Basics

Gramm um Gramm

Wie Dir der Einstieg gelingt und Spaß macht

Begriffe wie „Ultraleichtwandern“, „UL“ und „Leichtwandern“ finden auf deutschsprachigen Internetseiten aktuell wenig Verbreitung und praktische Anwender. Um die Vorzüge der Gewichtsreduktion seiner Ausrüstung zu erkennen, lohnt es sich auf jeden Fall ein Blick hierauf zu werfen. Leichtwandern ist nicht gleichbedeutend mit einer abgesägten Zahnbürste, einem Tarp das im Wind kein „Dach über dem Kopf“ mehr bietet und einem 100 gr. Kocher, der ewige Zeit benötigt um das Essen heiß zu bekommen. Leichtwandern soll den Outdooralltag erleichtern, das Nachdenken des Anwenders ankurbeln: „Brauch ich das auf meiner Tour überhaupt?“. Und dabei die Gesundheit des Körpers über die Jahre mit dem Zuhause auf dem Rücken in Einklang bringen. In den kommenden Zeilen zeigen wir Dir im Detail was Leichtwandern bringt und wie es Deinen Alltag zu Fuß erleichtern kann. Leichtwandern erzeugt ganz nebenbei Spaß beim Planen und auf der Tour selbst.

Bei all den Begriffen, die es um das Leichtwandern gibt, möchten wir uns aus dieser Diskussion raushalten. Was definiert eigentlich „UL“, „Ultraleicht“ oder „Superultraleicht“? Wer ist UL unterwegs und wer nicht?
Hier gibt es keine genaue Definition und wir Deutschen reagieren skeptisch auf diese Wörter, wenn Sie in Foren auftauchen und ausdiskutiert werden. Wir wollen auf dieser Plattform mit dem Wort „Leichtwandern“ die Zustimmung des Lesers gewinnen. Für uns bedeutet „Leichtwandern“ eine intensive und kreative Auseinandersetzung mit der eigenen Ausrüstung und der bevorstehenden Tour. Das Ziel soll das geringst möglichen Gewichts unter Beibehaltung von „wirklichem“ Komfort & Sicherheit sein.
Beim Leichtwandern reicht es nicht leichte Ausrüstungsgegenstände zu finden/kaufen/basteln und in einen Rucksack zu stopfen. Sondern es erfordert ebenso eine intensive Auseinandersetzung mit der geplanten Tour sowie Kenntnis seiner eigenen Fähigkeiten, Bedürfnissen und einer großen Teil Erfahrung. Warum das? Stelle Dir vor du hast von allem das leichteste eingepackt, aber am Schluss merkst Du, dass Du die Hälfte gar nicht gebraucht hast. Das geringst mögliche Gewicht kannst Du nur erreichen, wenn Du deine Ausrüstung mit einer peniblen Planung, Verstand und viel Erfahrung auswählst.

Die Formel könnte also so aussehen: minimales Gewicht = leichte Ausrüstung + penible Planung + Verstand + Erfahrung.

Vorgeschichte

Während unserer Auszeit durch Nepal, Australien und Neuseeland haben wir das erste Mal für uns den Weg zum Leichtwandern gefunden. Wir haben während der siebenmonatigen Reise viele Trekkingtouren unternommen und durch die langjährigen Belastungen sind Knieschmerzen zu unserem ständigen Begleiter geworden.
Wer kennt das nicht! Man packt zum Anfang einer Tour, egal ob Ein- oder Mehrtagestour, alles in den Rucksack ein, was einem sinnvoll erscheint. Am Ende der Tour stellt man oft fest, dass ein Großteil der Ausrüstung nicht benutzt wurde.
Wir wollten darauf Taten folgen lassen und haben bei einer Tour hierauf bei der Planung geachtet. Am Ende standen wir mit einem kleinen 35 Liter Radrucksack und einem gewöhnlichen Trekkingrucksack am Startpunkt. Wir wurden nach wenigen Stunden bereits vom ersten Hüttenwirt auf unsere kleinen Rucksäcke angesprochen: „Ob wir nicht zu wenig dabei hätten?“. Wir konnten mit Sicherheit behaupten, dass wir bedacht und mit viel Sicherheit gepackt hatten, da wir über die Jahre unsere Ausrüstung testen konnten.
Bereits auf den ersten Meter dieser Mehrtagestour konnten wir erkennen, was das Abspecken des Rucksackgewichts für Vorteile mit sich brachte. Es zeigt von Jetzt auf Gleich, wie sich alleine die schmale Form des Rucksacks vorteilhaft auswirkt. Wir hatten mit einer kleinen Veränderungen unseres Denkens, einen großen Vorzug erhalten.
Diesen wollen wir bis zum heutigen Tage nicht mehr ablegen. Für uns war nach dieser Tour klar, dass wir weitermachen wollen. Wir wollen Spaß daran entwickeln, die Ausrüstung bedachter und multifunktioneller einzusetzen. Die wichtigste Lektion war, dass es nicht mal unbedingt neuer Ausrüstung bedarf. Mehr die genauere Planung und Erfahrung durch die Wahl der gegenwärtigen Ausrüstung reduziert bereits das Basisgewicht.

Vorteilhaftes Wandern mit leichter Ausrüstung

Wie können wir die Vorteile der Gewichtreduktion unseres Basisgewichts am verständlichsten machen und den gleichen „Ahh“ – Effekt bei Dir zu erzeugen? Wir Beide haben uns den Kopf darüber zerbrochen, wie wir Dein Interesse an der Thematik wecken können. Für uns war schnell ein gutes Beispiel für den typischen Kanidaten zum Leichtwandern gefunden. Das Beispiel sind wir selbst!
Für uns gibt es nichts Schöneres als Draußen zu Hause zu sein. Schritt für Schritt einem stillen Pfad zu folgen, der am Abend einen Platz zum Übernachten für uns übrig hat. Obwohl wir die Lust am Wandern erst seit 6 Jahren für uns entdeckt haben, teilen wir die Lust zum Wandern heute mit dem regelmäßig auftretenden Schmerz im Knie. Dieser wird durch Artrose hervorgerufen. Natürlich ist uns klar, dass nicht jeder Wanderfreund in unserem Alter mit Knieproblemen zu kämpfen hat. Es zeigt aber, dass wir bedacht mit unserem Körper umgehen müssen, um diese Leidenschaft noch weiter betreiben zu können. Und selbst, wenn Deine Gelenke mit 50 Jahren noch wunderbar laufen, bietet das Leichtwandern die gleichen Vorteile wie bei denjenigen, die mit körperlichen Problemen zu kämpfen haben.

In Zeiten wo wir bei unserem Outdoorhändler mit den Schwerlastenrucksäcken nur so überhäuft werden, stellt sich den praktizierenden Leichtwanderern die Frage, ob schwerer auch gleich besser ist. Vermutlich wird jeder diese Frage mit „Nein“ beantworten. Ein schwerer Rucksack mit allem Schnick Schnack garantiert mir als Kunde nicht, dass ich damit sicher unterwegs bin. Zumal wird so manch ein Mehrtagestrip durch die hohen Lasten zu einer echten Quälerei mit dem Ausgang, dass wir völlig erschöpft abends unser Zelt in Mitten der Natur platzieren. Der Körper gewöhnt sich in den meisten Fällen natürlich an die Lasten: die kleinen Dinge wie Schulterdrücken, Verspannung und das wackelige Dahinstolpern über Stock und Stein hat man jedoch immer dabei.

Wer nun denkt, schön jetzt kann ich meine ganze Ausrüstung auf Leichtwanderausrüstung umstellen um somit meinen Geldbeutel zu Erleichtern, der täuscht sich. Die Umstellung unserer Ausrüstung auf der Weltreise hat uns ehrlich gesagt gar nichts gekostet. Sie war umsonst und es wäre uns auch auf den vorherigen Touren möglich gewesen. Das Einzige was es uns kostete waren die Überlegungen, welche Ausrüstungsgegenstände wir wirklich mitnehmen müssen und nicht sinnlos mit uns rumschleppen.
Dieser kostenlose Gedankenwechsel kann für Dich der erste Schritt für die etwas andere Tour mit weniger Gewicht bedeuten. Um es genauer zu beschreiben, ist es der wichtigste und billigste Schritt um ins Leichtwandern zu starten.

Beginne Deine nächste Tourenplanung damit all Deine Ausrüstungsgegenstände mit Gewicht in einer Tabelle zu erfassen. Denke im nächsten Schritt anhand Deiner Auflistung darüber nach, welche Ausrüstung sich multifunktional nutzen lässt.  So braucht doch beispielsweise keiner von uns einen Teller mit kompletten Besteck. Die Pasta schmeckt auch aus dem Kochtopf gut und lässt sich nur mit dem Löffel wunderbar genießen. Zumal fördert es die Gemeinschaft einer kleinen Truppe, wenn jeder mit dem Essen an der Reihe ist und nicht jedermann über dem eigenen Teller hängt.

Wenn Du bedacht packst wirst Du feststellen, dass Du schnell ein paar unnötige Kilos sparen kannst, ohne Geld dafür auszugeben. Vielleicht gelingt es Dir ja sogar, Deinen schweren Trekkingrucksack wegzulassen, da Du auch zusätzlich eine Platzersparnis erreichst. So kannst Du mit dem kleineren Rucksack losziehen.

Wie vorhin schon geschrieben, benötigt es beim Leichtwandern viel Erfahrung und Verstand, daher taste Dich am Anfang langsam heran. Spare an allem, aber niemals an der Sicherheit! Beginne mit der bestehenden Ausrüstung und schaue bei einer Wochenendtour, wie viel Gewicht Du durch sinnvolles Planen sparen kannst. Man sollte Schritt für Schritt Erfahrungen mit den einzelnen Ausrüstungsgegenständen sammeln. Das geht auf der Wochenendtour genauso gut, wie auf längeren Trekkingtouren!
Irgendwann wird jedoch jeder mit dem Weglassen von unnötiger Ausrüstung an die Grenze stoßen. Es ist an der Zeit, die Qualitäten als MYOG Experte (Make your own Gear) unter Beweis zu stellen oder ein Teil seiner Ausrüstung gegen Leichteres auszutauschen. Hier ist es natürlich empfehlenswert mit den Teilen der Ausrüstung zu starten, bei denen man im Vergleich „Kosten-Gewichtsersparnis“ am Besten davon kommt.

Abschließend haben wir die Nach- und Vorteile nochmal zusammen gefasst:

Nachteile:

  • Robustheit der Leichtwanderausrüstung
  • Wenn man es genau betrachtet gibt es nur ein gut zu kalkulierenden Nachteil beim Leichtwandern. Der Umgang mit der neuen Ausrüstung bedarf neuer Erfahrungen, die gemacht werden müssen. Dieser Nachteil kann jedoch besonders während der ersten Erfahrungen durch gezielte Informationsbeschaffung, richtiger Produktwahl und Planung der Tour sehr stark eingeschränkt werden. Des Weiteren minimiert sich dieser Nachteil um ein vielfaches, wenn man bedenkt, dass selbst viele Wanderer mit der ursprünglichen Ausrüstung Fehler begehen, weil sie deren Grenzen bzw. Funktion nicht kennen.
    Und die hierzu Lande aufkommenden Diskussionen, dass man mit leichter Ausrüstung an Komfort auf seinen Touren verliert, ist unserer Meinung nach auch nicht der Rede wert. Der Komfort beginnt bei der richtigen Tourenplanung und Produktwahl. Wer hier sein Hausaufgaben in diesen zwei Kriterien gemacht hat, wird den gleichen Spaß mit seiner Ausrüstung haben wie mit ursprünglichen Ausrüstung.Zitat: Komfort ist letztendlich die eigenen Kontrolle und Planung

Vorteile

  • Sicherheit im Gelände durch kleineren & schmäleren Rucksack
  • Geringeres Gewicht
  • Rücksichtsnahme auf Deine Gesundheit
  • Längere Ausdauer auf Tour
  • Größere Strecken sind möglich
  • Mehr Spaß & Genuss am Wandern
  • Intensive Auseinandersetzung mit Mensch, Natur & Material
  • Ausrüstung kann auch selbst gemacht werden (MYOG)

Die vier Großlasten Deiner Ausrüstung

Bei diesem Schritt wird Dir klar werden, bei welchen Ausrüstungsgegenständen Du eine Menge Gewicht sparen kannst. Die vier wichtigsten Komponenten für das Leichtwandern sind der Rucksack, das Zelt, der Schlafsack und Deine Isomatte. Sie machen einen Großteil dessen aus, was die ganze Plackerei auf Tour ausmacht.

Wichtig ist zu wissen, dass eine gewisse Abhängigkeit der Gegenstände vorhanden ist. Bevor Du Dir einen leichteren Rucksack unter der 1 kg Grenze zulegst, musst Du Dein allgemeines Gewicht deutlich reduzieren. Jeder Rucksack hat in Abhängigkeit von seinem Tragesystem, der Polsterung ein unterschiedliches Komforttragegewicht. Das Komfortragegewicht sagt aus, bis zu welchem Gewicht sich dieser Rucksack „komfortabel“ tragen läst. Daher empfehlen wir wie folgt vorzugehen:

Isomatte

Kauf Dir eine Schaumstoffisomatte, und schicke Deine aufblasbare Matte in den Ruhestand. Unterlagen aus Schaumstoff wiegen für 3 Jahreszeiten in unseren Gefilden nicht mehr als 400 gr.  Wer noch einen Schritt weitergehen will, macht daraus eine ¾ Version. So lässt sich noch mal ordentlich Gewicht einsparen, den der Kopfteil dient bei vielen Wanderern als Kopfkissen.  Mit einem Fleece- oder Kunstfaserjäckchen lässt sich dieser Teil isolieren und das Kopfkissen ist auch gleich integriert.

Schlafsack

Wenn es ums Leichtwandern gehen soll, wirst Du hier nicht um die beliebte Daune herum kommen. Sie bietet bei weniger Gewicht eine deutlich bessere Isolation und ist bei richtiger Pflege langlebiger als die schwereren Kollegen aus Kunstfasern. Unsere anfängliche Skepsis gegenüber der Daunenfüllung haben wir schnell beiseite legen können. Das Daunen etwas empfindlicher auf Nässe reagieren ist bekannt. Jedoch gibt es ausreichend Möglichkeiten diesem Manko auf Tour entgegen zu wirken.
Bei den Daunentüten gibt es neben dem Mumiensschnitt noch weitere Formen, die sich vorzüglich zum Leichtwandern eignen. Immer mehr im Kommen ist hier der Quilt und die Topbags. Der Topbag besitz an dessen Unterseite keine Füllung mehr, da dieser Teil beim Schlaf ständig vom Körper zerdrückt wird und die Isolation daher stark beeinträchtigt ist. Beim Topbag muss durch die Isomatte oder sonstige Ausrüstung genügend Isolation „nach unten“gewährleistet sein. Ein Schritt weiter geht der Quilt. Diese Form des Daunenschlafsacks kann als geschlossenes System oder als Decke für die wärmeren Nächte verwendet werden. Für die bestmögliche Isolation wird der Quilt unterhalb der Isomatte zusammen gebunden.

Zelt (Tarp bzw. Tarptent)

Beim Zelt kann man noch mal ordentlich an der Gewichtsschraube drehen. Es bieten sich zwei Varianten besonders an. Ist man in weniger windigen und regnerischen Gebieten unterwegs, kann ein Tarp Gewichtsrekorde brechen. Man kann relativ einfach in Eigenregie aus einem Stück Ripstop Nylon ein Tarp selber bauen. Ein Tarp kann mit seiner Einfachheit punkten, da es lediglich eine Art Plane ist, die man als Schutz vor Wind und Regen abspannt. Als netter Nebeneffekt lässt ein Tarp die Nähe zur Natur zu.
Nun sprechen wir die Tarptents an. Sie verbinden die Vorteile eines Tarps mit denen eines Zeltes. Tarptents zeichnen sich durch ein geschlossenes System aus, dass jedoch im Vergleich zum Zelt nur einwandig ist. Dadurch schrumpft das Gewicht erheblich und je nach Typ ist die Kondensbildung durch mangelnde Belüftung bei einem Tarptent nicht der Rede wert. Wer also in mückenreichen Gegenden, z.B. Skandinavien oder Schottland, unterwegs ist, findet hier einen kompletten und leichten Unterschlupf.
Einige Leichtwanderer verwenden für Ihre Tour auch einen Bivaksack aus wasserabweisendem und atmungskaktivem Material. Hierbei handel es sich um eine mumienförmige Sack in den man mit dem Schlafsack hineinkriecht. Der Sack dient dem Wetterschutz und hält Kondenz vom Schlafsack fern. Diese Variente verwendet man meist bei besserer Wetterlage, da es im Regenfall sehr spartanisch ist.

Rucksack

Die Umstellung auf den Leichtwanderrucksack hängt wie gesagt von den anderen Komponenten Schlafsack, Isomatte, Zelt, Kleidung und der sonstigen Ausrüstung ab. Der Rucksack bietet noch einmal einen nächsten Schritt in Deinem Diätplan an. Unserer Meinung nach lassen sich z.B. ein Golite Pinnacle mit seinen Gewicht um die 800gr wunderbar mit bis zu 18 kg tragen. Wessen Ausrüstung leicht und kompakter ist, der benötigt auch kein schweres Tragesystem und keine dicke Polsterung mehr. Die Fliegengewichte dieses Transportgegenstandes überzeugen mit Einfachheit ohne viel Schnick Schnack.

Mit diesen Schritten, kannst Du sehr viel auf dem Weg zum Leichtwandern erreichen. Wir bezeichnen es mal als die Grundlage. Du wirst in vielerlei Hinsicht erkennen, welche Vorteile sich Dir dadurch eröffnen werden. Leichtwandern kann sehr viel Spaß machen, wenn man sich einmal damit befasst hat.

The Finish

Wir hoffen Dir einen guten Einblick in Deinen Start zum Leichtwandern gegeben zu haben. Es ließen sich problemlos weitere Seiten zum Thema „Umstellung“ verfassen. Wir können jeden auf diesem Wege ermutigen einen Start in Richtung Leichtwandern zu wagen, egal ob Du eine Tages-, Wochenend-, alpine – oder Trekkingtour bevorzugst. Leichtwandern macht überall Sinn. Wir werden natürlich weiter unsere eigenen Erfahrungen bloggen bzw. mit Hilfe von Dir das Thema öffentlicher zu gestalten. Schließlich sind wir es ja nicht nur, die hier Erfahrungen sammeln, sondern auch Du selbst. Also mach mit!