GR20 Korsika – Conca bis Bavella

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GR20 auf Korsika

GR20 auf Korsika

Ein Freund und ich haben uns für dieses Jahr den südlichen Teil des GR20 auf Korsika von Conca bis nach Vizzavona als größere Tour vorgenommen. Zum Einlaufen waren wir  im Mai bereits gemeinsam auf dem Schluchtensteig im Schwarzwald unterwegs. Geplant war die Strecke in 5 Etappen abzulaufen. Der Teil ist bekanntlich der einfachere Part im Vergleich zu dem Abschnitt im Norden. Ist aber nicht minder schön! Wir haben 7 Tage Urlaub und da passt es für uns perfekt. Anreise mit dem Flugzeug, dann mit dem Bus zum Ausgangpunkt Conca fahren und loslegen. Mit der Bahn am Ende der Tour von Vizzavona zurück nach Basti und ab mit dem Flieger mit vielen schönen Outdooreindrücken nach Hause. Des Weiteren wieder die Möglichkeit auf der Tour, die Leichtwanderausrüstung zu testen.

Wie es manchmal jedoch so ist, kommt es alles ganz anders :-).

Tag 1: Samstag, den 23.06.2012
Anreise nach Korsika

Christian und ich stehen pünktlich um 13.50 Uhr am Flughafen in Stuttgart auf der Matte. Einchecken, warten und mit 15 min Verspätung sind wir in der Luft Richtung Süden. Der Pilot hält uns auf dem Laufenden, wo wir uns gerade befinden und

Flughafen Bastia

Flughafen Bastia

mit einer Flugzeit von 1:15 Std. landen wir um 17:20 Uhr in Bastia Airport. „Moment mal“, denken wir uns: das ging uns jetzt zu schnell :-). Vor 90 min waren wir noch im angenehm gekühlten Deutschland und nun trifft uns die korsische Hitze von über 30 Grad mit der vollen Wucht. Erstmal ein bisschen dran gewöhnen und wir laufen vom Airport die 3 km nach Poretta (Vorort von Bastia) um dort noch fix im großen Supermarkt nach Gaskartuschen Ausschau zu halten. Wir werden fündig! Hier gibt es große, wie auch kleine Gaskartuschen mit Stech- oder Steckventil. Franzosen eben ;-)! Dank dem Edelrid Ventilkartuschen-Adapter haben wir also keine Probleme dem Jetboil Sol ti Feuer unterm Hintern zu machen.

Mitfahrgelegenheit gesucht

Mitfahrgelegenheit gesucht

Ein Campingplatz für die Nacht gibt es leider nur in 7 km Entfernung in Richtung Küste. Das ist uns zu weit für heute abend und wir überlegen am Bahnhof in Casomozza zu übernachten. Hier soll das Übernachten geduldet werden. Oder wir Trampen auf gut Glück um ein wenig abseits einen Campingplatz zu suchen, von dem wir am nächsten Tag in den Bus nach Conca einsteigen können. Wir entscheiden uns für den Daumen. Mir persönlich macht das Trampen Spaß: man lernt Ortskundige kennen, die meist ein paar Infos weitergeben möchten, ein wenig Backpackingfeeling kommt auf  und als Schwabe wird das Portmonee geschohnt :-). 25 min später sitzen wir bei einer Fränzösin im Auto und düßen im korsischen Fahrstil 25 km bis zu einem kleinen Ort namens Prunete. Perfekt! Bushaltestelle für morgen direkt in der Nähe von dem Campingplatz Calamar. Hier lässt es sich aushalten! Der Platz macht einen guten Eindruck, hat gepflegte sanitäre Anlagen und der Strand läd zum Abendessen und Baden ein. Jipi, so kann es weiter gehen. Wir hauen uns gegen 22.30 Uhr aufs Ohr. Wir möchten morgen früh raus und im Rausche des Tramperglücks einen Versuch starten um auch nach Conca zu kommen. Alternativ kommt ja der Bus vorbei und nimmt uns auch mit :-). Gute Nacht!

Tag 2: Sonntag, den 24.06.2012
Anreise nach Conca und erste Etappe zur Palirihütte

Weg nach Conca

Weg nach Conca

Ich bin recht früh auf und gehe zum Strand runter, wo gerade in die Sonne am Horizont auftaucht. Sehr schöner Anblick!
Wir sind bereits um 8 Uhr abmarschbereit und lassen den Campingplatz hinter uns. Wir sind froh, dass wir am Vorabend noch hierher getrampt sind. Auf der N198 ist bereits eine Menge los und wir wittern unsere Chance auch heute einen „lift“ zu bekommen. Die Sonne knallt schon wieder ganz ordentlich und so wird ab heute die Sonnenmilch zum Pflichtprogramm. Eine Stunde später hält ein junger Arzt doch tatsächlich und kann uns bis nach St. Lucie de Vecchio mitnehmen. Wie geil ist das den! Nur noch von dort 6 km die Straße zu Fuss meistern und wir sind in Conca am südlichen Startpunkt des GR20. Nach knapp 60min im Auto sind die Rucksäcke gebuckelt und wir laufen die 6 km nach Conca. Hier gibt es nur einen Weg auf der schönen Straße: immer bergauf, aber dafür kommen wir flott voran :-).

Friedhof in Conca

Friedhof in Conca

Um 11.30 Uhr in Conca angekommen, finden wir schnell auf Nachfrage hin den Einstieg zum GR20. Endlich der erste Wegweiser des bekannten Fernwanderwegs. Es geht vorbei an einer Wanderunterkunft und spätestens hier wird uns klar, dass die Tour anstrengend wird :-). Wir kommen auf einen schmalen Weg, der uns direkt an die erste Quelle führt. Boooahhh tut das gut, als wir uns das kalte Wasser über die Birne laufen lassen. Auf den nächsten 2,5 Stunden gibt es auch keine Möglichkeit mehr Wasser nach zu füllen.
Wir folgen dem Weg bergauf. Mit jedem Meter nach oben wird die Aussicht besser und es zeigen sich die ersten Felsformationen, die für die Gegend bekannt sind. Nicht umsonst trägt diese Gegend den Namen „Dolomiten Korsikas“. Wir haben den ersten Anstieg hinter uns und erfreuen uns über ein wenig Schatten am Boccia d`Usciolu und den Blick auf Conca zurück. Bereits in weiter Entfernung schimmert das Meer. Ab hier geht es in Wellen auf der gleicher Höhe bleibend an einem Hang des Punta Radichella entlang. Die Aussicht wird immer besser. Ich bin erstaunt, dass bei diesen Temperaturen die Sicht so gut ist und die Luft doch recht klar. Kein Wölkchen trübt den Himmel. Uns freut es, denn trotz der schweißtreibenden Wanderei belohnt die Landschaft mit ihren atemraubenden Felsformationen gepaart mit der südländischen Flora.
Korsika ist auch bekannt für die schönen Badegumpen und genau solch eine finden wir in der Mittagshitze um 14.15 vor. Jipi! Schön gelegen in einem kleinen Taleinschnitt, tut die Erfrischung gut. Wem ein Pool nicht reicht, kann auch die 2 weiter obenliegenden verwenden :-). Wir nutzen den Platz gleich zur Mittagspause für eine Stunde um die schlimmste Mittagshitze hinter uns zu lassen. Ein Plausch mit ein paar anderen Wanderern ergeben noch ein paar nette Infos zum Weg, den Hütten und schönen Biwakplätzen. All die Theorie bringt uns nicht weiter und so folgen wir dem Weg bergauf weiter. Von den Pools bis zur angepeilten Palirihütte sind es wohl noch knapp 4 Stunden.

Trotz Trockenheit, genug Wasser

Trotz Trockenheit, genug Wasser

Auch hier gibt es immer wieder Neues zu sehen. Die Felsformationen werden spektakulärer und größer und man bekommt wirklich den Eindruck in den kleinen Dolomiten zu stehen, der sich aber mit einem gewissen Utah-Flair aus den USA vermischt. Wir sind begeistert! Weniger begeistert ist Christian von der Hitze. Irgendwann ist der Akku leer und wir helfen mit Zucker weiter, worauf es im recht schnell wieder besser geht. Er kämpft tapfer wie ein Bär. Wir mobilisieren die letzten Reserven als wir über eine Anhöhe unterhalb des Punta di Monte Surdo kommen und einige Meter im wohltuenden Schatten absteigen. Wir futtern noch ein Stück Schoki und folgen den schmalen Pfaden in Richtung Feierabend. Eine Stunde dann sollten wir da sein.
Als wir das erste Mal die Felsformationen aus der Nähe sehen, wo die Palirihütte steht, gibt es kein halten mehr. Nur kurz vorher gibt es noch einen kleinen Anstieg, der an dem Campingplatz der Hütte sein Ende findet. Genialer Platz mit toller Aussicht in Richtung Osten ans Meer, Aussicht in Richtung Süden in die Berge und im allgemeinen ein netter Rundumblick auf die nahe gelegenen Felsen. Wir sind für heute bedient und total happy, wie der erste Tag auf dem GR20 abgelaufen ist.

Endspurt vor der Palirihütte

Endspurt vor der Palirihütte

Die Hütte selbst bietet neben Zeltplätzen noch einfache Schlafräume, kleine Einkaufsmöglichkeiten, eine Quelle und eine Dusche für Alle. Der Preis für das Ganze auf dem Zeltplatz ist 5€ pro Person. Faire Sache! Die Dusche lassen wir links liegen, da doch einige Leute anstehen und erfreuen uns an der Katzenwäsche an der Quelle. Anschließend sponsort Christian einen Zuckerschuß in Form von Cola und Orangina. Das läuft na wie Öl :-)! Anschließend das Tarptent Cloudburst im Boden verankert und im Jetboil das Wasser auf Temperatur gebracht. Auch auf der Tour haben wir uns mit dem gefriergetrockneten Essen von Travellunch eingedeckt. Wir finde es klasse, es macht richtig satt und ist einfach in der Zubereitung.

Der Rest des Abend verbringen wir noch mit dem Sonnenuntergang gucken und ich schreibe anschließend noch ein paar Zeilen für den Blog als Notizen. In diesem Sinne, bis Moin!

Tag 3: Montag, den 25.06.2012
Palirihütte bis Bavella

Morgens in Richtung Bavella

Morgens in Richtung Bavella

Genau hier fängt jetzt der Teil des Wanderurlaubs an, über den ich zu Anfang meinte: „…, kommt es manchmal ganz anders“.
Ich habe die ganze Nacht schlecht geschlafen und bin morgens bereits um 5 Uhr aus dem Zelt gekrabbelt und mein Körper gibt mir leider zu verstehen, dass ich krank bin. Der Hals kratzt, die Ohren tun weh und ich fühle mich alles andere als olympisch. Vor uns liegen vier schöne Wandertage mit ordentlichen Höhenmeter, aber mir kommen die ersten Zweifel auf, ob ich die Tour nicht beenden muss. Any way! Erstmal frühstücken wir etwas, bauen das Tarptent ab und packen unsere Rucksäcke. Ich will es auf jeden Fall probieren, wie es läuft!
Wir laufen den ersten Kilometer am Hang im Sonnenaufgang entlang und wir genießen die Atmosphäre auf dem Weg. Das Licht, die Landschaft und die Einsamkeit. Herrlich! Dann geht es ein paar Höhenmeter zu einem Übergang und wir sehen das erste Mal die Bavella Berggruppe auf der anderen Bergseite. Der Weg geht ab hier abwärts Richtung Bavella Dorf und liegt noch schön im Schatten. Vorbei an einem Bachlauf und wieder ein paar Meter nach oben, kommen wir in Bavella an. Ich bin bereits hier schon echt platt und muss mich hier entscheiden, da wir die nächsten 1,5 Tage an keine Straße mehr kommen, wo uns jmd. mit dem Auto zur Küste bringen könnte. Ein bisschen Bedenkzeit später und etwas angenervt steht fest, dass wir hier die Tour beenden werden. Was aber fest steht ist, dass wir nächstes Jahr wieder her kommen :-), weil der Weg einfach zu schön ist.

Fortsetzung folgt….

Rest des Urlaubs

Den Rest des Urlaubs war das totale Gegenprogram zum Wandern angesagt: Strandurlaub in einem netten Bungalow, Fussball Europameisterschaft an der Bar, Erholung und viel Körperbräune. Im Ganzen haben die knapp 2 Tage in den Bergen Korsikas nur noch mehr Hunger auf ein Wiedersehen gemacht. Korsika, wir sehen uns in 2013 wieder :-)!

Kleiner Einblick in meine Packliste

Infos zum südlichen Teil – GR20

  • Öffentliche Verkehrsmittel:

Auf Corsica Bus findet man alle Infos zu Bus- und Zugverbindungen. Die Seite ist recht einfach gehalten, aber hilft doch bei der Planung weiter.

  • Kartenmaterial:

Unserer Meinung nach reicht für den GR20 die Karte von IGN für die Region Ajaccio im Maßstab 1:100000 problemlos aus.

  • Literatur

Das Buch von Willi Hausmann: GR20 – Alle Etappen mit Einstiegen, Gipfel und Varianten ist eine sehr aktuelle Ausgabe, in der auch die Wegeänderung von 2011 im südlichen Teil des GR20 schon beschrieben ist.

  • Wegemarkierung:

Der Abschnitt von Conca bis Bavella war sehr gut ausgeschildert. Es gibt immer ein rotweißes Zeichen, dass mit Farbe auf Bäumen oder Steinen aufgepinselt wurde.

  • Sprachkenntnisse

Unsere französisch Kenntnisse sind definitiv nicht die besten bzw. waren nie vorhanden :-). Wir sind  immer mit ein Englisch und ein paar Armbewegungen zurecht gekommen. Des Weiteren fanden wir die Korsen hilfbereit, wenn man sie angesprochen hat.

Zuviel Grün!

Zuviel Grün!

Sonnenaufgang bei der Paliri

Sonnenaufgang bei der Paliri

Die Palirihütte

Die Palirihütte

Feierabend :-)

Feierabend :-)

Tolle Felsformationen

Tolle Felsformationen

Geniale Bergwelt

Geniale Bergwelt

Dicke Rinde

Dicke RindeAuf einem Plateau

Korsika in schwarzweiß

Korsika in schwarzweiß

Pool gefällig?

Pool gefällig?Auf breiten Pfaden

Was ne Aussicht

Was ne Aussicht

Tolle Wegführung

Tolle Wegführung

Gibt es zu Hauf auf Korsika

Gibt es zu Hauf auf Korsika

Erfrischung durch eine Quelle

Erfrischung durch eine Quelle

Conca's Kirche

Conca's Kirche

Sonnenaufgang am 1. Tag

Sonnenaufgang am 1. Tag

Christian & Hannes

Christian & Hannes

 

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8 Kommentare zu “GR20 Korsika – Conca bis Bavella”

  1. 1 Basti  | 11:25 on 07/06/2012:

    Schöner Bericht!
    Bin mal gespannt wie’s uns in knapp 3 Wochen auf der Insel ergehen wird. War ja selber schon paar mal dort gewesen. (Auch wenn’s nun schon gut 15 Jahre her ist) Für meine Frau ist’s aber das erste mal.
    Und da ist es immer nett, nochmal einen recht aktuellen Bericht über den GR20 zu lesen. Insbesondere wenn es nicht so ein üblicher „20 Kilo waren eine echte Plackerei „- Bericht ist! ;-)

    In diesem Sinne,
    leichte Grüße von den Beuteltieren!

  2. 2 Hannes  | 11:33 on 07/06/2012:

    Servus Basti!

    Freut mich, wenn der Bericht informativ und interessant zu gleich war.
    Ich hab auf jeden Fall Blut geleckt was den GR20 angeht, auch wenn ich eigentlich für solche warme
    Region gar nicht gemacht bin :-).
    Wenn Du noch weitere Infos brauchst, meld Dich einfach.

    Euch ne gute Zeit auf der Insel.
    Grüße Hannes

  3. 3 Dennis  | 16:30 on 07/06/2012:

    Schön endlich mal die Bilder von deiner Tour zu sehen :)

    @Basti: Euch auch viel Spaß auf Kostika. Vielleicht schaffe ich es in der Zwischenzeit ja mal meine Bilder aus Finnland online zu stellen :-P

  4. 4 Hannes  | 16:36 on 07/06/2012:

    Jep, dafür, dass ich eigentlich nur einen ganzen Tag auf Tour war, sind es mit knapp 300 Bilder doch einige geworden. Spricht für die tolle Landschaft :-)!

  5. 5 jonas  | 09:53 on 07/18/2012:

    Im Geant Supermarkt direkt am Hafen in Bastia hättet ihr auch Kartuschen oder Spiritus bekommen. Auch 1:25000 Karten der ganzen Insel. (Stand 20.6.2012)

    Warum habt ihr denn trotz UL einen Kocher mitgenommen, wo man doch in der Saison an jeder Hütte kochen kann?

  6. 6 Hannes  | 16:38 on 07/18/2012:

    Servus Jonas!

    Danke für die Info mit dem Supermarkt in Bastia.
    Wir persönlich waren ja nie in Bastia, sondern sind vom Flughafen direkt in Richtung Conca aufgebrochen.

    Der Kocher war deswegen dabei, weil wir einige nette Biwakplätze auf dem Weg antesten wollten. Krankheitsbedingt
    ist ja leider nichts drauß geworden :-(.

    Machs gut
    Hannes

  7. 7 Karoline  | 21:27 on 03/04/2013:

    wir wollen im Mai 8 Tage auf den gr20 gehen wer weiß ein schönes hotel oder pension bei conca am Meer

  8. 8 Hannes  | 15:34 on 03/12/2013:

    Hi Karoline!

    Hier muss ich leider mit einem Vorschlag passen. Wir sind damals direkt durch Conca gelaufen und
    haben dort nicht mehr übernachtet. Es gibt dort den bekannten Campingplatz an der Gite d`Etappe „La Tonelle“.
    Der Platz war vom Standard in Ordnung: „Korsika eben“ :-)!

    Aber vielleicht kann ja jmd. weiterhelfen!

    Vielleicht treffen wir uns ja auf dem GR20. Bin auch wieder dort! Muss ja noch was nachholen, nachdem
    der erste Anlauf wegen Krankheit flach gefallen ist.

    Grüße Hannes

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