Tipps für eine Wintertour

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Lust auf eine Wintertour?!

Lust auf eine Wintertour?!

Eine Wintertour ist was etwas komplett anderes als eine klassische Sommertour. Das haben Till & ich wieder auf der letzten Wintertour in der Hardangervidda erfahren dürfen. Die Planung ist eine andere, die Ausrüstung erst recht und die örtlichen Erfahrungen auf einer Wintertour könnten nicht verkehrter sein. Nach drei Touren durch Norwegen wollen wir einmal die Erfahrungen zusammen fassen. Egal ob Du ein kompletter Neuling bist oder schon mal eine Wintertour gemacht hast, sollte für jeden ein Tipp dabei sein um die Realisierung zu vereinfachen. Wir haben die ganzen Tipps und Infos in drei Bereiche untergliedert:

  1. Vor der Tour – Wie gehe ich das an?
  2. Während der Tour – Was macht die Tour zum Erfolgserlebnis?
  3. Nach der Tour – Was kann ich aus meinen Erfahrungen lernen?

Vor der Tour

Schritt 1 – Ja, ich will!!!

Unsere Motivation lag darin etwas anderes als eine Sommertour zu machen. Mal die andere Extreme zur Wärme im Sommer zu erleben und sich den winterlichen Bedingungen zu stellen.

Hier mal die ersten Infos zur Entscheidungsfindung, ob eine Wintertour das Richtige für Dich ist:

  • es ist definitiv kälter als im Sommer :-)
  • erfordert eine gesunde geistige Fitness
  • unter dem sportlichen Aspekt, scheint uns eine Winter- mit einer Sommertour vergleichbar zu sein. Ist jeweils abhängig vom Gelände in das man sich begibt
  • die Finanzierung der Grundausrüstung sorgt für gähnende Leere im Geldbeutel
  • die gute Gruppendynamik ist auf einer Wintertour von Vorteil, da die winterliche Extreme ein gutes Zusammenspiel erfordert


Schritt 2 – Übersicht schaffen

Jetzt schmeißt Du alles in einen Pool und verpasst der Planung Schritt für Schritt den perfekten Schliff. Wir basteln uns in Excel eine Liste zusammen und unterteilen diese in:

  • Allgemeine Ausrüstung für die Gruppe
  • Eigene Ausrüstung
  • ToDo’s (Was gibt es noch zu tun?)
  • Essen
  • Tourenteilnehmer

Hier erfassen wir Alles bis ins Detail einschließlich Gewicht jedes Ausrüstungsteils. Eine Unterteilung des „Gewichts am Körper“, „in der Pulka“ oder „auf dem Rücken“ macht hier absolut Sinn und am Ende besteht Dank der Zusammenstellung weniger die Gefahr, dass man etwas vergessen hat.


Schritt 3 – Wo/Wie will ich die Tour machen?

Es gilt zu überlegen wo soll die Wintertour stattfinden, da dementsprechend die Ausrüstung ausgelegt werden sollte. Wir definieren in unserem Fall „Wintertour“ als eine Tour in eher weniger alpinem Gelände (Beispiel: Alpen). Die Hardangervidda ist für unsere erste Tour perfekt gewesen, da es hier gute Schneeverhältnisse gibt und meist dauerhaft kalte Temperaturen. Das Gelände ist nicht zu bergig, die Lawinengefahr eher gering und ein gutes Gelände um Wintertourerfahrung zu sammeln. Alles was oberhalb der Hardangervidda (Norwegen, Schweden, Finnland) liegt, ist für Wintertouren ebenso geeignet. Hier zu Lande ist es eher schwieriger eine vergleichbare Tour machen zu können.
Besonders auf der ersten Tour ist es zu empfehlen immer zu Zweit unterwegs  zu sein. Man muss sich immer im klaren sein, dass eine Wintertour mehr Gefahren birgt als die reine Sommertour. Es fehlt einem an Erfahrung für die neue Tourensituation und im Notfall ist immer noch eine Person da, die Hilfe holen könnte. Und primär macht es doch mehr Spaß gemeinsam auf Tour zu sein um das Erlebte teilen zu können.


Schritt 4 – Mit welcher Ausrüstung geh ich auf Tour?

Sind die grundlegenden Überlegungen abgeschlossen, gilt es sich Gedanken über Ausrüstung & Essen zu machen. Die richtige Auswahl der Ausrüstung kann eine Wintertour zum Segen machen, wer jedoch an der Planung in Sachen Ausrüstung für die Tour schlampert, wird dies unter Umständen schnell bereuen.

Bekleidung

Welche Ausrüstung?

Welche Ausrüstung?

Das ist wohl die schwierigste Frage, die beantwortet werden muss. Hier gibt es diese Meinung und ein anderer hat zu recht eine andere Meinung dazu, der schon mal auf Wintertour war. Grundsätzlich ist das Zwiebelprinzip kein Fehler: dies besagt, dass man so viele wie mögliche Einzelteile verwendet um je nach Wettersituation flexibel zu sein. Des Weiteren empfehlen wir Bekleidung zu wählen, die so atmungsaktiv wie möglich ist. Bei Materialien mit schlechter Atmungsaktivität (z.B. Primaloft) kann der Schweiß schlechter abdampfen und es kann dazu führen, dass die Jacke mit der Zeit Eis im Isolationsmaterial bildet. 

Wir geben geben hier gerne mal unsere Erfahrung weiter:

  • Funktionsunterwäsche:
    ein Baselayer aus Merinowolle ist eine feine Sache, da es nach mehrtägigem Einsatz nicht stinkt. Egal ob Funktionshemd, Unterhose oder die Socken. Firmen wie Icebreaker, Smartwool und Woolpower sind hier führend am Markt. Alternativ schwören hier andere Meinungen auf Kunstfaserwäsche, da diese schneller trocknet und bei dem ein oder anderen im Vergleich zu Wollprodukten kein Kratzen auf der Haut verursacht. Odlo ist hier ein gute Wahl.
  • Mittlere Bekleidungsschicht:
    Wir verwenden eine lange Unterhose aus Polartec Material damit die Beinchen schön warm bleiben, oben drüber kommt eine Softshellhose als äußerste Schicht. Für den Oberkörper kommt über die Funktionswäsche mehrere Sachen in Frage. Wenn es das Wetter zulässt und es nicht zu kalt ist, reicht eine dickere Softshelljacke, die winddicht ist.
  • Äußere Bekleidungsschicht:
    Ist das Wetter noch etwas turbulenter ziehen wir auch mal eine Hardshelljacke drüber. In Zukunft geht es aber nur noch mit der Bergans Morgedal Anorak auf Tour. Hierbei sorgt das EPIC Material aus Baumwolle dafür, dass die Jacke sehr atmungsaktiv, winddicht und wasserabweisend ist. Für Abends an der Zeltstelle kommt eine Daunenjacke zum Einsatz, die auch warm hält, wenn man nicht in Bewegung ist. Bei den Handschuhen nehmen wir für tagsüber ein dünnen winddichten Softshellhandschuh ohne Lederanteil mit. Leder zieht Feuchtigkeit und gefriert bei den Temperaturen :-(. Wenn die Handschuhe nicht ausreichen gibt es noch einen Fäustling drüber. Damit wird einem nicht so schnell kalt an den Fingern. Fürs warme Köpfchen darf eine anständige Mütze nicht fehlen.
  • Sonstiges was nicht fehlen sollte:
    Regenhose (Regen? Ja, das kann auf Wintertour auch vorkommen), Sturmhaube bzw. Gesichtsschutzmaske, Gamaschen und Tiefkühlbeutel als Dampfsperre für die Socken. Diese werden direkt auf der Haut getragen und dadurch wird verhindert, dass die Socken den Schweiß der Haut nicht aufnehmen und diese vereisen.

Die Frage nach dem „Wie viel soll ich eigentlich als Ersatz zur 1. Bekleidungsgarnitur mitnehmen?“ beantworten wir wie folgt:
Gehen wir auf eine 10-Tagestour nehmen wir lediglich ein Ersatzpaar Socken, eine Ersatzunterhose und ein Funktionshemd mit. Das war es eigentlich schon. Winterexpeditionen, die über mehrere Wochen gehen, nehmen teilweise gar keine Ersatzgarnitur mit, da diese abends im Zelt mit dem Kocher ordentlich einheizen und nasse Bekleidung auf diese Art trocknen.

Pulka vs. Rucksack

Mit Pulka unterwegs

Mit Pulka unterwegs

Von der Sommertour ist man es gewohnt mit dem Rucksack unterwegs zu sein. Auf Wintertour hat man je nach Länge der Tour deutlich mehr Gewicht dabei, da die Ausrüstung schwerer ist, mehr Essen eingepackt und zum Schneeschmelzen mehr Brennmaterial benötigt wird. Hier geht der Punkt an die Pulka, auch wenn z.B. die Norweger eher den Rucksack bevorzugen. Die Pulka liegt nicht auf dem Rücken und stört beim Fahren mit Ski oder Laufen mit Schneeschuhen nicht sehr. Eine Pulka selbst bauen war für uns am Besten und Dank Basti mit einem tollen Ergebnis. Alternativ kauft man sich für viel Geld eine von z.B. Fjellpulken :-). Wir haben immer die Pulka an einem Zuggeschirr befestigt und einen kleinen Rucksack auf dem Rücken. Im Outdoor Research DryComp Summit Sack haben wir Kleinigkeiten, die schnell erreicht werden müssen, wie: weitere Jacke, Thermoskanne, Essen, Karte usw.

Ski vs. Schneeschuhe

Ski statt Schneeschuhe!

Ski statt Schneeschuhe!

Für die erste & zweite Wintertour hatten wir aus Anschaffungsgründen und zum „Wintertouranschnuppern“ immer die Schneeschuhe dabei. Das war auch ok so. Jedoch kommt man langfristig nicht um die Anschaffung von BC Skier mit Steigfellen herum. Besonders bergab ist der Ski eine „flotte“ Variante :-) und man kann Tempo machen, wenn es nötig ist. Schneeschuhe sind zwar in Anstiegen im Vorteil, weil man hier keine Felle aufziehen muss. Sind die Felle jedoch einmal an den Ski, läuft es super. Nicht umsonst verwenden die großen Expeditionen zum Nordpol etc. nur Skier.

Kocher

Kocher heizt ein

Kocher heizt ein

Hier gilt es keine Kompromisse zu machen. Es lebe der Mehrstoff- bzw. Benzinkocher. Hierzu gibt es nicht wirklich eine Alternative, da bei Temperaturen kälter als -10 C° kein anderer Brennstoff außer Benzin mehr sinnvoll oder gar nicht mehr entflammbar ist. Benzin hat vorallem einen hohen Brennwert, den man bei Schneeschmelzen gut gebrauchen kann. Bei der Kocherauswahlt gilt: „Je robuster umso besser“. Wenn mal alle Stricke reißen, sollte man auch auf einer 2-Personen-Tour einen Ersatzkocher mit Ersatzteilen (Dichtung etc.) dabei haben. Wer hier spart, spart gefährlich, da ohne geschmolzenes Wasser kein Trinken & Essen auf Tour möglich ist. Wir verwendeten bis dato immer den MSR Whisperlite International oder aktuell den unzerstörbaren Optimus Hiker 111, den es leider nur noch sehr selten zu bekommen gibt. Jedoch vorsicht beim Handtieren mit Benzinkochern im Zelt: 1. Sollte eine gute Belüftung gewährleistet (bei Verwendung im Zelt) und 2. beim Anheizen kann es zu Stichflammenbildung kommen und auf einmal steht das Zelt ohne Außenhülle da :-). Also bei gutem Wetter am besten gleich draußen kochen.

Auch ein Mehrstoff- bzw. Benzinkocher kann mal Zicken machen. Hierfür empfehlen wir ebenso, dass Du immer Ersatzteile dabei hast (Benzinfilter, Dichtungen etc.). Diese gibt es meistens von den Herstellern im Set zu kaufen und in dem Zuge kann man vorher den Kocher einmal komplett auseinander basteln, um zu sehen wie ein solcher Kocher zusammen gesetzt ist. Vorteil: Muss man etwas auf Tour reparieren, ist man gleich geübt darin!

Essen & Trinken

Mhhhh, das Frühstück

Mhhhh, das Frühstück

Zum Frühstück eignet sich das klassische Müsli mit Milchpulver angereichert. Etwas heißes Wasser hinein und fertig. Für unterwegs bieten sich Nüsse, Schoki, Trockenobst, Knäckebrot mit einer fettigen Salami und Riegel bzw. Energieriegel/-gels an. Am Schönstens ist abends das gefrier getrocknete Essen. Wir schwören hier auf Travellunch. Es gibt aber auch noch ander Anbieter für Outdoornahrung. Damit das warme Essen abends warm bleibt ist eine selbstgebastelte Wärmetasche top.
Das Müsli wie auch die Ration für den Tagesmarsch verpacken wir bereits zu Hause immer in Tüten. Somit ist es schnell griffbereit und man friert sich nicht die Finger ab :-). Gerade die Tagesration kommt bei uns immer in einzelen Zipptüten und diese kann am Körper getragen werden, damit die Schoki nicht ganz steinhart gefroren ist.

Heißgetränke

Heißgetränke

Beim Getränke gönnen wir uns den Klassiker – warmen Tee. Diesen bereiten wir abends wie auch morgens vor und halten ihn in Thermokannen warm. Das Trinken spielt eine wichtige Rolle auf Tour. Man sollte mehr als gewöhnlich trinken, da die trockene Luft im Winter, den Körper sehr schnell austrocknen lässt. Immer nur Tee ist aber langweilig, weshalb wir meist ein „Feierabend-Whisky“ dabei haben :-).

 

 

Zelt & Heringe

Dein zu Hause on Tour - Zelt

Dein zu Hause on Tour – Zelt

Der Zeltwahl muss man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken. Es muss Dir Schutz bei jeder Wettersituation bieten. Ein Aldi Zelt ist hier also absolut fehl am Platz. Ein Geodätzelt ist am robustesten und macht wirklich alles mit. Jedoch kann man auch mit einem guten Tunnelzelt auf Tour gehen. Hier muss je nach Wind dennoch aufgepasst werden, da man das Zelt im Optimalfall nicht mit der Längsseite in den Wind stellt. Damit das Zelt an Ort und Stelle bleibt kommt man um Schneeheringe nicht drum rum. Sie sind zwar schwerer, aber haben eine große Oberfläche im Schnee und sitzen dadurch bombenfest. Für unsere Grammfüchse kann man als Hering auch die Tourenstöcke, Ski oder Schneeschuhe verwenden.

Grundsätzlich hilft es besonders bei stürmischen Wetter eine Schneemauer zu bauen. Diese bietet ordentlich Windschatten und man ist nicht ganz den Naturgewalten ausgesetzt. Wir sind immer wieder erstaunt, wie viel eine Mauer aus Schnee aushält und wie sie den Komfort desjenigen erhöht, der hinter ihr steht.

Schlafsack & Isomatt

Daunenschlafsack

Daunenschlafsack

Hier verwenden wir persönlich einen Daunenschlafsack in Kombination mit einer Dampfsperre, auch VBL genannt. Zuerst schlüpft man in den VBL hinein. So wird durch das dampfundurchlässige Material verhindert das Körperfeuchtigkeit an die wertvollen Daunen kommt. Diese verlieren dadurch nämlich schnell an Isolationsleistung und würden recht schnell ihren Loft verlieren.

Alternativ kann man unser System auch noch mit einem Kunstfaserschlafsack pimpen. Der Kufa-Schlafsack muss weit genug geschnitten sein, dass der innenliegende Daunenschlafsack nicht zerdrückt wird. Man schlägt hier 2 Fliegen mit einer Klappe: Erstens ist das Kunstfasermaterial nicht so empfindlich gegen das sich bildende Kondenz auf dem Schlafsack und zweitens kann man durch das Zwiebelprinzip auf stärkere Temperaturunterschiede reagieren und einfach ein Schlafsack weglassen.

Damit es von unten nicht kalt wird, haben wir eine klassische Evazote Schaumatte mit 1,9 cm Dicke dabei. Wer es komfortabler haben will, liegt auf der ThermaRest Xtherm oder Exped Downmat besser.

Sonnenschutz

Die Sonnenmilch mit einem Lichtschutzfaktor von LSF 50+ sollte auf keinen Fall zu Hause bleiben. Durch die Abstrahlung der Sonne auf der Schneeoberfläche holt man sich sehr schnell einen Sonnenbrand.

Brille

Die Augen finden Schutz hinter einer guten Sonnenbrille, die 100% der UV Strahlung vom Auge fern hält. Sonst droht die Schneeblindheit vor allem wenn die Sonne schein. Ist das Wetter mal stürmisch sollte man auf eine Skibrille umsteigen, da diese winddicht ist und nichts ins innere eindringen kann. Bei der Wahl der Gläser für die entsprechende Brille hat sich erwiesen, dass spezielle Schneegläser, die Konturen besser erkennbar machen. Hierüber ist man besonders bei einem „white out“ sehr dankbar, da man wenigstens etwas sieht.

Navigation

Mit Kompass auf dem richtigen Weg

Mit Kompass auf dem richtigen Weg

Karte, Kompass und GPS: Bei der Karte sollte man je nach Schwierkeit des Geländes einen Maßstab von 1:50000 oder 1:100000 wählen. Beim Kompass reicht eine einfache Ausführung (mit Deklinationskorrektur) aus dem Outdoorladen. Das GPS Gerät kann man zur Unterstützung beim Navigieren mit dem Kompass verwenden. Wir laden uns immer die geplante Route auf das Gerät um auf Tour besser vorbereitet zu sein. Gerade im „white out“ hilft die moderne Technik beim Orientieren doch sehr.
Wir persönlich halten es für wichtig, dass man den Umgang mit dem Kompass beherrscht. Sich nur auf ein GPS Gerät zu verlassen, dass kaputt gehen kann, kann zum Problemen werden. Wenn man sich dennoch einmal in der Situation befindet, dass man komplett die Orientierung verloren hat, sollte man am besten das Zelt aufbauen und auf besser Wetter warten. Der größte Fehler ist nämlich „blind“ weiter zu gehen und sich unter Umständen zu verlaufen.

Notsender bzw. Spot

Der eine mag denken, dass zu viel Sicherheit das Abenteuerfeeling im Keim erstickt. Jedoch ist es unserer Meinung nie falsch auf einer Wintertour ein Notsender oder GPS Tracker dabei zu haben. Wenn es doch mal Dicke kommt ist man heilfroh drum! Die Geräte senden auf Knopfdruck ein Signal an eine internationale Meldestelle und übermittele die GPS Koordinaten. Die naheliegendste Einsatzstelle für die Rettungsaktion wird benachrichtigt und macht sich auf den Weg.

Erste Hilfe

Wenn doch mal was gesundheitlich auf die schiefe Bahn gerät, ist ein Erste Hilfe Set überlebenswichtig. Hier kommen Medikamente, ein paar Binden, Pflaster und vorallem eine Rettungsdecke rein. Bei den Medikamenten sollte dabei sein: Kopfschmerzen, Fieber, Schmerzmittel und Durchfallmittel. Warum das Durchfallmittel? Auf Wintertour nimmt man wenige Mineralien zu sich, da man Schmelzwasser zu sich nimmt. Dies kann zum Problem werden, wenn man auf Tour Durchfall bekommen sollte und hierdurch noch schneller Mineralien aus dem Körper ausgeschieden werden. Mit einer Tablette, bleiben die Mineralien an Ort und Stelle :-).

Hier noch ein paar nützliche Links für sonstige Erste Hilfe Maßnahmen, die man auf Wintertour „hoffentlich“ nicht gebrauchen wird, aber es ist hilfreich sie zu kennen: Erfrierung, Unterkühlung, Verbrennung und Schneeblindheit.


Schritt 5 – Routenfindung und deren Planung?

Egal ob man Wintertoureinsteiger, Wiederholer oder Winterprofi ist, sollte man hier genau sein und die Routenwahl auf seine Erfahrungsschatz anpassen.

Unsere erste Wintertour hat uns 2008 in die Hardangervidda geführt. Gründe hierfür waren:

  • nicht zu alpines Terrain
  • je nach Routenwahl ist man im Notfall nicht zu entfernt von der Zivilisation
  • Schneesicherheit
  • Wintertourfeeling dank der kalten Temperaturen, die dort herschen können
  • viel Einsamkeit, aber auch ein Hüttennetz des DNT

Man kann sich jetzt streiten, ob die Vidda nicht zu anspruchsvoll für den Einsteiger ist. Wir sind der Meinung, dass das Gebiet für jeden etwas ist, wenn man alles gut plant und sich immer wieder bei der Vorbereitung hinterfragt, ob es das Richtige für mich ist. Und zu guter Letzt sollte man die Ausrüstung für die Vidda haben.

Wichtig - die Tourenplanung

Wichtig – die Tourenplanung

Jedoch zurück zu Routenplanung:
Wenn feststeht, wo es hingehen soll, legen wir uns eine Übersichtskarte im (z.B. Maßstab 1:10000) zu um ein guten Überblick über die Region zu haben. Das Internet bietet viele tolle Reiseberichte und diese haben uns geholfen eine Route für jedes Vorhaben zu finden. Die Vorbereitung versüßt uns zu dem Google Earth mit dem man ein guten Eindruck für das Terrain bekommt und ein Höhen- und Streckenprofil einfach zu erstellen ist.

Wie lange sollte eine Tagesetappe sein?
Hat man noch gar keine Erfahrung mit Wintertouren, sollte man als Grundregel beachten, lieber etwas pessimistischer zu planen. Welche Faktoren sollte man bei der Etappenlänge beachten:

  • Wie viele Tage habe ich Zeit?
  • Brauche ich einen Ruhetag(e)?
  • Höhenprofil der Etappen
  • Tageslichtdauer in dem Tourengebiet
  • Persönliche Kondition und Ausdauer
  • Will ich im Zelt oder Hütten schlafen?

Ein Tour im Winter ist nicht zu vergleichen mit den Streckenlängen, die man im Sommer zurücklegen kann. Der Faktor Tageslichtdauer spielt demnach auch eine entscheidende Rolle. Wir haben für unsere erste Touren in der Vidda 2008 mit Schneeschuhen immer mit 10 – 15 km pro Tag angepeilt. Was sich als sinnvoll erwiesen hat. Ein paar Jahre später mit Ski und Tourenerfahrung ausgestattet, trauen wir uns je nach Geländeprofil auch mal an die 20+ km ran.

Der Plan B

Muss die Tour aus irgendwelche unvorhergesehenen Gründen abgekürzt oder schnell abgebrochen werden, solltest Du immer einen Plan B in der Tasche haben. Überlege Dir also bei der Tourenplanung auch, was Du in dem Fall für Möglichkeiten hast um z.B. schnell zurück in die Zivilisation zu kommen. Evtl. muss die Tour auch nur gekürzt werden, weil Du merkst, dass die Tour zu lange für Dich ist.


Schritt 6 – Kurz vor der Tour

Du hast alles zusammengepackt, kannst einen Haken hinter die Organisations- und Ausrüstungsliste machen und die Vorfreude auf die lang geplante Tour ist zum zerreißen gespannt :-). So geht es uns zumindest immer! Jetzt gilt es noch etwas Wichtiges zu machen: Sag jemand Bescheid, was Du vor hast. Im Notfall ist das immer sinnvoll. Beantworte hier folgende Fragestellungen:

  1. Welche Route Du läufst? Am besten hast Du bei Google Maps eine Route für den Ansprechpartner angelegt
  2. Wie lange läufst Du und welche Etappen sind geplant?
  3. Klarstellung: Wenn der Ansprechpartner bis zum Tag X nichts von Dir gehört hat, soll er folgendes tun? Klärt was deiner Meinung nach sinnvoll ist
  4. Schreib Dir für alle Notfälle alle Kontaktdaten auf eine Art „Notfallkarte“
  5. Wetterinfos: Zu wissen wie das Wetter auf Tour wird und aktuelle Infos zu haben ist immer gut. In der Hardangervidda hat man des öfteren Handyempfang und eine SMS mit aktuellen Wetterinfos gibt Planungssicherheit

Während der Tour

Hier möchten wir unsere Tourtipps weitergeben, damit Du dir auf Tour leichter tust und hoffentlich helfen die Tipps weiter:

  • Nicht schwitzen – Seine Bekleidung immer den Temperaturen anpassen, damit man so wenig wie möglich schwitzt
  • Schneeschmelzen – braucht viel Zeit. Am besten klappt das Schneeschmelzen, wenn man im Topf erstmal einen kleinen Satz Wasser hat und nicht gleich den Topf randvoll mit Schnee voll stopft
  • Pausen – sind vor allem wichtig um Flüssigkeit und Nahrung aufzunehmen. Eine gute Regel ist: 1 Stunde laufen, 5-10 min Pause und weiter geht’s
  • Trinken – ist auf Grund der trockenen Luft sehr wichtig um nicht zu dehydrieren
  • Zeltaufbau – Wo man das Zelt aufstellt sollte man an einem Platz machen, wo der Wind nicht so hinkommen kann. Auch wenn es beim Aufbauen wettermäßig noch nichts anderes erahnen lässt, sollte man immer bedenken, dass das Wetter nachts umschlagen kann und ein windgeschütztes Plätzchen angenehm ist. Die Schneeheringe werden wie ein T-Anker im Boden befestigt und im Schnee vergraben.

Hier mal ein Tag mit uns auf Wintertour in Kürze zusammen gefasst als Beispiel:

  1. Aus dem schön warmen Schlafsack kriechen. Ist manchmal echt hart :-)!
  2. Schnee für das Frühstück schmelzen
  3. In der Zwischenzeit kann die erste Ausrüstung zusammen gepackt werden
  4. Frühstück mit einem ordentlichen Schluck zu Trinken
  5. Ausrüstung in die Pulka packen
  6. Das Outdoorklo ruft. Shit ist das kalt!
  7. Gemeinsames Zelt abbauen
  8. Ab auf die Ski und Kilometer schrubben
  9. Abwechslung aus: Laufen, über schöne Landschaft staunen, Fotos machen, Pause, Laufen….
  10. Abends einen geeigneten Zeltplatz suchen (im Windschatten)
  11. Gemeinsames Zelt aufbauen und bei Bedarf Schneemauer aufstellen
  12. Benötigte Ausrüstung ins Zelt packen. Ordnung muss sein!
  13. Schnee schmelzen fürs Abendessen und zum Auffüllen der Getränkevorräte für den nächsten Tag
  14. Essen fassen
  15. Letztes fürs Frühstück und den morgigen Tag vorbereiten
  16. Outdoortoilette besuchen
  17. Feierabend Whiskey trinken :-)
  18. „Danke“ für den tollen Tourentag sagen und ab in den Schlafsack

Nach der Tour

Wir betrachten eine Tour immer als eine Art von Projekt. Hört sich im ersten Moment vielleicht etwas übertrieben an, aber die Erfahrung der letzten Tourenjahre egal ob Sommer- oder Wintertour haben gezeigt, dass eine abschließender Rückblick auf die Tour bei der nächsten Tour hilft. Das Ganze muss auch nicht aufwendig gemacht werden, aber ein paar Notizen haben bis dato niemanden geschadet. Bei der nächsten Tour hat man es mit Sicherheit vergessen und man fragt sich: „Wie war das nochmal?“ :-).

Hier mal ein paar Tipps wie wir hier vorgehen:

  • Wir schreiben uns Alles in einem Dokument zusammen und beantworten folgende Fragen:
  • Welche Ausrüstung hat sich bewährt, welche nicht?
  • Wie war das Essen? Was kommt das nächste Mal auf den Speiseplan, was streichen wir?
  • Was hätten wir grundsätzlich daheim gelassen?
  • Wie war das persönliche Wohlbefinden auf der Tour und was hätte es benötigt, um sich in speziellen Situationen wohler zu fühlen. Gerade dieser Punkt ist auf der Wintertour wichtig, da unser Wohlbefinden von verschieden Faktoren abhängig ist um die persönliche Motivation steuert.
  • Was kann man bei der nächsten Tourenorganisation beachten?
  • Welche Wünsche hat man an die nächste Tour?

Deine Tipps sind gesucht

So langsam kommen wir dann ans Ende. Wir hoffen, dass wir Dir ein paar neue Tipps zur ersten oder nächsten Wintertour mit auf den Weg geben konnten. Man könnte problemlos ein ganzes Buch über das Thema verfassen, aber wir wollten das Wichtigste hier zu Blatt Papier bringen. Wir sind uns aber sicher, dass es noch lang nicht alles gewesen ist. Deine Erfahrung ist jetzt gefragt! Oder Du hast eine Frage zu unseren Tipps! Denkst über einen der angegebenen Tipps, was schreibt das der Till und Hannes für ein Schwachsinn :-)! Du hast noch einen Tipp, den wir aufnehmen sollen? Dann her damit und einfach als Kommentar posten und somit helfen wir anderen bei ihrer Umsetzung einer Wintertour.

Du brauchst noch Ausrüstung für die Wintertour, dann schau doch mal bei Bergfreunde.de vorbei.

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5 Kommentare zu “Tipps für eine Wintertour”

  1. 1 rasinger sven  | 15:50 on 11/11/2014:

    hello. woow echt hammer euer bericht.. habe selbst vor im märz/april eine tour zu absolvieren in der hardangervidda. danke viel mal für eure tipps!!!!! hammer..

    liebe grüesse, rasinger sven

  2. 2 Hannes  | 10:15 on 11/29/2014:

    Hi Sven!

    Komm grad aus Nepal vom Leichtwandern :-), daher erst jetzt eine Rückmeldung.

    Freut mich sehr, wenn Dir der Bericht und die Tipps bei der Planung helfen.

    Lass mich wissen, wenn Du noch Hilfe brauchst.

    Machs gut
    Hannes

  3. 3 Andreas  | 00:11 on 12/20/2014:

    Hi Sven,

    ich habe auch schon einige Touren in Norwegen gemacht (mit den Fischer E89 Wax). diese sind mir inzwischen zu schmal. Daher möchte ich mir die E99 oder E109er holen: Welche hast du?

    viele Grüße, Andreas

  4. 4 Hannes  | 18:33 on 01/03/2015:

    Hi Andreas!

    Ich selbst hab den Fischer E99 mit der Salomon X-ADV-6 Bindung. Bin soweit echt zufrieden und waren meine ersten BC Ski!
    Hab dadurch natürlich keinen Vergleich zu anderen Systemen.

    Gruß Hannes

  5. 5 Frederick  | 16:06 on 02/19/2015:

    Hallo
    Vielen Dank für deine wertvollen Tipps. Ein Freund und ich werden Anfang April im Hardangervidda unterwegs sein und bestimmt einige Tipps und Tricks von dir berücksichtigen.

    Gruß Frederick

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