Watzmanntour übers herbstliche Wochenende

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Watzmannüberschreitung

Watzmannüberschreitung

Die Überschreitung des Watzmanngrates, dem Mythosberg in den Alpen, ist schon seit Jahren auf meiner Wunschliste. Kaum ein Berg in den deutschen Alpen zieht die Bergsteiger so sehr in seinen Bann wie der Watzmann. Nach meiner ersten wirklichen längeren Graterfahrung auf dem Hindelanger Klettersteig, wollt ich tourentechnisch meinen Horizont erweitern. Dieses Jahr musst ich da hin: Komme was wolle :-)! Das letzte Wochenende war hierfür wie geschaffen: die Bergwelt glüht ein letztes Mal im Stile des „Indian Summer“ in voller Herbstpracht, die Hütten sind bereits geschlossen, es liegt etwas Schnee im Berg und so sollte der Grat nicht zu überlaufen sein. Arbeitskollege Daniel hatte ich schnell für die Unternehmung begeistern können und so machten wir uns auf zum Königssee. Um eine 2-Tages-Rundtour daraus zu machen, wollen wir nach dem Watzmann über die Sigeretplatte zurück nach Sankt Bartholomä laufen.

Infos zur Tour

Länge:
Gesamtlänge: ca. 24 km (Aufstieg: 2800 Hm, Abstieg: 2800 Hm)
Schwierigkeit:
Der Watzmann ist nach der Klettersteigschwierigkeit mit A/B eingestuft.
Gute Kondition, Schwindelfreiheit & Trittsicherheit vorausgesetzt.
Erfahrung mit der Überquerung von Altschneefeldern je nach Jahreszeit ist erforderlich
Tourenpunkte:
Start: Schönau am Königssee, Aufstieg über die Grünsteinhütte und Kühroinhütte, Watzmannhaus, Hocheck, Watzmann Mittelspitze, Watzmann Südspitze, Abstieg ins Wimbachgries, Sigeretplatte, Ziel: Sankt Bartholomä am Königssee
Abstiegsmöglichkeiten:
keine Möglichkeit am Watzmanngrat direkt abzusteigen
weitere Gipfelmöglichkeiten:
1. Grünsteingipfel (am Anfang der Tour)
2. Großer & Kleiner Hundstod
3. grundsätzlich kann man die Tour beliebig bis hin zur Wochentour verlängern
Kartenmaterial:
DAV Karte: Berchtesgaden: Watzmann, Maßstab 1:25000
Übersichtkarte: über die Schwierigkeit der Überschreitung

Anfahrt

Wir sind direkt nach der Arbeit in voller Vorfreude ins Auto gesprungen und haben uns auf den Weg zum Königssee gemacht. Grundsätzlich ist die Anfahrt immer der langweiligste Teil einer Tour. Dank der SWR 1 Radiohitparade, konnte wir die 4,5 Stunden bei erstklassiger musikalischer Unterstützung hinter uns bringen. Schon fast am Ziel hatten wir die Abfahrt an der Autobahn verpennt und waren schneller als gedacht auf der österreichischem Autobahn gen Salzburg unterwegs. Eine Umkehrmöglichkeit gab es laut Beschilderung nicht und so nam ein kleines Übel seinen Lauf :-). Wir entschieden uns die nächste Ausfahrt in Österreich Richtung Berchtesgaden zu nehmen und witzelten noch wegen der fehlenden Vignette etwas rum. Aus dem Witz wurde bei der Ausfahrt in österreichischer Manier ernst, als ein Mautkontrolleur ein „Pickel“ sehen wollte. „Fahrzeugschein und Führerschein, bitte!„. Kurz und knackig kam darauf folgend: „Herr H., wir haben ein Problem, 120€!„.
120€ ärmer düsen wir die letzten Meter nach Berchtesgaden und denken uns unseren Teil über die Höhe der Strafe. Das Ganze soll jedoch nicht die Stimmung drüben und weiter geht es bestens gelaunt in den Tourenstart!

Tag 1: Freitag, 25.10.13, Wetter: Sternenhimmel
Schönau zum Übernachtungsplatz bei der Grünsteinhütte
(ca. 3,5 km, Aufstieg: 700 Hm)

Biwakplatz am Wegesrand

Biwakplatz am Wegesrand

Die Uhr steht mittlerweile auf 0 Uhr morgens als wir unser Zeug für die Tour in den Outdoor Research Drycomp Summit Sack zusammen packen. Die Dorfjugend, die in der nahe gelegenen Disko feiern, schauen uns etwas eigenartig an, was wir um diese Uhrzeit vorhaben. Ja wir haben entschieden noch ein paar Meter Richtung Grünsteinhütte zu laufen um dem Watzmann bereits bei Nacht ein paar Meter entgegen zu kommen. So stark sind wir vom Ban des Berges angezogen :-)! Der eigentliche Grund ist, dass wir am Samstag nicht die ganzen 2000 Hm zum Hocheck aufi gehen müssen. So machen wir bereits in der Nacht ein paar Höhenmeter und haben es bei der Watzmannüberquerung nicht mehr so weit.
In gemütlichem Tempo lassen wir die Sicherheit der Zivilisation hinter uns und die beleuchteten Straßen Schönaus bleiben mit jedem Meter im Tal zurück. Mal etwas anderes eine Tour mit Stirnlampe auf dem Kopf zu beginnen. Unsere Sicht ist beschränkt auf den Lichtkegel vor uns! Wir beiden sind etwas müde aber sind innerlich eingestimmt auf eine tolle Wochenendtour. Die Gedanken an die Arbeitswoche verblasen und wir kommen in Schwung. Der Anstieg zur Grünsteinhütte geht anfänglich parallel zum Eisbobstation einen Fahrweg steil empor. Ein paar Serpentinen später zweigt der Weg rechts ab und wird schmal, bleibt jedoch steil ansteigend und führt durch den nächtlichen Wald. Viel gibt es also nicht zu sehen :-)!

Gut ausgeschildert im LED Licht

Gut ausgeschildert im LED Licht

Gegen 1.30 Uhr kommen wir an der Gründsteinhütte an und entscheiden ein paar Meter dem Waldweg Richtung Kühroinhütte zu folgen. Dort werden wir schon ein Plätzchen für ein Biwak finden. Spätestens jetzt merken wir die späte Stunde und wir freuen uns auf eine Mütze Schlaf!
Schnell haben wir das passende Plätzchen gefunden und pumpen die leichten Isomatten auf und legen uns im Wald in unsere Daunenschlafsäcke. Aufgrund der guten Wettervorhersage haben wir auch das Tarp zu Hause gelassen um ein paar Gramm zu sparen. Unter freiem Himmel ist es eh am schönsten! Noch kurz den Wecker auf 6 Uhr gepolt und wir verschwinden mit einem „Gute Nacht“ im Erholungsschlaf. Es ist 2 Uhr morgens und wir haben 4 Stunden Zeit uns zu erholen.

Tag 2: Samstag, 26.10.13, Wetter: sonnig
Übernachtungsplatz bei der Grünsteinhütte bis Schönfeldgraben (ca. 11 km, Aufstieg: 1600 Hm, Abstieg: 1100 Hm)

Indian Summer am Watzmann

Indian Summer am Watzmann

Der Wecker macht sich zuverlässig um 6 Uhr bemerkbar und wir sind schnell auf den Füssen. Es ist natürlich noch stockdunkel! Ein kurzes Frühstück später bauen wir unser Lager ab und verstauen alles im Rucksack. Bereits um 6.40 Uhr verschwinden wir in der Dunkelheit des Waldes mit Peilung Watzmann. Die erste Stunde hilft die Stirnlampe bei der Wegefindung. Der Weg zur Kühroinhütte ist nicht wirklich schwer zu finden. Erst eine Weile durch den Wald und anschließend folgt man dem Fahrweg bis zur eigentlichen Hütte. Bereits auf dem Weg dorthin ersehnen wir das erste Tageslicht, dass den Blick auf die umliegenden Berge frei gibt.
Um 7.40 Uhr sind wir an der Hütte und es ist hell genug, dass wir die Lampen endlich verstauen können. Vor uns steht das Felsmassiv des Watzmanns und erfüllt uns bei desen Anblick mit Freude und zu gleich Ehrfurcht. Wir sind der Meinung, dass man einem Berg Respekt entgegen bringen sollte, besonders wenn es sich um den Watzmann handelt :-). Während des Laufes staunen wir immer mehr. Das Morgenlicht trifft direkt auf den Berg und im Anstieg zum Watzmannhaus fühlen wir uns wie im kanadischen „Indian Summer“. Unglaubliche Herbstfarben schmücken die Hänge, die voll von Lerchen stehen und im Kontrast zum kargen grau des Watzmannmassivs um die Wette strahlen. Gepaart mit einer fantastischen Weitsicht durch die klare Luft bis hin zu den weit entfernten Bergen in alle Himmelsrichtungen. Es ist traumhaft!

Aufstieg Hocheck

Aufstieg Hocheck

Wir steigen weiter den Weg hinauf und treffen die ersten Mitstreiter auf dem Weg zum Watzmann. Oben am Watzmannhaus, das bereits komplett dicht gemacht hat, nehmen wir noch einen Riegel zu uns und stimmen uns seelisch auf die nächsten knapp 700 Hm zum Hocheck (2651 m) ein. Ab hier geht es nur noch im Fels voran. Die Steigung ist moderat und der Weg schlengelt sich gut angelegt nach oben. Ein paar Stellen sind mit Drahtseil abgesichert und wir stapfen durch kleinere Schnellfelder. Es war eine gute Entscheidung diesmal nicht im Leichtwanderstil meine Inov 8 Roclite 312 GTX mitzunehmen. Stattdessen kommen meine guten alten Salomon Bergschuhe wieder zum Einsatz. Mit uns laufen ein paar weitere Gipfelanwärter. Die meisten davon werden am Hocheck bzw. spätestens an der Watzmann Mittelspitze kehrt machen.

Auf Messers Schneide

Auf Messers Schneide

Mit jedem Meter zum Hocheck wird die Sicht grandiose, fast schon zu schön um wahr zu sein für einen Morgen Ende Oktober in den Bergen. Für gewöhnlich ist zu dieser Zeit hier oben schon der Winter im vollen Gange und der Berg liegt im Winterschlaf. Wir kommen um 11.40 Uhr am Hocheck an und haben das erste Mal Sicht auf den Grat, der uns bevor steht. Ich persönlich habe es ja nicht so mit der Höhe :-) und stelle mir regelmäßig die Frage: „Warum tue ich mir das an :-)?“. Ich finde jedes Mal zur gleichen Antwort: es ist eine Mischung aus der Begeisterung für die Berge, dem Ansporn seine Grenzen im gesunden Maße zu übersteigen, das Gefühl nach Freiheit und die Erkenntnis wie klein wir Menschen doch in dieser Welt sind.
Ab hier geht die Tour erst richtig los und wir sind voller Neugier. Bevor wir uns jedoch auf den Grat begeben, ziehen wir noch den Leichtklettergurt Black Diamond Couloir und das Klettersteigset am Notbiwak an.Wir werden zwar auf der ganzen Tour nur zweimal auf die Sicherung zurück greifen müssen, aber es ist ein gutes Gefühl es zu haben. Nun los, Jungs!

Bereits der erste Abschnitt ist ganz ordentlich mit einem schmalen Gratstück. Es geht grundsätzlich über den ganzen Grat im Auf und Ab und je nach Abschnitt ist der Fels mal griffig und mal total speckig, das man selbst bei trockenen Bedingungen abrutschen kann. Man sollte die Tour nur bei besten Wetterbedingungen machen. Wer hier in ein Gewitter rein kommt wird zum lebendigen Blitzableiter :-(. Wir haben auch genügend zu trinken dabei, da man zwischen Watzmannhaus und dem Wimbachgries keinen Tropfen Wasser findet.

Tiefblick zum Königssee

Tiefblick zum Königssee

Ist der erste Gratabschnitt erstmal vorbei, wird es einfacher und die Ausgesetzheit weicht etwas dem gut machbaren Gratweg bis zur Mittelspitze (2713 m). Nur ein paar Altschneefelder und in der Sonne blitzendes Eis bedürfen etwas Vorsicht. Wir bleiben immer wieder stehen und genießen den Blick runter zum Königssee, wie auch die Weitsicht in alle Himmelsrichtungen. Es sind kaum noch Leute hier unterwegs und wir kommen gut voran. Vor der Mittelspitze geht es die „Rampe“ hoch. Ein etwas längerer Abschnitt, der jedoch gut gesichert ist. Wer will kann grundsätzlich ein Klettersteigset an den Drahtsicherungen verwenden, wenn es es der persönlichen Sicherheit hilft.

Cimpanzee - Stärkung mit Liebe

Cimpanzee – Stärkung mit Liebe

Auf der Mittelspitze suchen wir uns einen Platz für eine kleine Rast und fragen uns, wie es hier an vollen Tagen zugeht. Da muss man acht nehmen, dass man den Bergkameraden nicht versehentlich runterstößt, weil es eng zu geht. Wir sind zu dem Zeitpunkt alleine und stärken uns mit Flüssigem, Brot und einem Energieriegel. Gut zu sehen ist bereits die Südspitze des Watzmann (2712 M). Der Abschnitt ab hier wird mit 90 min angegeben! Wir werden eine ganze Stunde länger brauchen. Wir haben es ja nicht eilig! Wir sind im Genussmodus und genießen die Zeit hier oben. Haben uns viel über vergangene Bergabenteuer und Ausrüstung zu erzählen und saugen die Schönheit der Berge in uns auf. So macht das Touren Spaß!

Balance ist gefragt

Balance ist gefragt

Erst geht es einen Grat mit Rinne abwärts. Darauf folgt ein Zickzack Kurs auf dem Grat bevor man ein paar Felstürme auf der westlichen Seite umläuft. Als wir schon kurz vor der Südspitze sind, sage ich noch zu Daniel: „Jetzt sollten wir das Gröbste hinter uns haben“. Tja, denkste! Wir stehen nochmal vor einem netten Gratabschnitt, wie bereits nach dem Hocheck. Ich hole einmal tief Luft und konzentriere mich und wir steigen über den Abschnitt. Ein tolles Gefühl auf Messers Schneide zu stehen und seine persönlichen Grenzen abzutasten. Daniel ist da etwas geübter als ich, aber für mich ist es trotzdem eine morz Gaudi. Ein letztes Mal geht es aufwärts zum Südgipfel und wir stehen um 15.15 Uhr alleine am Gipfel. Daniel zeigt die Siegerfaust und das „Berg heil“ darf natürlich nicht fehlen. Wir blicken glücklich auf das zurück gelegte hinüber und essen dabei etwas zur Stärkung für den Abstieg, dem ja außer Anstrengung und schreienden Knien nichts Gutes nachgesagt wird. Ein Eintrag im Gipfelbuch rundet den Gipfelsturm ab.

Feierabendstimmung

Feierabendstimmung

Um 15.30 Uhr brechen wir auf zum Abstieg. Ein erster Abschnitt ist mit Kraxelei und ein paar einfachen Klettereinlagen verbunden. Da wir alleine sind und es kaum Steinschlaggefahr gibt, lassen wir die Helme weg. Wer jedoch an einem überlaufenen Tag hier absteigt sollte die Haube ruhig aufziehen :-)! Anschließend kommt man auf ein Schotterfeld in dem wir etwas den Hang absurfen um die Knie zu schonen. Boahhh tut das gut, bevor der nächste felsige Abschnitt mit netten Stufen und Klettereinlagen wartet. So langsam könnte es gut für heute sein, denken wir uns und entscheiden uns heute nicht mehr komplett ins Wimbachgries abzusteigen. Wir haben schnell ein grünes Fleckchen Erde von oben ausgemacht, wo es uns zum Feierabend hinziehen wird. Dort angekommen, hocken wir uns erstmal hin und genießen die Ruhe als Daniel auf einmal ein Bierchen in der Hand hält. „Das haben wir uns verdient“, sagt er grinsend. Da lass ich mich nicht zweimal bitten und das Feierabendgetränk läuft nur so die Kehle runter :-). Danke Daniel!

Wir genießen noch die letzten Sonnenstrahlen, schmeißen den Jetboil Sol ti an und holen aus der nahegelegenen Wasserquelle Wasser für das Abendessen in Form von Adventure Food. Anschließend liegen wir in den warmen Schlafsäcken und zählen uns anhand der Sterne in den Schlaf. Schön isch gewesen!

Tag 3: Sonntag, 27.10.13, Wetter: sonnig/wolkig
Schönfeldgraben bis Sankt Bartholomä (ca. 10,5 km, Aufstieg: 520 Hm, Abstieg: 1700 Hm)

Wimbachgries

Wimbachgries

Dank der Zeitumstellung auf die Winterzeit hatten wir nach der gestrigen Tour eine Stunde mehr zu schlafen. Das tat definitiv gut, so hatte wir schon mehr Zeit in der Nacht den atemberaubenden Sternenhimmel mit Blick auf die Milchstraße zu bewundern. Es gibt doch nichts Schöneres als ein Teil der Natur zu sein und nur ausgerüstet mit einem Rucksack und den lebenswichtigen Dingen. Es bringt einen im stressigen Alltag wieder zurück auf den Boden!

Pflanzenwelt

Pflanzenwelt

Wir frühstücken zeitig und packen unsere Schlafsäcke und Isomatten ein. Eine nahegelegene Wasserstelle versorgt uns mit Flüssigkeit für den Tag. Ein letztes Mal schweift der Blick hoch zur Watzmann Südspitze und wir setzen um ca. 8 Uhr unseren Trott ins Tal fort. Ab hier ist der Abstieg im Vergleich zu gestern einfach, auch wenn die Beine etwas Muskelkater melden. Wir sind dennoch bester Laune und genießen die Morgenstimmung im Wimbachgrieß, dass sich vor uns breit macht. Gegen 8.45 Uhr sind die letzten Höhenmeter erstmal hinter uns und wir queren das Wimbachgrieß um auf den Wanderweg hoch zur Tischübel Alm zu kommen. Der Weg schlengelt sich angenehm steigend empor. Wir lassen uns es nicht nehmen immer wieder inne zu halten und das drum herum zu genießen und nicht nur den Berg hoch zu rennen. Ein kleiner Abschnitt unterhalb des Hirschwiese ist steinschlaggefährdet und wir flitzen über kurz über den Hang und tiefschnaufend auf einer Bank Platz nehmen. Ab hier sind es nur noch ein paar Meter bis zum Übergang zur Sigeretplatt. Nun beginnt der Abstieg zurück zum Königssee. Von der 2-Tagestour rund um den Königssee hab ich noch dunkel in Erinnerung, dass der Weg sich etwas zieht. Der Wegweißer bestätigt mein Gedanken mit einer Laufzeit von 3,5 Stunden über die Sigeretplatte bis Sankt Bartholomä! Ade Wimbachgrieß, dass so langsam im Schatten verschwindet, da der angekündigte Wetterwechsel die umliegenden Berge einhüllt. Heute wäre die Watzmannüberschreitung nur im Nebel möglich gewesen.

Ausblick auf den Rotleitenschneid

Ausblick auf den Rotleitenschneid

Wir folgen dem Weg die nächsten Höhenmeter bis zum See talwärts und lassen das Laub unter uns rascheln. Uns wird klar, welches Wetterglück wir doch haben. Eher selten kann man Ende Oktober in der Gegend noch bei 15 C° wandern gehen und braucht nicht mehr als ein Longsleeve. Im Abstieg hat man eine tolle Aussicht auf die „Saugass“, wie hier der ZickZack-Abstieg vom Kärlinger Haus genannt wird. Wir steigen jedoch an der Ostseite über die Sigeretplatte ab. Ein letztes Mal müssen wir uns konzentrieren, da das getrocknet Laub richtig rutschig in den steilen Abstiegspassagen wird. Um 11 Uhr treffen wir auf den Weg der vom Kärlinger Haus kommt und folgen durch das Tal. Hier treffen wir das erste Mal am heutigen Tag Menschen :-)! Was ist das? Es ist herrlich wie wenig Leute unterwegs sind, wenn alle Hütten geschlossen sind. Wir merken jedoch das wir uns langsam der Zivilisation am Königssee nähern. Orientierungslose Touris schleichen auf den Wegen rum und ein Chinese ist total hin und weg, dass wir seine Frage: „Have you been on the top of the mountain?“ mit „Yes“ beantworten. Am liebsten hätte er noch ein Bild von den 2 Bergsteigern gemacht. Wir müssen ein wenig schmunzel. Aber jeder so wie er es will!

Herbstlicher Königssee

Herbstlicher Königssee

Unten am See angekommen sputen wir uns ein bisschen um das Schiff zurück nach Schönau um 12.40 Uhr bekommen. Das gelingt uns auch und schneller als erwartet tuckern wir in dem netten Elektroschiff über den bis zu 200Meter tiefen See. Traumhaft schön gelegen und durch das Laub ist die Wasseroberfläche in allen Farben gezuckert. Um 13 Uhr sind wir in Schönau und zurück am Auto. Keine halbe Stunde später sehen wir im Rückspiegel die Berge und beschließen ein geniales Wochenende in den Berchtesgadener Bergen.

Fazit

Wieder einmal zeigt sich, dass die spontanen Touren einfach die Schönsten sind. Wenn der Kontrast zwischen Alltag, Vorfreude und dem Erlebnis so kurz gehalten ist, erlebt man oft die schönste und intensivste Zeit Outdoor. Die Tour hat unsere Erwartungen um Weiten an ihrer Schönheit übertroffen. Ich kann nun einen Haken hinter den Wunsch nach dem Mythosberg machen und werde die Eindrücke aus den zwei Tagen nicht nur als Digitalbild auf dem PC ablegen, sondern auch in meinem Kopf beibehalten. Jeder der auf der Suche nach einer anspruchsvollen Gratüberschreitung ist und die notwendige Kondition und Schwindelfreiheit mit sich bringt, der wird an der Tour seine Freude haben. Besonders die Einsamkeit Ende Oktober hat es uns angetan, da an schönen Sommertagen gerne mal 250 bis 300 Tourengeher sich am Grat tummeln. Furchtbar :-)! Nun kehren wir, wie auch der Berg in den Winterschlaf ein und freuen uns auf die nächsten Touren im Jahr 2014.

Weitere Bilder der Tour:

Saugasse

Saugasse

Abstieg von der Südspitze

Abstieg von der Südspitze

Bereits verblüht

Bereits verblüht

Model für Mammut?

Model für Mammut?

Hannes nach dem Hocheck

Hannes nach dem Hocheck

Zurück zum Watzmannhaus

Zurück zum Watzmannhaus

Der Herbst ist da

Der Herbst ist da

Pause muss sein

Pause muss sein

Gut ausgeschildert im LED Licht

Gut ausgeschildert im LED Licht

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1 Kommentar zu “Watzmanntour übers herbstliche Wochenende”

  1. 1 Daniel  | 22:42 on 03/30/2017:

    Eine sehr schöne Tour! Für mich ein absoluter Klassiker und ein Muss, wenn man gerne in die Alpen geht. Dabei zeigt sich einmal wieder, dass das schöne so nah sein kann. Deutschland hat so viele tolle Ecken. Nicht nur die Zuspitze ist ein Highlight Vielen Dank für die wundervolle Darstellung und die tollen Bildbereich zum Artikel

    Gruß Daniel

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