Jakobsweg – Pilgern auf Französisch von Thann nach Hericourt

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Männertruppe

Männertruppe

Ich habe das verlängerte Wochenende über Christi Himmelfahrt (Donnerstag bis Sonntag) mit 19 weiteren Pilgerkameraden genutzt um auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein. Ja, auch das passt zum Leichtwandern :-)! Ganz im Stile des Pilgerns ist „weniger meistens mehr“ und ich hatte nur meinen kleinen Sea to Summit Ultrasil Daypack mit seinen 14 Litern dabei. Des Weiteren bietet der Jakobsweg, so umstritten wie er auch teilweise ist, Zeit Gleichgesinnte zu treffen und in einfachen Unterkünften nette Erfahrungen zu erleben. Till habe ich zu Hause gelassen, da er dem guten französischen Wein und dem Essen widerstehen konnte :-). Über die letzten Jahre sind wir immer um Christi Himmelfahrt mit der Gruppe Etappe für Etappe abgelaufen. Angefangen wurde in Tübingen, dann durch den Schwarzwald und im Jahr 2012 starten wir nun in Thann zum nächsten Wegabschnitte in Richtung Hericourt. Hier mal ein kleiner Reisebericht zu der Tour und Einblick, wie schön das Pilgern doch sein kann:

Tag 1: Donnerstag, 17.05.12 Anreise nach Thann

Kirche von Thann

Kirche von Thann

Nach einem entspannten Frühstück, trifft sich die Wandertruppe morgens zur Abfahrt mit den Autos Richtung Frankreich. Die Fahrt verläuft problemlos und wir erreichen Thann so gegen 15 Uhr und nutzen die Gelegenheit im Lidl in Thann einige Besorgungen zu machen. Wir sind doch etwas erstaunt, dass an einem Feiertag hier etwas offen hat. Aber nachdem Jürgen (Organisator der Tour) während der Anfahrt bemerkt hat, dass er die leckeren schwäbischen Maultäschle und 5 kg Kartoffelsalat fürs Abendessen in der Heimat vergessen hat, kommt uns die Einkaufsgelegenheit ganz recht.
Weiter geht es zur Unterkunft, einer Herberge namens Cercle Saint Thiebaut. Hier gibt es einfache Stockbetten und eine kleine Küchenzeile fürs Abendessen. Anschließend geht es in Richtung der örtlichen Stiftskirche „Saint Thiebaut“. Ich persönlich hab es nicht so mit den typischen Tourirundgängen durch Kirchen und Museen. Aber neidlos muss ich anerkennen, was die Bürger von Thann zur ihrer Zeit für Kirchen gebaut haben. Bauzeiten von 200-300 Jahren wären heute definitiv nicht mehr zeitgemäß und würde jeden Projektplan sprengen :-). Eine Stunde später hockt die ganze Mannschaft beim ersten Panche in unsere Stammkneipe vom Vorjahr.
Hungerrrrr… Wir flitzen zur Herberge zurück und 20 Männer stürzen sich auf die Küche und es wird fleißig gekocht. Auf dem Speiseplan stehen Maultaschen, grüner Salat und eine Ladung Spaghetti Carbonara für jeden. Als Schmiermittel für die trockenen Kehlen, gibt es guten örtlichen Wein zu Genüge. So lässt sich auch der Abend verbringen und es gibt noch das ein oder andere Viertele für jeden, bis wir gegen Mitternacht zum Schönheitsschlaf aufbrechen. Ab ins Land der Träume!

Tag 2: Freitag, 18.05.12 Thann nach Bellmagny (ca. 20 km)

Nach einem Frühstück auf französische Art, mit Croissant, Baguett, Kaffee und Tee brechen wir um 9 Uhr auf. Das Wetter ist ganz auf unserer Seite, so wie die kommenden Tage auch. Schnell sind wir aus Thann draußen und wir befinden uns auf einem schönen Waldpfad der nach Leimbach führt. Spätestens hier wird uns klar, dass die ortsansäßigen Wachhund immer bellen und die Zähne flätschen, wenn Wanderer in ihrem Terrain auftauchen. Gut zu wissen, dass zwischen den Hunden und uns immer ein Metallgitter liegt :-).
Über schöne Wald- und Feldwege geht es über die Ortschaft Roderen ins 6,5 km entfernte Guewenheim. Und ständig diese Hunde! Ca. 1 km außerhalb von dem Örtchen steht im Wald eine Kapelle, die zur Mittagsrast einläd. Wir lassen es uns gut

Kloster von Bellmagny

Kloster von Bellmagny

gehen und jeder hat ein ordentliches Vesper dabei. Da sagt noch einer, dass Pilger spartanisch leben. In viele Gespräche mit den Männern verwickelt, legen wir die weiteren Kilometer über Betten nach Bellmagny ohne Probleme zurück. Hier wartet eine Besonderheit auf uns. Heute übernachten wir im Kloster „Saint Joseph“. Die anfängliche Skepsis legen wir schnell ab, als wir von einigen Nonnen freundlich begrüßt werden und ins Gespräch kommen. Auch hier sind die Zimmer sehr einfach, aber genau richtig für uns. Beim anschließend Kaffee und Tee erzählt die Schwester aus dem Hause einiges über die Örtlichkeit und über die Schwierigkeiten in der heutigen Kirche. Das Kloster ist sehr groß und es besteht die Gefahr sich zu verlaufen :-). Da ist es bewunderswert, dass die älteren Damen des Hauses, die schwere tägliche Arbeit ohne Murren hinnehmen. Für mich persönlich wäre ein Kloster überhaupt nichts. Die Einfachheit des Lebens dort und der intensiver Glaubensweg der Nonnen überzeugt mich nicht ganz. Aber ich bewundere die Einstellung der Nonnen zum Leben vor Ort und Allgemein.

Wir besuchen noch die Kirche nebenan und lauschen dem Abendgebet, bevor wir uns auf das 4 Gängemenü stürzen :-). Mit dem Salzen haben es die Geistlichen nicht so, aber es schmeckt trotzdem gut. Den restlichen Abend verbringen wir bei vielen Männergesprächen bis spät in die Nacht. Unter anderem mit einem anderen Pilger aus Frankreich, der uns von einem Langzeitpilger erzählt, denn wir morgen überholen sollte. Seinem Alter entsprechend soll er nicht sehr schnell unterwegs sein.  Er ist seit 2 Jahren auf dem Jakobsweg mit seinem Esel unterwegs und hat schon ein paar tausend Kilometer runter gelaufen. Respekt, denke ich mir und bin gespannt, ob wir diesen auf der morgigen Etappe nach Belfort treffen werden.

Tag 3: Samstag, 19.05.12 Bellmagny nach Belfort (ca. 26 km)

Entspannung pur

Entspannung pur

Wer lange am Vorabend leckern französischen Wein und Bier verkosten kann, muss auch am nächsten morgen wieder früh aufstehen können. Die Truppe steht nach dem Frühstück um halb 9 zum Start in Etappe 2 bereit. Die heutige Etappe ist die längste dieses Jahr und soll zu Gleich der schönste Teil sein. Wir lassen den Ortsausgang von Bellmagny zügig hinter uns und kommen auf einen Feldweg, der uns nach kurzer Diskussion über die Wegführung, in ein Waldstück führt. Auf den Spuren des Esels und seinem Herren trudeln wir nach 4,5 km im Örtchen Angeot ein, in dem, wer hätte es gedacht, wieder ein Horde bellender Hunde auf uns warten. Hier auf dem Land scheint es den Tieren wohl langweilig zu sein. Da scheint pilgernde Abwechslung gern gesehen. Jedoch zur Streicheleinheit läd hier kein Hund ein. Also schnell weiter!
Durch ein schönes Waldgebiet folgen wir dem bekannten Muschelsymbol nach Lagrange. Wir entdecken auch mehr und mehr Spuren von dem Esel. An zwei Seen lag er eindeutig zur Nächtigung mit seinem Herren im Gras und hat es sich schmecken lassen. Wir kriegen Dich schon noch :-)! Auch wir gönnen uns die erste Pause an den Seen und bestaunen den Fischfang der örtlichen Fischer am anderen Ufer.
Weiter geht es durch Lagrange und weiter nach Bethonvilliers, dass nicht weit entfernt liegt. Von hier aus folgen wir den Feld- und Waldwegen über Menoncourt nach Phaffans. Hier gibt es eine kurze Kirchenbesichtigung und eine anschließend Brotzeit. Jetzt ist es nicht mehr weit bis wir die ersten Mauern des Forts von Belfort zu Gesicht bekommen. Wenn da nicht der Esel wäre :-)! Wir treffen den Pilger doch tatsächlich an einer Parkbank mit seiner tierischen Begleitung. Nein, so hab ich mir den Kerle nicht vorgestellt. Der Esel macht auf den ersten Blick einen gesünderen Eindruck als sein Herr selbst. Mit einem Tütchen (ja, genau so eins zum rauchen :-)) in der Hand, großer Sonnenbrille auf der Nase und im ersten Moment ein abschreckenden Anblick. Dem will ich Nachts nicht begegnen. Aber die Vorurteile sind schnell abgelegt. Eigentlich ein ganz netter Geselle, mit dem wir ein paar Worte wechseln. Viel hat er uns allerdings nicht zu erzählen, aber scheinbar genießt er das Leben und ist glücklich an dem was er hat: seinen Esel, das Wichtigste zum Leben und den Jakobsweg.
Bei leicht einsetzendem Regen setzen wir den Marsch fort. Wir folgen der Straße nach Denny und unterqueren dort die Straße D83. In einem Waldstück geht es auf einigen Meter auf einen Kamm nach oben und der ein oder andere Pilgerkopf unserer

Ungewöhnliche Weidefläche

Ungewöhnliche Weidefläche

Truppe läuft rot an. Ein paar hundert Meter stehen wir vor den ersten Mauern des Forts um dieses gleich zu erstürmen. Widerstand ist zwecklos und bei einer Brotzeit genießen wir die letzte Pause und den Blick auf Belfort. Schön ist was anderes, aber die Ausmaße des Forts sind beeindruckend.
Wir laufen die letzten Kilometer bis ins Stadtzentrum nur noch auf dem Fortgelände und staunen nicht schlecht über das Mauerwerk, dass der Stadt bis in den zweiten Weltkrieg zu Nutzen schien. Willkommen im Stadtleben: hupende Autos, die ein Hochzeit feiern, teilweise schöne Gasse und an dessen Ende ein Marktplatz auf dem wir uns in einem Café niederlassen. Hier gibt es das obligatorische Panche oder ein Kaffee für das Wohlbefinden, auch wenn die junge Bedienung mit der Bestellung unserer Gruppe doch merklich überfordert ist. Aber wir sind ja nicht nur zum Spaß hier und müssen noch zum Hostel ans andere Ende der Stadt. Wunderbar gelegen im „Ghetto“ der Stadt beziehen wir in der Stadtherberge „Residence Madrid“ unsere Mehrbettzimmer. Die Herberge scheint komplett neu renoviert zu sein und ist top in Schuss. Hier gefällt es uns :-)!
Den restlichen Abend verbringen wir in der Stadt in einer Pizzeria und anschließend in einer Bar um das Champions League-Debakel von Bayern gegen Chelsea live zu erleben. Ein rund um toller Wandertag geht zu Ende und wir freuen uns alle bereits auf die Etappe nach Hericourt.

Tag 3: Sonntag, 20.05.12 Belfort nach Hericourt (ca. 15 km)

Wie gewohnt stehen wir um 8.30 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir wollen heute nicht den Zug kurz vor 14 Uhr verpassen, der uns zurück zu den Autos bringen wird.
Wir sind schnell aus der eigentlichen Stadt draußen und durchlaufen einen Stadtpark, der uns nach Essert führt. Ab hier wird es noch einmal hügelig und wir laufen eine Weile bergauf, um auf der anderen Seite wieder abwärts zu laufen. Hier wird es nochmal schlammig und alle suchen sich den besten Weg durch die Schlammlöcher. Hier zeigt sich mal wieder der tolle Grip der Inov8 Roclite 318 GTX. Ich hab trotz tiefem Matsch ordentlichen Halt und schaue dem ein oder anderen beim rumeiern zu :-).
Wieder auf dem festen Untergrund angelangt geht es über einen Waldweg flach nach Buc hinein. Wir folgen weiter der Jakobsmuschel über einen anfänglichen Feldweg, der zu einem Waldweg wird. Wir lassen die Ortschaft Echenans-sous-Mont-Vaudois rechts liegen und folgen dem Weg bis wir die Straße D130 überqueren. Eine letzte Steigung führt uns durch ein Waldstück ins ca. 2 km entfernte Hericourt, wo wir pünktlich zur Rast einlaufen. Wir verköstigen uns noch einmal am Bahnhof, machen ein Gruppenfoto und steigen anschließend völlig zufrieden in den Zug nach Hause ein. Schö isch es gewesen!

Fazit

Die jährliche Tour mit der Männertruppe ist ein Highlight in meinem Wanderkalender. Die Gemeinschaft mit den Anderen, die unterschiedlichen Landschaften, die es vom Schwarzwald bis hier her gegeben hat, die Vorfreude auf das nächste Jahr und zu guter Letzt, den Spaß daran meine Ausrüstung immer leichter zu bekommen. Auch hier spielt das Leichtwandern seine Vorteile voll und ganz aus. Während sich ein paar Andere am klassischen und überladenen Rucksack quälen, freue ich mich über meine leichte Ausrüstung und vermisse nichts, was die anderen nicht auch haben. Ich merke gerade hier, das weniger doch meistens mehr ist und mit welchen wenigen Mitteln und ein wenig Touren- und Wetterplanung man komfortabel wandern kann.

 

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