Allgäuer Hauptkamm – Wochenendtour

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Allgäuer Hauptkamm

Allgäuer Hauptkamm

Vor 6 Jahren sind Till und ich bereits den kompletten Allgäuer Hauptkamm abgelaufen und erinnern uns gerne an die Tour. Das letzte Wochenende prophezeite Sonne pur und so bleibt uns Naturburschen nichts anders übrig mit Freund Hannes los zu ziehen und einen Abschnitt davon zu laufen. Geplant ist die Anreise am Freitag Abend mit kulinarischem Grillen an einem der vielen Grillplätze im Lechtal zu beginnen. Den Hauptkamm am ersten Tag von Häselgehr (Lechtal) über das Hermann-von-Barth-Haus anzulaufen und Sonntags den Abschnitt zwischen Kemptner Hütte und Rappenseehütte zu machen.
Der Oktober zeigte sich in den Bergen im herbstlichen Gewand. Über 2500m waren die Berggipfel bereits weiß vom ersten Schnee gezuckert und wir hatten die Wege fast für uns alleine. Eine Kombi, die eine schöne Tour garantiert!

Infos zur Tour

Länge:
Gesamtlänge: ca. 26 km
Tourenpunkte:
Start: Häselgehr, Luxnacher Sattel, Balschtesattel, Hermann-v.-Barth-Haus, Hermannskarsee,
Krottenkopfscharte, Biwak am Roßgumpenbach, Mädelejoch, Heilbronnerweg Richtung
Hohes Licht und Abstieg übers Hochalptal, Ziel: Prenten
Abstiegsmöglichkeiten:
zu viele um diese alle zu erwähnen :-)
Gehzeit:
Tag 1: Häselgehr bis Biwak am Roßgumpenbach (ca. 9 Gehstunden)
Tag 2: Biwakplatz über Heilbronner Weg nach Preiten (ca. 6,5 Gehstunden)
Kartenmaterial:
Kompass Karte: Allgäuer Alpen, Maßstab 1:50000

Tag 1: Samstag, 20.10.12, Wetter: sonnig
Häselgehr bis zum Biwakplatz Roßgumpenbach (ca. 15 km)

Herbst in den Bergen

Herbst in den Bergen

Nachdem wir gestern erst gegen 0 Uhr in die Schlafsäcke gekrabbelt sind, stehen wir heute schon bei Zeit zum Abmarsch bereit. Wir stellen das Auto in Prenten (Tourenende) ab und nehmen den Bus um 07 Uhr, der uns zum Ausgangspunkt nach Häselgehr bringt. Die Sonne geht gerade auf als wir die ersten Meter auf dem Weg 434 ins Haglertal aufsteigen und recht schnell sorgen die wärmenden Strahlen für T-Shirt Temperaturen. Der Weg steigt ordentlich an und wir genießen die Herbststimmung. Besonders die knallgelben Lärchen haben es uns angetan, die im Kontrast mit den verschneiten Bergspitzen um die Wette leuchten. Man kann sich streiten welche Jahreszeit die schönste in den Bergen ist, aber in Sachen Vielfalt ist der Herbst einfach unschlagbar. Man spürt, dass sich die Berg- und Tierwelt auf den langen Winter vorbereitet aber vor dem ersten Schnee noch mal richtig aufblüht. In diesem Moment hier zu sein, ist einfach unbeschreiblich.
Genug mit der sentimentalen Art :-):  An der Haglertal Hütte machen wir eine kurze Rast bevor es über die Baumgrenze steil den Berg nach oben ansteigt. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen!

Die Wandertruppe

Die Wandertruppe

Unterhalb des Luxnacher Sattels sehen wir die ersten Gämse im Geröll herumspringen und eine lässt es sich nicht nehmen einige Meter entfernt von uns den Weg zu kreuzen. Um kurz vor 11 Uhr haben wir den Sattel erreicht und finden ein tolles Plätzchen zur Stärkung. Vor uns die herbstliche Bergwelt mit genialer Weitsicht bis…*mhhhh* Ach, was weiss ich wie die Berge alle heißen :).
Nach der guten Mahlzeit und einem kurzen Sonnenbad geht es meist auf gleicher Höhe bleibend auf dem Enzensbergerweg zur Balschtesattel. Hier sehen wir die ersten Gipfelstürmer des Tages.

Sonst war der Weg für uns allein da. Wir genießen die Ruhe hier oben abseits der Touristenmeilen. Anschließend geht es weiter das Balschtelkar entlang. Ein riesen Bergkessel der Ausblick auf die umliegenden Berge gibt und wir hören in der Wand der Wolfebnerspitze einige Kletterer umherufen.
Gegen 13.30 Uhr kommen wir beim Hermann-von-Barth-Haus an. Wir füllen unsere Getränke hier an der Quelle auf und sehen einen jungen Steinadler am Himmel kreisen. Hier wird uns wieder die Schönheit und Eleganz dieses Vogels klar. Ohne einen Flügelschlag steigt der Adler gen Himmel auf. Ein echter Flugkünstler! Außer vier anderen Wanderern ist hier nichts mehr los. Alles bereits im Winterschlaf und dabei hätten wir doch irgendwie noch einen Kaiserschmarn verdrücken können :-). Alles jammern bringt nichts, die Brotzeit aus dem Rucksack erfüllt ebenso ihren Zweck. Es ist noch ein Stück bis zum Etappenziel und wir wollen nicht im Dunklen ankommen. Im Birkenkar geht es ein Stück abwärts um auf der Hanggegenseite das Gleiche wieder empor zu steigen. In unmittelbarer Nähe sehen wir die namenlose Scharte, bei der wir gegen um 15 Uhr ankommen. Mit jeder Scharte zeigt sich ein immer neues Bild der Bergwelt. Allein deswegen lohnt es immer wieder hier her zu kommen.
Hannes, unserem Mitstreiter liegen die letzten Kilo- und Höhenmeter so langsam schwer in den Beinen. Aber er kämpft wie gewohnt tapfer. So weit haben wir es auch nicht mehr. Durch das Hermannskar am gleichnamigen See vorbei erreichen wir die Krottenkopfscharte kurz nach 17 Uhr. Wir treffen zwei Jungs aus Tübingen und wechseln ein paar Worte über die Tour und geben noch ein paar Infos mit auf den Weg, da sie keine Karte dabei haben :-(. Uns etwas unverständlich, wie man hier ohne Karte unterwegs sein kann. Naja!

Bei der Hermannskarspitze

Bei der Hermannskarspitze

Von hier oben sehen wir schon ein passendes Plätzchen für unser Nachtlager. Es gibt nicht viele geeignete Biwakmöglichkeiten, da kommt uns die Stelle gerade recht. Vorher gilt es noch einen 300m Abstieg zu bewältigen. Hannes ist für heute bedient und wir freuen uns mit ihm auf den Feierabend. Kurz noch die Wasservorräte am Bach aufgefüllt, eine Katzenwäsche durchgeführt und Punkt 18 Uhr verschwindet bereits die Sonne hinter der Bergkette der morgigen Etappe.
Auf dem Speiseplan steht Travellunch. Dank dem Jetboil Sol ti kocht das Wasser im Nu und wir erfreuen uns an der Stärkung, bevor wir um 19 Uhr glücklich und zufrieden in unsere Schlafsäcke kriechen. Ja, richtig gehört um 19 Uhr und das in unseren jungen Jahren :-). Es ist bereits stockfinster, die Temperatur geht stark gegen 5 Grad, die Sterne funkeln um die Wette und wir versuchen zu verstehen, wie weiter ein Stern von der Erde entfernt ist. Wir beschließen den Tag mit einem „gute Nacht, Jungs“ und begeben uns ins Land der Träume. Bis Moin!

Tag 2: Samstag, 21.10.12, Wetter: sonnig
Biwakplatz Roßgumpenbach bis Prenten (ca. 11 km)

Gegen 6 Uhr weckt mich Hannes mit einem kurzen Stupser aus dem Schlaf und zeigt auf einen Fuchs, der keine 3 Meter von uns gerade dabei ist, einen unserer Rucksäcke davon zu ziehen :-). Na

Einfach schön

Einfach schön

erstmal „Guten Morgen, Jungs“. Das glaubt man nur, wenn man es selbst erlebt hat und ich denke an einen Arbeitskollegen, der mir genau eine solche Geschichte erzählt hat. Wir werden jedoch nicht schlau daraus, was der Fuchs hier auf über 2000m sucht. Es scheint sich auf jeden Fall gelohnt zu haben, denn es wird uns von Sekunde zu Sekunde klarer, dass er nicht nur an einem Rucksack gewesen ist. Es gilt auch noch zu sagen, dass die Rucksäcke direkt an unseren Köpfen lagen und wir es nicht bemerkt hatten, dass wir von dem kleinen Frechdachs beklaut werden. Das Ergebnis des nächtlichen Streifzuges: eine zerfetzte Mülltüte, eine angefressene Tupperdose und ein paar komplett abgebissene Verstellbänder von Hannes Rucksacks :-).
Nachdem sich unser Nachtbesuch verzogen hat, machen wir nochmal für eine Stunde die Augen zu und stehen mit den ersten Sonnenstrahlen zum Frühstücken auf. Um halb 9 Uhr sind wir wieder auf die Wanderpiste um den 2. Tag mit Peilung Heilbronner Weg aufzunehmen. Erst geht es noch ein paar Meter nach unten, wo wir auf den Anstieg zum Mädelejoch treffen. Die unter uns liegende Kemptner Hütte ist ebenfalls in der Herbstpause und so ist die Verlockung des Kaiserschmars nicht zu groß. Die ersten Kilometer geht es auf dem Weg den Berg mal mehr mal wenig bergauf. Wir laufen unterhalb des Kratzer zum Kratzer Joch und weiter zum Schwarzenmilz Ferner. Ein großes Schnee- und Eisfeld, dass sich aber gut überqueren lässt. Wie an vielen Gletschern nackt auch hier die Zeit an dem Eis. Bei der Tour vor 6 Jahren war das Eisfeld definitiv größer.

Weg zum Bockkarkopf

Weg zum Bockkarkopf

Ab der Bockkarscharte befinden wir uns entgültig auf dem Grat und auf der nordöstlich zugewandten Bergseite stoßen wir auf die Überreste des ersten Schnees vom letzten Wochenende. Soweit geht das gut, aber an diesem Abschnitt waren wir sehr vorsichtig, da der Schnee teilweise vereist war und die steile Hanglage nichts für einen blöden Schritt übrig hatte :-). Aber suchen wir in den Bergen nicht alle einen gesunden Nervenkitzel. Der Inov8 Roclite 318 GTX mit dem groben Sohlenprofil macht wieder einen guten Job und gibt Sicherheit. Auf dem Bockkarkopf angekommen, gehen wir gleich weiter zur Socktalscharte um den letzten Gratabschnitt in Reichweite des Hohen Lichts zu meistern. Nach dem Hans-Kaiser-Steg wird es nochmal anspruchsvoll, da der Abstieg komplett auf der Schattenseite liegt und somit verschneit ist.

Wohl behütet kommen wir Drei den Abstieg runter. Das Hohe Licht lassen wir links liegen und schauen, dass wir vor der Dämmerung durchs Hochalptal runter kommen. Wir genießen die letzten 4 Kilometer bergab. Ab der Baumgrenzen laufen wir auf einem schmalen Trail zwischen herbstlichen Farben nach Prenten hinab und kommen pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit am Auto an und flitzen gleich gen Heimat.

Fazit

Eine wirklich tolle Wochenendtour mit vielen Highlights: das sonnige Wetter, die Einsamkeit, der Fuchsbesuch :-) und zu guter Letzt ein genialer Weg in den Alpen mit Funfaktor 10. Die Tour ist definitiv keine Tour für den Wandereinstieg, sondern verlangt Schwindelfreiheit, Ausdauer und Konzentration an einigen Abschnitten. Als Belohnung bekommt man viele Berge und tolle Aussichten zu sehen. Wer gerne mit dem Biwak oder Zelt unterwegs ist, findet am Rappensee und am Roßgumpenbach (östlich Mädelejoch) ein Übernachtungsplatz mit toller Abendstimmung. Viel Spaß beim Nachlaufen :-)!

Aussichtsreiche Entspannung

Aussichtsreiche Entspannung

Schmetterling

Schmetterling

Bergwelt

Bergwelt

 

 

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2 Kommentare zu “Allgäuer Hauptkamm – Wochenendtour”

  1. 1 Miss M  | 20:36 on 10/13/2014:

    hej, netter blog :) hast du auch gps-daten von deinen touren?

  2. 2 Hannes  | 20:41 on 10/13/2014:

    Servus!

    Freut mich, wenn Dir der Blog gefällt. Leider habe ich von den Touren keine GPS Daten. Geht es Dir um eine
    spezielle Tour?
    Ich stehe noch auf die klassische alte Papierkarte :-). Obwohl für die zukünftigen Touren gibt es Hoffnung,
    da ich mir vor kurzem eine GPS Uhr zugelegt habt und auf Tour immer fleißig aufzeichen will.

    Machs gut
    Hannes

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