3 Tageswanderung im Vorarlberg

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Die Jungs von Leichtsinnig.net

Die Jungs von Leichtsinnig.net

Wir haben das verlängerte Wochenende genutzt um eine letzte Alpentour für dieses Jahr zu starten. Das Wetter ist bestens vorhergesagt und somit steht der Tour nichts im Wege.  Der Rucksack soll natürlich wieder nur das Nötigste beinhalten.
Es verschlägt uns ins Arlberggebirge nach Bludenz als Ausgangspunkt. Wir planen ausgestattet mit dem OR Drycomp Summit Sack ohne Tarp(tent), nur mit Isomatte und Schlafsack, eine Tour zur Gamsfreiheit, vorbei am Formarinsee zum Steinernen Meer und von dort über den Gehrengrat hinab ins Tal nach Wald am Arlberg. Für knapp 3 Tage nicht das anspruchsvollste Programm, aber dafür bleibt umso mehr Zeit zum Staunen über die schöne Bergwelt. Die Zeit können wir auch nutzen um einige neuen Ausrüstungsgegenstände zu testen, die wir uns angeschafft haben. So hat Hannes den neuen Black Diamond Ultra Distance Z-Pole Trekkingstock aus Carbon dabei und zum Kochen buckeln wir den Jetboil Sol ti. Den Kocher haben wir ja schon vorgestellt und Input über die Stöcke stellen wir bald online.

Samstag, Tag 1: Bludenz zur Gamsfreiheit

Wir kommen erst gegen 12 Uhr in Bludenz mit dem Auto an und müssen uns noch erkundigen wo der Einstieg über den Furklaweg zur Gamsfreiheit beginnt, da genau dieser Teil nicht mehr auf unserer Karte ersichtlich ist. Scheinbar nicht ganz einfach, nach dem einige Ortskundige keine Ahnung haben. Ein netter Polizist weiß jedoch Bescheid und wir fahren in Richtung Muttersbergbahn.

Über Wiesen in Richtung Gamsfreiheit

Über Wiesen in Richtung Gamsfreiheit

Hier geht der Weg schön schattig den Berg hinauf und wir kommen ganz schön ins schwitzen. Irgendwann haben wir die Baumgrenze erreicht und kommen an einigen Almen vorbei. Ab hier wird die Sicht auf die umliegenden Berge, weit über das benachbarte Montafon mit jedem Höhenmeter besser. Eine ordentliche Rampe über Wiesen führt uns ins Felsige mit dem ersten Teilziel des heutigen Tages – eine Scharte unterhalb der Elsspitze. Auf der anderen Bergseite sehen wir schon den Zustieg zur Gamsfreiheit. Einen kleinen Snack später laufen wir ca. 200 Hm hinab und halten langsam Ausschau nach Trinkwasser für unser Abendessen Travellunch, bevor es in Richtung Etappenziel geht. Die trockenen Wochen und der Herbst machen sich hier bemerkbar. Wir finden leider nur noch ausgetrocknete Wasserstellen. Also erstmal auf zur Gamsfreiheit hinauf über einen schönen Bergpfad, der zum Gipfel hin teilweise mit Drahtseilen gesichert ist. Aber kein Problem darstellt, wenn man etwas Trittsicherheit mit bringt. Oben angekommen schreibt Till ein paar Zeilen ins Gipfelbuch, den das was wir 360 Grad um uns sehen ist eine anständige Entschädigung für all den Schweiß und die Mühen. In Richtung Norden der Widderstein (Kleinwalsertal), im Westen der Säntis (Appenzell), im Süden die Schesaplana (Montafon) und im Osten das was wir uns für die nächsten 2 Tage vorgenommen haben.
Von hier aus entdecken wir auch einige Höhenmeter weiter unten eine tolle Wiesenfläche zum bivakieren und ein paar Wasserpfützen, die sich leider bei näherer Betrachtung als nicht genießbar erweisen. Hier hilft auch der Wasserentkeimer von Steripen nicht mehr weiter. Wir müssen also weiter in Richtung Faludriga Alm absteigen um nach Wasser zu suchen. Gerne wären wir hier geblieben, den der Platz ist ein Bivaktraum :-).
Im Abstieg entdeckt Till eine tolle Quelle aus der es nur so sprudelt. Bingo!!! Den Wassersack gefühlt und die Katzenwäsche später entscheiden wir uns, uns zurück auf das Plateau zu schleppen und die letzten Sonnenstrahlen zu nutzen.

Was gibt es noch Schöneres für uns Wanderer, als nach getaner Arbeit die Isomatte dort auszubreiten, wo man der Natur am nächsten ist und nur dem Röhren des Hirsches zu lauschen. Mit einer Packung Travellunch ziehen wir uns anschließend in den Schlafsack zurück und fangen an die Vielzahl der Sterne zu zählen. Natürlich erfolglos! Hier oben befindest Du dich in einem Sternenmeer und Du fragst dich vor dem Einschlafen, was dort draußen noch alles zu Hause ist.

Sonntag, Tag 2: Gamsfreiheit zum Gehrengrat

Boahh, war das heute Nacht feucht! Der Marmot Plasma 15 und Western Mountaineering Apache MF triefen nur so vor Kondenz, wie wir es selten erlebt haben. In diesem Fall wäre ein Bivaksack top gewesen. Die ersten Sonnenstrahlen sorgen aber für trockene Daunen und wir lassen uns das Frühstück schmecken.

Auf dem Weg zur Faludriga Alm

Auf dem Weg zur Faludriga Alm

Mit neuem Tatendrang machen wir uns gegen 10 Uhr weiter in Richtung Formarinsee über die Schwarze Furka auf. Erst wieder bergab zur Faludriga Alm und von hier angenehm aufsteigend zur Furka. Was uns schon seit gestern wundert, dass wir keiner Menschenseele begegnet sind. Was wir absolut genießen. Ein sonniges Wochenende und kein Mensch ist hier unterwegs. An der Furka treffen wir jedoch die erste Familie und auf dem Abstieg zum See mehren sich die Wanderer. Die Freiburger Hütte hat die letzte Woche in der Saison aufgehabt und es hat wohl eine ordentliche Hüttengaudi zum Abschluss gegeben. Ganz klar das hier am Formarinsee einiges los ist. Wir gehen noch eine Runde baden und pfeifen uns anschließend ein paar Leckerbissen rein.
Von hier geht es in Richtung Steinernes Meer und mit jedem Meter wird es wieder ruhiger um uns. Ach, wie herrlich! Das Steinerne Meer fällt erstaunlich klein aus, wenn man schon mal im großen Bruder davon am Königssee gewesen ist. Aber landschaftlich ein tolles Bild, wie die Natur hier ihre Spuren in den Stein gezogen hat. Wir hüpfen im Angesicht des Gehrengrats von Stein zu Stein um anschließend die Höhenmeter zum Grat anzugehen. Wir fragen noch einer der letzten Menschenseelen auf dem Weg nach einer Wasserstelle, da wir mal wieder nichts gebunkert haben.
Auf dem Grat angekommen sind wir platt! Nicht wegen dem Laufen, sondern wegen der Aussicht. „Hier schlagen wir unser Quartier für die Nacht auf, Till“. Gesagt getan machen wir ca. 400 Hm weiter unten den Bach aus und beschließen, die Rucksäcke hier oben abzulegen und so runter zu laufen. Auf dem Abstieg kommt uns noch eine Familie entgegen, die mit Zelt unterwegs sind. „Nein, ihr nehmt uns nicht den schönen Platz weg :-)“, denke wir uns und geben ordentlich Gas und genießen das Laufen ohne Gepäck. Wasser auftanken und wieder im „Flow“ nach oben. Ein Zustand der herrlich ist. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dich nichts und gar nichts stoppen kann. Du nimmst jeden Höhenmeter mit Leichtigkeit und während Dir der Schweiß am ganzen Körper runter läuft, schüttet der Körper Glück ohne Ende aus, dass uns noch mehr antreibt.
Wir kommen also vor der Familie wieder oben an. Wenn es um schöne Bivakplätze geht, machen wir keine Ausnahme :-). Das übliche Abendprogramm beginnt und wir machen im Sonnenuntergang noch ein paar Meter auf dem Grat in Richtung Pöngertle Kopf. Minuten später leuchtet der Horizont nur noch im Sonnenrot und wir liegen im Schlafsack. Der Blick nach oben gerichtet, wie sich ein Stern nach dem anderen am Himmel einnistet. Selten haben wir so weit oben bivakiert, da man eher selten eine so geschickte Stelle findet. Wir quatschen uns noch in den Schlaf und stellen immer wieder fest, wie schön das hier oben ist. Eins mit der Natur zu sein. Gute Nacht!

Montag, Tag 3: Gehrengrat nach Wald am Arlberg

Die innere Uhr weckt uns pünktlich zum Sonnenaufgang. Wieder grenzenloses Glücklichsein in unseren Gesichtern während wir das letzte Travellunch genießen. Das der Herbst hier schon im vollen Gange ist, merkt man an den Temperaturen. Es ist kalt, nur die Herde von Steinböcken, die Till entdeckt hat, scheint hier völlig unbeeindruckt zu sein.

Der Gehrengrat

Der Gehrengrat

Heute heißt es nur noch auslaufen. Wir steigen den gewohnten Weg zum Bach des Vorabends ab und lassen uns unter dem Ton des Plätschern noch ein wenig die Morgensonne auf den Körper scheinen. Ein paar Meter weiter kann man sich entscheiden über den Spullersee oder über die alpine Variante über die Glong abzusteigen. Wir entscheiden uns für die kürzer alpine Route, die nicht immer leicht auszumachen ist. So queren wir auch mal einfach nur einen Wiesenhang, bis wir den richtigen Weg wieder finden. Als die ersten Bäumen auftauchen wird es es nochmal steil und ein paar Meter vor uns rauscht ein ordentlicher Brocken zu Tale. Till kommentiert es mit einem Lachen: „Gut das wir hier jetzt runter müssen“.
Unten in Wald am Arlberg angekommen nehmen wir den Bus zurück nach Bludenz. Die öffentlich Verkehrsmittel sind hier ausgezeichnet und wir haben nochmal einen tollen Blick auf alles was wir in den letzten 3 Tagen abgewandert sind.

Fazit der Tour

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Unsere Alpenwelt hat vieles zu bieten. Da fällt die Auswahl auf eine Tour schwer. Aber diese Dreitagestour ist ein absolutes Muss für diejenigen, die gerne mit dem Bivak unterwegs sind und Natur pur suchen. Vom Schwierigkeitsgrad für jeden machbar, der schwindelfrei ist und Spaß am Auf und Ab hat. Wir sind uns sicher, dass wir besonders an den Gehrengrat nochmal zurück kommen werden. Wer Fragen dazu hat, einfach her damit. Wir versuchen zu helfen wo es geht. In diesem Sinn: Berg heil und bis zur nächsten Tour!

 

Hannes genießt die Morgenstimmung

Hannes genießt die Morgenstimmung

Im Praxistest - Jetboil Sol ti

Im Praxistest - Jetboil Sol ti

Traumwetter am 2. Tag

Traumwetter am 2. Tag

Steiniger Zustieg zur Gamsfreiheit

Steiniger Zustieg zur Gamsfreiheit

Die Gamsfreiheit vor Augen

Die Gamsfreiheit vor Augen

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