Felsenland Sagenweg im Pfälzer Wald

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Traumsicht Wegelnburg

Traumsicht Wegelnburg

Für Conny und mich war bisher der Pfälzer Wald ein schwarzes Loch auf der Landkarte und wir hatten der Gegend in Sachen Wandern noch keine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Man hat gehört, dass es in der Pfalz leckeren Wein und kulinarische regionale Highlights gibt, aber nichts von schönen Wanderrouten. Auf der Suche nach einer Tour für das verlängerte Osterwochenende waren wir auf der Suche nach einer Tour, die von der Heimat schnell zu erreichen ist. Ein Arbeitskollege von mir hatte uns auf die Idee mit dem Pfälzer Wald und dem Felsenland gebracht. Online nach einige Bilder und Informationen zum Felsenland Sagenweg gesucht und fündig geworden. „Platz 1 – Deutschlands schönster Wanderweg des Jahres 2013“ vom Wandermagazin gekürt und Sagengeschichten zu Hauf klingt natürlich verlockend. Aber an Ostern? Ist da nicht zu viel los? Und gefällt es uns dort? Um es heraus zufinden stand nach den ersten positiven Eindrücken fest, da müssen wir hin und die Rundtour machen.

Infos zur Tour

Länge:
Gesamtlänge: 86,5 km (Mehrtagestour)
Ausschilderung:
Es ist kein Fehler die Wanderkarte einzupacken, jedoch ist der Weg
wirklich sehr gut ausgeschildert
Schwierigkeit:
Die komplette Rundtour ist von der Schwierigkeit her keine größere
Herausforderung. Ein welliges Profil fordert jedoch ein wenig
die Kondition & Kraft. Belohnt wird man jedoch mit tollen
Aussichtspunkten
Tourenpunkte:
Start: Dahn Touristeninfo, Ziel: Bärenbach
Austiegsmöglichkeiten:
Auf der gesamten Runde gibt es mehrere Ausstiegsmöglichkeiten
von wo man auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Dahn kommt
Einkehrmöglichkeiten:
Auf der gesamten Strecke kommt man öfters an Einkehrmöglichkeiten zum Essen/Trinken mit pfälzischen Spezialitäten vorbei
Kartenmaterial:
Wanderkarte von der Touristeninfo: Felsenland Sagenweg

Donnerstag, 17.04.14, Wetter: bewölkt
Anreise und Biwak am Vogelsberg (2 km)

Felsenland im Nachtlicht

Felsenland im Nachtlicht

Wir steigen gleich noch am Donnerstag abend nach der Arbeit ins Auto und schleichen in den Feiertagsstaus in 3 Stunden Richtung Dahn zum Start. Als wir dort eintreffen, packen wir unsere Sachen zusammen und starten in der Dämmerung die ersten Meter auf der Runde. Conny hat auf der Tour ihren neuen Leichtwanderrucksack Exped Lightning 45 dabei, den wir auf dem Weg auf Herz und Nieren prüfen möchten.
Wir hatten uns schon zu Hause ein paar potenzielle Biwakplätzle auf dem Vogelsberg bzw. Jungfernspruch per Google Earth ausgeschaut, damit wir nicht noch in der Nacht ewig nach einem Plätzchen suchen müssen.

Wir laufen am Dahner Friedhof vorbei und schneiden die eintretende Dunkelheit mit dem Licht unserer Stirnlampen. Was wir im Kegel unserer Stirnlampen sehen, stimmt uns fröhlich! Wir steigen gemütlich ansteigend hoch auf den Kamm des Vogelberg. Dort sehen wir die ersten Sandsteinfelsen, die so typisch für die Region sind. Sieht toll aus, wie die Felsformen von der Natur geschliffen wurden. Fix erreichen wir den Kamm und fangen an nach einer geeigneten Stelle für unser Tarp zu suchen. Nach dem wir noch zum Jungfernsprung vorgelaufen waren, kehren wir wieder ein paar Meter zurück und finden ein schönes Plätzchen direkt am Weg mit Aussicht  auf Dahn. Besser kann ein verlängertes Tourenwochenende nicht starten und wir sind gespannt auf die kommenden 3 Tage im Felsenland der Sage.

Freitag, 18.04.14, Wetter: bewölkt/sonnig
Biwak am Vogelsberg bis Biwak Eichelberg (19 km)

Auf geht's!

Auf geht’s!

Wir wachen recht früh auf und können nicht mehr richtig schlafen. Dies liegt jedoch nicht an uns, sondern am Lärm der aus Dahn empore steigt. Ein lautes Knattern durchfluttet das Gebiet und wir sind verwundert, dass jmd. um 6 Uhr morgens ungestraft so ein Krach machen darf :-). Zu später Tageszeit wird uns das Geräusch noch öfters begegnen, aber wir sind im Moment noch unwissend über diese Tradition der Region.
So machen wir uns ans Frühstücken mit Müsli & Milchpulver. Das gibt Kraft für den Tag und stimmt uns ein auf das bevorstehende Outdoorerlebnis. Wir sind um 8 Uhr wieder vorne am Jungfernsprung und genießen den Ausblick über Dahn. Die heutige Etappe führt die ersten Kilometer in der Nähe Dahns herum und man landet nach 10 Km wieder im Ortskern um weiter dem Weg zu folgen. Der Jungfernsprung erzählt der Sage nach von einer jungen Frau, die hier an den Felsen kam, da sie von einem Mann auf Grund ihrer Schönheit verfolgt wurde. Aus lauter Verzweiflung sprang sie von dem Fels hinab nach Dahn und wieder erwartend überlebte sie den Sprung und einige Tage später entstand an der Sturzstelle eine Quelle.

Dahn mit Jungfernsprung

Dahn mit Jungfernsprung

Über einen Weg durch ein Mischwald geht es hinab nach Dahn und wir erblicken den Jungfernsprung von unten und die Frau aus der Sage steht als geschnitze Figur an der Quelle. Wir folgen dem gut erkennbaren Wegweiser des Felsenland Sagenweges durch Dahn auf die andere Bergseite und steigen dort im Zickzack einen schmalen Weg bergauf zum Sängerfelsen. Um uns blüht der Frühling prächtig und der Mischwald ist in einem kräftigen Grün gekleidet. Am Sängerfels packt Conny das GPS Gerät aus um einen Geocache aufzusuchen während ich den Ausblick runter nach Dahn genieße.
Ab hier führt der Weg auf knapp 2 km auf der gleichbleibende Höhe durch den Wald vorbei an den unterschiedlichsten Felsformationen aus Sandsteinen. Nur das rauschen der Straße ist zu hören und wir beiden sind hier im Wanderglück und genießen jeden Schritt in dieser tollen Naturkulisse. Nun kommen wir an der Burgruine Neudahn an! Eine ziemlich gut erhaltene Ruine, die wir natürlich erstmal erklimmen müssen. Oben gibt es neben einer tollen Aussicht etwas zum essen. Hier oben ist es wie auf dem schönsten Kinderabenteuerspielplatz, den man sich in seiner Kindheit gewünscht hat. Überall verlassene Gänge und neue Wege zu entdecken.

Ruine Neu-Dahn

Ruine Neu-Dahn

Erst als ein leichter Regen einsetzt machen wir uns auf den weiteren Weg. Wir haben ja noch ein paar Kilometer Felsenland für heute vor uns. Man kommt über ein Abstieg in das Moosbachtal und folgt auf Waldwegen vorbei an Biotopen dem ruhig gelegenen Weg. Vorbei an der Pfälzer Waldhütte (Einkehrmöglichkeit) und über eine Welle zurück in Richtung Dahn. Bevor man jedoch in Dahn einläuft kommt man noch am Fels „Braut & Bräutigam“ vorbei und hat die Möglichkeit den Wachtfelsen zu erklimmen um einen weiteren Aussichtspunkt auf der Route abfertigen zu können.

Blick ins Felsenland

Blick ins Felsenland

Wir sind wieder im Ortskern von Dahn und stoßen hier wieder auf die Klappergeräusche von heute morgen. Die Tradition ist uns jedoch weiterhin gänzlich unbekannt, nur die lauten Holzratschen bekommen wir einmal zu Gesicht. Aus Dahn heraus kommen wir an einen Ort der Stille: dem Ehrenfriedhof aus dem 2. Weltkrieg. Hier liegen über 2500 Verstorbene des Krieges. Wir genießen die Stille noch einmal und folgend anschließend leicht bergauf dem Weg zum Hochsteinfels. Hier oben lacht uns die Sonne erstmals ins Gesicht und wir nutzen den Moment für eine Pause mit einer Stärkung und wir finden Dank dem GPS den nächsten Cache von Conny. Schatzsuche für Erwachsene :-)!
Frisch gestärkt und bester Wanderlaune machen wir uns wieder auf und folgen für 1 km einem Waldpfad bis wir zur Burg Altdahn. Hier ist schon etwas mehr los. Bis dato waren wir ziemlich alleine auf den Wegen unterwegs. Es war uns schon fast unheimlich das an Ostern so wenig los ist. Aber die Region bietet viel Platz, damit sich die Touristenschwärme etwas verlaufen! Wir lassen daher die Ruine rechts liegen und stapfen weiter durch den Wald bis wir in Erfweiler eintreffen. Auf dem Weg dorthin entdecken wir immer wieder Felsen, die im Walde versteckt sind und somit das landschaftliche Bild vielfältig gestalten. Wir erkennen immer wieder neue landschaftliche Stile hier: mal sieht es aus wie im Elbsandsteingebirge, dann südländisch wie auf Korsika und das wellige Profil hat was vom Schwarzwald.

Kirche in Erfsweiler

Kirche in Erfsweiler

Hinter Erfsweiler geht es wieder einen Anstieg hoch zu einem weiteren Aussichtspunkt. An dieser Stelle registrieren wir das erste mal, dass die Routenersteller keine Chance ausgelassen haben ordentliche Umwege in Kauf zu nehmen, damit man an jeden besonderen Punkt des Weges kommt. Aber man muss eingestehen, dass die Route auch lohnenswert ist. Alternativ kann man in Erfsweiler den Schlenker über den Aussichtspunkt im Tal abkürzen. Wir bekommen für den Mehrweg eine tolle Aussicht über Erfsweiler um anschließend gleich wieder in einem saften Abstieg ins Tal geführt zu werden :-).

Trinkwasser gefällig, nein?!

Trinkwasser gefällig, nein?!

Der nächste flach ansteigende Anstieg ist nicht weit, der uns auf einer Strecke von 2 km um den Kahlenberg führt Richtung Schindard. Vor dem Abstieg kommt man nochmal an einen schönen Aussichtspunkt. Hier kann man wunderbar Biwakieren, wenn man nicht weiter laufen kann/will. Wir wollen jedoch noch ein paar Meter abspulen, da wir noch gut in der Zeit liegen.
Unten im Ort fragen wir bei einem Hausbesitzer freundlich nach, ob er uns ein paar Liter Trinkwasser hat, damit wir Wasser für das Abendessen und Frühstück haben. Alles kein Problem, wir werden herzlich empfangen und kommen im Gespräch der Tradition mit den lauten Holzratschen entscheidend nahe. Die Lösung klingt logisch: Den Kindern in der Region wird erzählt, dass über Ostern die Glocken der Kirchen nach Rom fliegen. Daher leuten die Kids um 6, 12, 15 und 18 Uhr mit den lauten Ratschen die „Glocken“. Definitiv eine nette Art des Zeitvertreibs und der Aufrechterhaltung von Traditionen.

Eichelberg

Eichelberg

Nach so einer netten Begegnung mit den Einheimischen und dem Austausch von Infos zum weiteren Wegeverlauf, machen wir uns weiter auf den Weg um den Berg „Eilöchel“ zum Aussichtspunkt Eichelberg. Hier kommen wir um 17.45 Uhr an und sind hin und weg von der Schönheit des Platzes. Aber es ist noch so früh und so lange hell! Wir überlegen hin und her: bleiben oder noch zum Drachenfels laufen. Am Ende bleiben wir und laufen ein wenig den Kamm entlang und finden dort einen geschickten Platz im Wald um das Tarp abzuspannen. Wir richten uns gemütlich ein, packen das Koch- & Esszeug zusammen und gehen damit zum Aussichtspunkt zurück um mit Blick auf Busenberg den Abend ausklingen zu lassen.

Samstag, 18.04.14, Wetter: bewölkt/sonnig
Biwak Eichelberg  bis Ruine Wegelnburg (22 km)

Tierische Wegbegleitung

Tierische Wegbegleitung

Die Nacht hätte besser sein können. Wer im Wald biwakiert befindet sich in einem Gebiet der tierischen Nachtgeräusche :-). Aber das ist der Preis, den man gerne für das Naturerlebnis in Kauf nimmt. Wir frühstücken noch fix ein paar Happen, bauen das Tarp ab und sind wieder auf dem Trail. Mit gutem Schuhwerk in Form meiner Inov8 Roclite 312 GTX ist der Weg gut zu laufen. Wir folgen bis zum Ortsrand von Busenberg einem Vogellehrpfad durch den Wald. Von Vögeln ist zumindestens aktuell noch nichts zu sehen! Aber wir können anhand der Vogelartenbeschreibung ausmachen, welcher nachtaktive Vogel uns heute nacht auf Trapp gehalten hat.
Im Ortskern angekommen stürzen wir uns in eine Bäckerei, die heute zwischen den Osterfeiertagen geöffnet hat. Tut das gut mal wieder ein Laugenweckle mit Butter zwischen den Beisern zum haben, nachdem wir uns die letzten 2 Tage mit Tütennahrung und Müsli durchgefüttert haben. Ein süßes Stückle rundet das erweiterte Frühstücksmahl ab.

Aufstieg zum Drachenfels

Aufstieg zum Drachenfels

Wir verlassen anschließend schnell die Ortschaft und laufen weiter zum Drachenfels. Der Weg führt uns anfänglich auf asphaltiertem Feldweg zum Waldrand und wird dort zum schmalen Wandertrail. Auf dem Weg dorthin werden wir von lautem „muhhhhhhh“ begleitet. Die örtlichen schottischen Highlandcows sind auch schon wach! Der Weg führt gemächlich ansteigend hoch zum Drachenfels. Hier steht eine riesige Ruine, die wirklich imposant ist und heut früh ist hier niemand unterwegs. Wir bewundern vom höchsten Punkt die Aussicht und sehen ein paar blaue Flecken am Himmel. Vielleicht wird es heute etwas sonniger!
Von hier aus geht es wieder bergab und wir folgen einem welligen Wegverlauf die nächsten 3,5 km nach Erlenbach bei Dahn. Eines der vielen kleinen Örtchen in der Region und wir ruhen uns bei einem kleinen Snack auf einer Bank kurz aus und lockern die verspannten Füsse. Über dem Ort steht in guter Optik die Burg Berwartstein, die weiterhin bewohnt ist und in einem Topzustand zu sein scheint. Ein dementsprechend Touristenstrom pilgert dort hinauf! Wir folgen dem Strom über den Weg auf die Anhöhe, auf der die Burg liegt, schauen uns ein bisle die Burg von außen an und starten so gleich wieder den Abstieg zurück nach Erlenbach.

Auf dem Weg

Auf dem Weg

Ab hier wird es wieder schön ruhig und wir laufen in ein Waldgebiet rein und folgen mal still, mal kommunikativ dem Weg. Es ist herrlich ruhig hier und wir haben viel Zeit zum genießen. Irgendwann erreichen wir eine einfache Schutzhütte und machen hier unser große Mittagspause. Immer wieder schweift der Blick in die Weite während wir uns ein Stückle Brot nach dem anderen in den Mund stecken. Da fällt es anschließend schwer wieder in die Gänge zu kommen. Aber die landschaftliche Abwechslung macht es uns leicht! Erst folgenden wir einem breiten Waldweg und betreten anschließend einen Kamm mit schönen Felsformationen, die Meter für Meter immer höher werden und am Fladenstein hängen einige Kletterer im Stile von Spiderman am Fels.
Anschließend kommt man oberhalb von Bundenthal aus dem Wald und folgt einem unspektakulären Weg ins Dorf hinab. Hier kann man sein Proviant im Supermarkt auffüllen und wir gönnen uns ein Eis in der Mittagssonne. Frisch gestärkt geht es weiter den Berg hoch zum Segelflugplatz um danach wieder ins Tal abzusteigen. Das ganze läuft auf einer Strecke von ca. 2 km ab. Von hier an wird der Weg wieder richtig schön und gibt viel Zeit zum genießen. Mal ein schmaler Pfad, mal geschotterter Waldweg und das ganze bei einem welligen Profil.

Blümchenwelt

Blümchenwelt

Wir kommen noch einmal an eine Straße und verschwinden fix wieder auf einem Weg im Wald. Für uns ist der folgende Abschnitt einer der schönsten gewesen. Es geht über schöne Trails über 2 km den Berg empor bis man den Aussichtspunkt „Mäuerle“ erreicht. Von hier hat man schon wirklich eine schöne Fernsicht und unterhalb liegt bescheiden das Örtchen Nothweiler. Conny findet hier noch einen weiteren Cache mit dem GPS und wir verlieren uns hier oben ein wenig in der Schönheit der Natur. Gegenüberliegend sehen wir schon die Ruine Wegelnburg. Die höchste Ruine in der Pfalz. Dort soll es heute noch hingehen, da es zum Übernachten geeignet ist und vom landschaftlichen ein Traum sein soll. Ob es stimmt?! Wir werden es nur herausfinden, wenn wir uns zum Abstieg in den Ort machen um den Anstieg mit den meisten Höhenmetern des kompletten Weges in Angriff zu nehmen.
Im Abstieg fällt uns der durchlöcherte Hang auf. Hier sind scheinbar die Wildschweine unterwegs! Gut das wir heute Abend auf einer Burg schlafen :-)! Unten angekommen sprechen wir eine Familie im Garten an, ob sie unseren Wasserbeutel mit etwas Trinkwasser für den Abend auffüllen. Wieder alles kein Problem und es ergibt sich ein netter Plausch mit den Einheimischen, die uns noch ein wenig mit lokalen Informationen füttern. Wir sagen schon mal DANKE für diese nette Begegnung und die Gastfreundlichkeit!

Traumsicht Wegelnburg

Traumsicht Wegelnburg

Bester Dinge schlendern wir durch den Ort und nehmen den finalen Anstieg zur Burg in Angriff. Erst etwas steiler und mit der Zeit gemächlich Höhenmeter für Höhenmeter. Eine geschlagene halbe Stunde später stehen wir oben auf der Burg. Woaaahhhh, ist das eine Aussicht hier oben!!! Man hat eine tolle Sicht auf den kompletten Pfälzer Wald, der an diesem Abend am Horizont im Dunst des Tages liegt. Und gepaart mit dem Flair der Burg ein absolutes Highlight. Es sind noch 2 Jungs mit hier oben, die ebenso wie wir auf Tour sind und hier übernachten werden. Leider haben sie uns einen guten Platz fürs Tarp weg geschnappt. Zum Biwakieren ist es nämlich hier oben super und es gibt auch eine Grillstelle.
So verbringen wir noch den Abend mit den Jungs ums Lagerfeuer und hauen uns irgendwann mal in die Schlafsäcke um einer entspannten Nacht & einem erholsamem Schlaf entgegen zutreten. Die Tagesetappe war klasse und hat richtig Vorfreude auf morgen gemacht!

Sonntag, 19.04.14, Wetter: bewölkt/sonnig
Ruine Wegelnburg bis Ort Fischbach bei Dahn (ca. 18 km)

Pünktlich zum Sonnenaufgang krabbel ich aus dem Schlafsack, da ich den Moment hier oben auf der Ruine fotografisch festhalten will. Mein Frühstart nehmen wir zum Anlass mit dem stärkenden Frühstück endgültig in den letzten Tag der Tour zu starten. Es wartet heute nochmal alles was der Pfälzer Wald zu bieten hat und sind voller Vorfreude darauf!

Ruine Hohenbourg

Ruine Hohenbourg

Nach dem die zwei Jungs ein paar Minuten vor uns gestartet sind, machen wir uns bei sonnigem Wetter auf den Weg zur nächsten Ruine Hohenbourg, die bereits in Sichtweite auf einer anderen Anhöhe liegt. Erst geht es ein paar Meter durch den Wald abwärts bis zu einer Schutzhütte mit Wasserquelle am Kaiser-Wilhelm-Stein. Ab hier befindet man sich auf französischem Boden – Bojour! Für den Wanderer bleibt der Wegweiser jedoch der selbe. Immer dem „kleinen Geist“ nach.
Auf der Ruine angekommen kraxeln wir die Stufen zum Aussichtspunkt hinauf und blicken im Panoramamodus um uns. Ein letzter Blick auf die Wegelnburg, die uns ein wirkliches Abenteuer beschert hat und wir unser Glück über die geniale Landschaft so recht nicht glauben können. Die nächste Ruine namens Löwenstein ist auch schon zum Greifen nahe. Die Dinger gibt es hier wie Sand am Meer und gerade deswegen tragen sie zur Besonderheit dieser Region bei. Alleine die Arbeiten zum Erbauen der ganzen Burgen müssen Jahrzehnte gebraucht haben und unserer Anerkennung für die bauwerklichen Fähigkeiten der damaligen Herrscher zollen wir ihnen gerne.

Am Langenfels

Am Langenfels

Die Ruine Loewenstein lassen wir jedoch links liegen und folgen dem Waldweg bis zum Langenfels. Hier läuft man leicht abschüssig auf einem breiten Bergkamm bestückt mit lauter Sandsteinformationen entlang. Das Morgenlicht schafft ein wunderschönes Bild und wir schlendern den 1 km langen Weg bis zur Burg Fleckenstein dahin. Hier wartet der Kulturschock: Busse mit Touris, Kommerzielles und kein Charme mehr. Schnell weg hier! Wir laufen links an der Burg vorbei und werden von irgendwelchen Lautsprechern mit Sprüchen mitten im Wald befeuert, die für den ansässigen Burgenpfad für Kinder den Flair von damals herstellen sollen.
Ist die Burg aus dem Blickfeld wird es schnell wieder ruhiger und wir folgen einem Kilometer dem breiteren Weg durch den Wald. Vor Hirschthal überkreuzen wir eine Landstraße und machen kurz dahinter eine Pause an einer Brücke mit herrlichem Bachverlauf. Im Fluss des Baches schweifen unsere Gedanken während wir uns ein paar Leckerbissen in den Mund schieben. Ist das herrlich!

Ginster im Frühlingskleid

Ginster im Frühlingskleid

Weiter geht es am Hang oberhalb von Hirschthal entlang. Am nördlichen Ortsrand folgen wir dem Weg bergauf zum Bruderfels. Hier präsentiert sich der Frühling besonders intensiv. Eine Vielzahl von saftigem Grün schmückt unseren Wegverlauf und wird am Fels selbst mit einer Aussicht zurück auf Hirschthal belohnt. Eine nette Frau schleicht ebenso über den Weg zum Aussichtspunkt auf uns zu und wir kommen ins Gespräch und befeuern uns schwärmend von den Eindrücken der Region. Mir wird gerade hier klar, wie sehr eines meiner liebsten Sprüche an Wahrheit gewinnt: „Die Welt ist wie ein Buch, wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ von Aurelius Augustinus. Man muss auch nicht immer tausende von Kilometer wegfliegen um schönes zu sehen, wenn es uns direkt im eigenen Lande zu Füssen liegt.

Größenverhältnis

Größenverhältnis

Conny packt anschließend das GPS noch einmal aus. Hier gilt es wieder einen Geocache zu finden. Leider erfolglos! Den hat sich wohl ein „muggle“ geschnappt. Der muggle wird unter den Geocachern als Person bezeichnet, die mit dem Cachen nichts zu tun haben und es daher auch nicht kennen. So gehen manchmal in deren Unwissenheit der ein oder andere Cache verloren :-(! Wir lassen die Köpfe dennoch nicht hängen. Viel zu schön ist es hier! Bereits 500 Meter später sind wir am Pfaffenfels, der teilweise gesperrt wird, weil hier die seltenen Wanderfalken brühten. Heute ist kein Nachwuchs in Sicht und ich steige die Leitern hinauf um kurz den Blick auf Schönau (Pfalz) zu haben.

Felsenland Sagenweg Wegweißer

Felsenland Sagenweg Wegweißer

Über einen Abstieg sind wir schnell unten im Ort und folgen dem Geist als Wegweiser in das Wengelsbachtal. Dies durchquert man auf einem breiten Waldweg über 2,5 km vorbei an schönen Tümpeln und Biotopen. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein! Irgendwann geht der Weg rechts auf einen schmaleren Pfad den Hang querend hinauf zum Wengelsbacher Hals. Darauf folgt nach einem Kilometer die Ruine Blumenstein, die von einigen Touris belagert wird. Hier oben genieße ich noch einmal die Sicht über das „Wellige“ des Pfälzer Waldes während Conny eine Stärkung zu sich nimmt.
Ab hier hat sich die Wegführung einen ganz ausgiebigen Schlenker zur Ruine Wasigenstein ausgedacht. Nicht mit uns! Das sparen wir uns und kürzen die ca. 2 km über einen schmalen Pfad direkt zum Friedeskreuz ab. Steil geht es den Wald hinauf und oben wartet das besagte Kreuz. Ein letzter Schatz für CachingConny wartet hier und sie wartet ganz nervös bis alle muggles das Weite gesucht haben. Ich halte die Stellung, damit auch ja keiner kommt, wenn der Schatz geborgen wird ;-). Conny wird fündig und ist geborgen und muss natürlich gleich dokumentiert werden. Das nenne ich moderne Schatzsuche!

Steinmandle am Wegesrand

Steinmandle am Wegesrand

Von hier an folgen wir erst einem breiten Kamm, vorbei an einem Haufen Steinmännchen, die uns den Weg durch den schönen Wald weisen. Zeitnah geht es raschelnd in Serpentinen durch das Laub des Vorjahres den Berg hinab und verläuft sich auf einem Weg der uns bis nach Fischbach-Petersbächel führt. Ein kleines pfälzisches Dörfchen mit Flair! Hier würde es uns gefallen :-). Für uns sind es ab hier nur noch 4 km. Wir hatten ursprünglich geplant vier Tage auf dem Weg zu laufen und evtl. den kompletten Weg zu laufen. Wir merken jedoch, dass die Verlockung nach einem schönen gemütlichen Ostermontag daheim ebenso reizvoll sein kann. Zumal wir voll gepumpt sind mit wunderschönen landschaftlichen & kulturellen Eindrücken, die verdaut werden müssen. Wir beschließen noch bis Fischbach bei Dahn zu laufen und dort den Daumen zu bemühen, damit uns jmd. nach Dahn zurück nimmt.

Wegbegleiter

Wegbegleiter

So schlendern wir die letzten Meter auf dem Sagenweg, sprechen und lachen noch einmal über die schönen Momente und die Highlights der letzten 3 Tage, bevor wir rechts vom Weg abbiegen und nach einer halben Stunde in Fischbach einlaufen. Wir stellen uns keine 2 Minuten an die Hauptstraße und bekommen ein Mitfahrgelegenheit direkt bis nach Dahn *yeahhh*. Das Trampen machen wir des öfteren. Gerne auch mal in Deutschland! Es gibt die Möglichkeit Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen. Ihre Ansichten, Geschichten und Erzählungen zu lauschen und wir können glücklich über 3 Tage Wandertraum berichten. Sollte jeder mal ausprobieren! Und wer denkt, dass man in Deutschland nicht schnell beim Trampen mit genommen wird, liegt falsch! Das geht meist schneller als gedacht und macht einfach Spaß.

In diesem Sinne, DANKE an die Einheimischen des Pfälzer Waldes, den Wegerschaffern und der eindrucksvollen Landschaft.

Fazit

Waldeindrücke

Waldeindrücke

Sandsteintürme aus dem Elbsandsteingebirge, südlicher Flair wie in Frankreich, wellig wie im Schwarzwald, Ruinen und Wald ohne Ende beschreiben den Sagenweg sehr gut. Selten war der „Woahhhh“-Effekt so groß für uns als hier. Wir sind mit kleinen Erwartungen an das Wochenende ran gegangen und wurden verzaubert von dieser Landschaft und den Menschen vor Ort. Der Weg ist sehr gut gepflegt und für jedermann gut zu laufen. Wer nicht gleich 3 Tage auf Tour sein will findet immer eine geeignete Tagestour. Als absolutes Highlight wird uns die Wegelnburg in Erinnerung bleiben. Von dort oben lag einem alles was diese Region ausmacht zu Füssen und hat uns gezeigt, welche Schönheiten für die/den Wandersfrau/-mann unser Land zu bieten hat. Zugleich ist es ein echter Geheimtipp für diejenigen, die Ruhe suchen, nicht im Touristenstrom mit schwimmen wollen.
Es steht dem Weg daher in der Tat zu einer der schönsten Wanderweg Deutschlands sein. Pfalz wir kommen wieder, versprochen :-)!

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7 Kommentare zu “Felsenland Sagenweg im Pfälzer Wald”

  1. 1 Julia  | 09:28 on 05/06/2015:

    Hey Hannes,

    ich bin durch Zufall auf eure Seite gestoßen und muss sagen ich bin begeistert :)

    Vor allem die Tour auf dem Schluchtensteig (kenne ein Teilstück schon) und diese haben es mir angetan.

    Seit einiger Zeit träume ich schon davon auch mal mehrere Tage autark hintereinander zu wandern und diese beiden Wege stehen nun in der engeren Auswahl.

    Ein wenig Gedanken mache ich mir noch bezüglich der Verpflegung, meiner und der meiner beiden Hunde Amy und Pluto. Vielleicht habt ihr da ja schon ein paar gute Tipps für mich ;)

    Und nochmals klasse Blog :) Weiß gar nicht wie ihr mir bisher verborgen bleiben konntet ;)

    Liebe Grüße
    Julia

  2. 2 Hannes  | 20:17 on 05/06/2015:

    Hallo Julia!

    Das freut mich sehr, wenn Dir die Berichte gefallen haben.
    Ja, der Schluchtensteig und der Felsenland Sagenweg sind echt klasse und zeigt einem mal wieder was wir für tolle Wandergebiete in Deutschland
    haben. Deine Anfrage, wegen der Verpflegung unterwegs auf den beiden Wegen ist nicht pauschal zu beantworten. Auf dem Sagenweg gibt es in
    Bundenthal einen Supermarkt oder eben in Dahn am Startpunkt. Sonst gibt es auf dem Weg im ein oder anderen Dörfchen Restaurants, in denen
    man die heimische Küche genießen kann. Wir haben immer auf den Burgen mit Tarp/Zelt übernachtet. Wir waren gerade über das 1. Mai Wochenende wieder mit
    Freunden auf dem Sagenweg unterwegs. Ein echte Traum :-)! Oder willst Du nicht Outdoor übernachten und eher in eine Pension oder sonstige
    Unterkünfte zurück greifen?
    Man muss auch sagen, dass die Pfälzer sehr freundliche Genossen sind. Wir haben für Wasser einfach immer in einem Dorf Leute angesprochen, ob
    sie uns Wasser auffüllen. Neben den netten Gesprächen, war das mit dem Wasser auch nie ein Problem.

    Wenn Du mehr Infos brauchst, können wir auch gerne mal telefonieren und wir können ein paar Erfahrungen austauschen. Lass es mich wissen!

    Servus Hannes

  3. 3 Julia  | 09:15 on 05/08/2015:

    Hallo Hannes,

    da hast du vollkommen Recht! Ich bin gern hier unterwegs, auch wenn die Vogesen in Frankreich sehr weiterempfehlen kann ;) Bislang waren wir allerdings immer nur zwei Tage am Stück unterwegs und haben dann in einer Pension genächtigt.

    Diesen Sommer will ich aber endlich mal so richtig naturverbunden unterwegs sein. Das heißt ich will schon mit Zelt und Campingkocher unterwegs sein.

    Allerdings wird es wohl doch erst mal der Schluchtensteig im Schwarzwald werden. Die Schwarzwälder sind bestimmt auch freundlich :P Auch wenn der Weg direkt mal fast 40 Kilometer länger ist :) Es gibt da meiner Meinung nach bessere Möglichkeiten seinen Proviant unterwegs aufzufüllen (Bonndorf, Lenzkirch, St. Blasien). Da ich nicht nur was für mich brauche, sondern auch Amy und Pluto versorgen muss, muss ich schon nach zwei – drei Tagen einkaufen.

    Auf meiner facebook-Seite suche ich gerade nach Mitwanderen, denn so ganz allein nachts mein Zelt im Nirgendwo aufzuschlagen traue ich mir dann doch nicht zu. Hoffe ich finde jemanden.

    Wenn ich weiter in der Planung bin würde ich gerne dein Angebot mit dem Telefonieren in Anspruch nehmen :) Da ich ja sozusagen ein Outdoor-Neuling bin hast du bestimmt noch ein paar Tipps für mich :)

    Als Vorbereitung würde ich gerne den Briloner Kammweg im Sauerland laufen. Da werde ich dann drei Tage mit Zelt unterwegs sein und ja merken, ob ich das hin bekomme :)

    Viele Grüße und bis dahin freue ich mich auf weitere Berichte :)

    Lieben Gruß
    Julia

  4. 4 Hannes  | 17:13 on 05/08/2015:

    Hi Julia!

    Gerne kannst Du mir dann einfach deine Rufnummer an hannes@leichtsinnig.net schicken.
    Ich meld mich dann einfach bei Dir!

    Gruß Hannes

  5. 5 Ute  | 22:20 on 07/08/2015:

    Hallo,

    ich war gerade auf der Suche nach einem schönen Desktophintergrund für meinen privaten PC und habe das super Foto von der Wegelnburg kopiert. Ich hoffe, das geht in Ordnung! Wir geben jedes Jahr im Frühjahr ein Wochenende lang unsere Kinder bei Verwandten ab und wandern in der Pfalz. Wunderbar! Liebe Grüße von Ute aus dem Nordschwarzwald (auch sehr schön!)

  6. 6 Markus  | 11:23 on 10/23/2016:

    Hallo Hannes,
    habe sehr aufmerksam deine Berichterstattung vom Felsenland Sagenweg gelesen und freue mich, dass es euch hier so sehr gefallen hat.
    Ich bin Einheimischer im Dahner Felsenland und wohne schon mein ganzes Leben hier. Selbst mir, nach unzähligen Wanderungen und MTB-Touren zaubern unsere tollen Burgen, Felsen, Plätze und Wege jedesmal ein Lächeln ins Gesicht und verdeutlicht mir, welche grandiose Landschaft direkt vor meiner Haustür liegt.
    Nochmals von mir ein Kompliment für deinen super Bericht der genau das Beschreibt was einen hier erwartet.!
    Viele Grüsse aus dem Pfälzer Wald….

  7. 7 Hannes  | 14:25 on 10/23/2016:

    Hallo Markus!

    Freut mich zu hören, dass ich die Region in dem Bericht gut vorgestellt haben.
    Ist wirklich traumhaft schön in der Region.

    Weiterhin gute Touren, Grüße
    Hannes

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