Ein Wochenende auf dem Hindelanger Klettersteig

Veröffentlicht: von | Kategorie(n): On Tour | 2 Kommentare »
Gratabschnitt

Gratabschnitt

Auf meinem Tourenplan war schon längst der Hindelanger Klettersteig überfällig. Till ist zu Hause geblieben und ich bin mit Arbeitskollege Seb und seiner Freundin Christa mit Rucksack los gezogen. Geplant ist unterhalb des Klettersteigs in der Nähe beim Koblatsee zu biwakieren. Wäre da nicht das Problem, dass der Steig an einem schönen Wochenende vermutlich total überlaufen ist. Die perfekte Lösung von meinen zwei Mitstreitern: Wir reisen erst gegen mittag mit dem Auto an, nehmen die Bergbahn bis zum Edmund Probst Haus und laufen anschließend die letzten 300 Hm zur Nebelhornstation. Einstieg gegen 16 Uhr in den Klettersteig und wir haben den ganzen Grat für uns alleine :-). Das ist zumindest der Plan!

Info zum Hindelanger Klettersteig

Länge:
ca. 5 km
Schwierigkeit:
B/C
Ausstiegsmöglichkeiten :
offiziell 2 Abstiege, jedoch gibt es deutlich mehr Möglichkeiten
Gehzeit:
ca. 5 Std. Klettersteig und ca. 2 Stunden Rückweg zum Edmund Probst Haus
Weitere Infos:
www.via-ferrata.de

Tag 1: Samstag, 18.08.12, Wetter: sonnig

Aufstieg zum Nebelhorn

Aufstieg zum Nebelhorn

Wir treffen uns um 11.15 Uhr zur Abfahr Richtung Oberstdorf und kommen richtig gut durch den Ferien- und Wochenendverkehr. Gegen 15 Uhr stehen wir am Edmund Probst Haus und laufen die letzten 300 Hm zum Nebelhorn hoch. Bereits jetzt sind kaum noch Wanderer und Touris unterwegs und unser Plan mit dem späten Einstieg in den Klettersteig scheint aufzugehen :-). Punkt 16 Uhr setzen wir die ersten Schritte auf den Steig und genießen merklich die Einsamkeit des Grats.Wir haben alles dabei, was für eine Outdoorübernachtung brauchen: Travellunch zum Essen, Jetboil Sol ti zum Kochen, ThermaRest NeoAir Xlite, Schlafsack und das alles ordentlich verpackt in dem OR Drycomp Summit Sack.

Hier mal eine Leiter, da mal ein bisschen Drahtseilsicherung und der Rest geht soweit ohne Sicherung. Die Fernsicht ist trotz den warmen Temperaturen gigantisch: In Richtung Osten steht der Hochvogel, im Süden der Blick Richtung Biberkopf, im Westen der Hohe Ifen und der Bodensee und im Norden der Wächter des Allgäus „Grünten“. Auf dem Steig sind keine Anderen mehr und wir genießen die Abendstimmung über dem östlichen und westlichen Wengenkopf. Der Foto wird regelmäßig gezügt um die tollen Momente hier oben festzuhalten.

Ein etwas schmaleres Stück

Ein etwas schmaleres Stück

Gegen 21 Uhr ist die Sonne im steilen Senkflug Richtung Horizont und wir entscheiden uns auf ca. 2/3 des Klettersteigs in einer Rinne abzusteigen um auf den Wanderweg zwischen den Seen und dem Edmund Probst Haus zu kommen. Schon im Abstieg sind die ersten Sterne am Himmel zu sehen und am Weg angekommen sind die LED Lampen bereits am Kopf. Wir suchen am Wegesrand einen netten Biwakplatz und werden schnell fündig. Das Wasser holen wir mit einem Wassersack vom nahe gelegenen Koblatsee. Gegen 24 Uhr liegen wir mit gefülltem Magen, glücklich und zufrieden mit einem positiven Resümee des Tages in unseren Daunentüten und blicken begeistert in funkelnden Sternenhimmel. Hier zeigt sich wieder einmal wie schön es sein kann, wenn man sich auf das wesentliche beschränkt und damit trotzdem glücklich ist. All der Luxus des Alltags bleibt fort und mit der Erkenntnis, dass „Weniger meist doch mehr ist“ beschließen wir den Tag mit diesem Fazit.

Tag 2: Sonntag, 19.08.12, Wetter: sonnig

Rückweg

Rückweg

Die Nacht war super warm. Wir hatten an die 20 C° und die ersten Sonnenstrahlen treffen uns gegen 8 Uhr. Wir frühstücken in aller Gemütlichkeit und die ersten Wanderer laufen an uns vorbei in Richtung der Seen. Seb und ich steigen anschließend wieder die Rinne vom Vorabend hinauf und gehen den letzten Abschnitt des Klettersteigs. Christa treffen wir wieder an den Seen, wenn wir vom Klettersteig zurück sind.
Ab hier wird der Klettersteig meiner Meinung nach etwas anspruchsvoller. Die B/C Kategorie ist aber durchaus berechtigt. Wir merken, dass wir ein paar Körner am Vortag liegen gelassen haben und gehen die Sache gemütlich an. Die Sonne brennt  schon heiß vom Himmel und unsere Sonnencreme ist Pflicht. Von oben hat man wieder eine geniale Sicht. Keine Wolke trübt den Himmel. Auf dem Stück gib es einige kurze Kletterpassagen, die gut gesichert sind. Wir sind erstaunt, dass so wenige Leute auf dem Steig sind, obwohl das Wetter traumhaft ist. Nach knapp 2 Stunden ist der Steig bezwungen und man kommt oberhalb des Laufbichelsees zum Abstieg. Ich will noch auf den Großen Daumen hoch, während Seb bereits im Abstieg zum See ist.
Am Laufbichelsee angekommen lassen wir es uns nicht nehmen das kalte Wasser als Erfrischung zu nutzen und gehen eine Runde baden. Das ist herrlich! Um einen herum die Berge und perfektes Wetter. Schöner könnte auch ein Höhenfreibad nicht sein. Hier am See lässt es sich mit ein paar Leuten auch gut biwakieren. Nach der Erfrischung machen wir uns auf den Weg zurück zum Edmund Probst Haus. Im Auf und Ab geht es unterhalb des kompletten Klettersteigs in 2 Stunden zurück zur Bahn. Anschließend geht es mit der Bahn zurück nach Oberstdorf.

Fazit

Der Hindelanger Klettersteig hat seine Bekanntheit verdient. Ein sehr schöner Steig im mittleren Schwierigkeitsgrad, der für jedermann machbar ist, der schwindelfrei und sicher auf den Beinen ist. Das Klettersteigset ist natürlich Pflicht! Für mich war die Variante mit dem spätem Einstieg das absolute Highlight, da der Steig komplett leer gewesen ist und bei solchen Wetterbedingungen das Wander- bzw. Kletterherz höher schlägen lässt. Abgerundet durch das tolle Biwak unter einem fantastischen Sternenhimmel. Für mich hat sich auch hier gezeigt, wie wichtig leichte Ausrüstung ist und sein kann. Gerade in den kurzen Kletterpassagen war ich über jedes daheim gelassene Gramm froh. Der schmal gebaute OR Drycomp Summit Sack ermöglich ein gutes Gleichgewicht auf den Gratabschnitten.

Rund um ein tolles Wochenende in den Allgäuer Bergen!

Weitere Bilder vom Hindelanger Klettersteig

Dank an Sebastian für die klasse Fotos der Tour.

Hannes mit Ausblick

Hannes mit Ausblick

Sehr beweglich :-)

Sehr beweglich :-)

Wackelige Angelegenheit

Wackelige Angelegenheit

Christa scheint es zu gefallen

Christa scheint es zu gefallen

Aussicht vom Klettersteig

Aussicht vom Klettersteig

Sonnenuntergangsstimmung

Sonnenuntergangsstimmung

Mehr Sterne gehen nicht

Mehr Sterne gehen nicht

Frühstückszeit

Frühstückszeit

Der Laufbichelsee

Der Laufbichelsee

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht: von | Kategorie(n): On Tour | 2 Kommentare » Schlagworte: , , , , , ,

2 Kommentare zu “Ein Wochenende auf dem Hindelanger Klettersteig”

  1. 1 Jaddar  | 10:12 on 09/05/2012:

    Hey,
    sieht nach einer echt klasse Tour aus. Super geschrieben und tolle Bilder! Wieder eine Wandertour mehr auf meiner Liste :-)
    Gruß
    Jaddar

  2. 2 Hannes  | 11:20 on 09/05/2012:

    Hey Jaddar!

    Mit Sicherheit gibt es bessere Tourenbericht :-), aber Bilder sagen ja bekanntlich mehr als 1000 Worte.

    Die Tour ist auf jeden Fall zu empfehlen
    Servus
    Hannes

Auch eine Meinung? Sag sie uns!