben zur asphaltieren Straße wird. Wir sind wieder in der Zivilisation angekommen und fließen im Fluss des Wandertourismus bis nach Oberstdorf. Dieser Abschnitt ist nicht groß erwähnenswert, da er im Schatten einer tollen Landschaft des morgens und des gestrigen Tages steht.

Dort angekommen blicken wir zurück auf zwei tolle Tage in den Allgäuer Alpen und freuen uns darüber wieder einmal Bergluft geschnuppert zu haben. Und Ja wir kommen wieder :-)!

Fazit

Hannes & Hannes

Hannes & Hannes

Hat man einmal die Höhenmeter zum Edmund-Probst-Haus überwunden, da dieser Abschnitt nicht mit vielen Highlights glänzen kann, ist diese Tour traumhaft schön. In einem Auf und Ab bekommt man den Charme der Alpen zu sehen und spüren: Berge soweit das Auge reicht, schöne Berghänge, Tierwelt und die Gewissheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein! Wer eine Tour mit wenig Anspruch an Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sucht, findet hier genau das richtige mit der Möglichkeit die Tour mit vielen Variante zu verlängern. Für mich war es besonders eine super Zeit mit einem Freund in den Bergen um ein gemeinsames Erlebnis zu teilen und sich daran zu erfreuen.

 

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