Wintertour im Jotunheimen

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Traumplatz im Jotunheimen

Traumplatz im Jotunheimen

Es ist gerade 12 Monate her, dass wir uns auf den Weg gen Norden auf eine Wintertour in der Hardangervidda gemacht haben. Diese Tour war so atemberaubend schön um den ganzen Anreisestreß auch dieses Jahr wieder auf uns zu nehmen. Diesmal sollte es jedoch keine Hochebene werden, sondern Alpiner, bergiger, zerklüfteter und gern auch etwas anstrengender. Im „Heim der Riesen“, wie der Jotunheimen genannt wird sollte sich doch etwas finden lassen. Basti, Till und ich sind fündig geworden und haben uns mit der Pulka auf den Weg dorthin begeben und uns auf die Spuren des Dichter Aasmund Olavsson Vinje gemacht, der das Gebiet in den 19. Jahrhundert mit seinen Gedichten seinen heutigen Namen gab.

Tourenbericht von Gjendesheim (Rundtour)

Anreise nach Norwegen

Auf der Fähre nach Oslo

Auf der Fähre nach Oslo

Wir treffen uns um 21 Uhr bei mir um die Skibox aufs Dach unseres Autos zu schnallen. Alles fix verstaut und ein letzter Check, ob auch nichts vergessen wurde. Im Gepäck haben wir auch noch einen 4. Passagier, der uns bis nach Oslo begleiten wird. Mein Dad verbringt dort ein paar Tag um sein Norwegisch auf die Probe zu stellen und eine durchaus interessante Stadt näher kennen zu lernen. Wir starten um 22.30 Uhr gen Kiel, wo es auf die Fähre nach Oslo geht. Die letzten Jahre waren wir immer komplett durch Dänemark durch gefahren und sind von Hirthals nach Larvik mit der Fähre gefahren. Dies ist jedoch ein sehr langer Weg mit dem Auto und so entschieden wir uns für die entspannte Kiel-Oslo Verbindung. Die Nacht geht wie im Fluge vorbei, keine Staus und wir sind morgens um 7 Uhr in Kiel. Dort verschanzen wir wir uns zum Frühstücken im Colorline Terminal um auf die Fähre zu warten.
14 Uhr legt der riesen Dampfer vom Dock pünktlich ab und wir sind erstmal damit beschäftig in dem Schiff unsere Schlafkabine zu finden. Wir sind erschlagen von dieser kleinen Stadt auf dem Wasser und sichern uns erstmal ein Platz beim „Grand Buffet“ in einem der vielen Restaurants für 17.30 Uhr. Alles irgendwie Dinge, die uns als bescheidenen Outdoorern überhaupt nicht liegt, aber ein Freund meinte, dass das Buffet ein „Muss“ ist. Also berappen wir die 37€ für ein Abendessen und sind gespannt, ob es sich lohnt. Die Antwort ist ganz klar „Ja“! Das Buffet ist für jeden kulinarischen Freund der absolute Wahnsinn. Es gibt alle Sorten von frischem Fisch, Fleisch, Vegetarischem, leckere Beilagen, Nachtische & Vorspeisen und sogar glutenfreies ist im Angebot. Ein Daumen hoch an das Küchenteam! Am Ende sitzen wir als Letzte in dem riesen Boardrestaurant und schlemmern ganze 2 1/2 Stunden bis wir freundlich vom Personal zur Kasse gebeten werden :-). Mit vollem Magen gönnen wir uns im Irish Pub ein schlechtes Guinness Bier um danach müde in unserer Betten zu fallen.

Wie im Raumschiff!!

Wie im Raumschiff!!

Morgens um 8 Uhr sind wir gut ausgeschlafen auf den Socken und fahren bereits durch den schönen Oslofjord ein und entdecken bald darauf Oslo City vor uns. Norwegen wir kommen! Kaum vom Schiff runter, verlässt uns mein Dad und stürzt sich ins Stadtgetümmel von Oslo. Für ihn geht es dann 3 Tage später mit dem Flugzeug zurück. Vor uns liegen noch 350 km norwegischer Asphalt bis wir am Reiseziel ankommen. Im gemütlichen Tempo von max. 100 Stundenkilometer stellt sich bei uns Entspannung ein. Es ist so schön so stressfrei mit dem Auto dahin zu schleichen und keiner drängelt oder setzt zu riskanten Überholmanövern an. Von diesem Geschwindigkeitssystem könnten sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden :-)!

Um 15 Uhr kommen wir im Nationalpark an der DNT Hütte Gjendesheimen an. Hier kann man zu norwegischen Preisen alles bekommen, was man von einer Unterkunft erwartet. Wir sind jedoch hungrig nach Abenteuer und nicht nach dem alltäglichen Luxus. Wir parken auf Risiko, das unser Auto bei der Rückkehr eingeschneit ist, unten am Kiosk um uns die 80 NOK/pro Tag als Parkgebühr an der Hütte zu sparen. 10€ sind etwas überzogen, aber schließlich sind wir ja in Norwegen wo alles locker doppelt so teuer ist. Da scheinen uns z.B. die Schweiz ein Billigland zu sein :-)!

Beim Packen in Gjendesheim

Beim Packen in Gjendesheim

Wir packen unsere Pulken zusammen und laufen noch ein paar Meter über den See Gjende, dessen Eis scheinbar hält. Das Wetter der letzten Wochen war nicht optimal. Teilweise Plusgrade und in einem anderen Blog haben wir gelesen, dass hier vor ein paar Tagen dunkle Stellen auf dem See gesichtet wurden. Nicht gut :-(! Aber die Tage soll das Wetter zwar nicht optimal sein, aber tagsüber dennoch leichte Minusgrade. 1 km von der Hütte bauen wir unser Zelt um 17 Uhr am Ausläufer des Vesfjell auf. Ein Blick den Gjende entlang Richtung Memurubu zeigt nebelige Aussichten und der vom Wetterdienst angekündigte starke Wind für morgen kommt über den Abend in Stimmung.
Wir genießen trotzdem das beginnende Abenteuer und bei guter Stimmung gibt es eine Ration gefrier getrocknetes Essen um gestärkt für den morgigen Tag zu sein.

Tag 1: Montag, 17.03.13 (sonnig/bewölkt bei -5C°, starker Wind)
Gjendesheim bis zum Hütte Gjendebu (ca. 18 km)

Endlich geht es los!!

Endlich geht es los!!

Heute geht die Tour endlich los. Die letzten Wochen wurde nur geplant und nun können wir starten. Für den ersten Tag haben wir uns die Überquerung des Gjende Sees zum Einlaufen rausgesucht. Immer schön flach über den See vorbei an einem der bekanntesten Berge dem „Beseggen“, Hütte Memurubu bis ans Seeende zur Hütte Gjendebu. Auf dem Bessegen muss wohl jeder Norweger mal in seinem Leben gewesen sein. Dem entsprechend ist hier auch alles für den Tourismus im Sommer eingerichtet. Jetzt im Winter sind wir allerdings einer von wenigen, die sich eine Wintertour gönnen. Uns freut es natürlich, wenn wir diese Landschaft für uns alleine haben.
Beim Aufstehen um 7 Uhr zeigt sich immer wieder ein Lichtblick um die Berge um uns herum. Wir sind definitiv nicht in der Hardangervidda sondern umgeben von riesigen Bergen. Ein Frühstück später merke ich noch, dass die Sonnenbrille noch im Auto liegt :-(. Also nochmal zurück zum Auto und schön warm gelaufen zurück zu den Jungs. Diese stehen um 9 Uhr startklar auf ihren Brettern und wir schnallen uns die Pulken ans Bundeswehr Tragegeschirr. Los geht’s!

Blick über den Gjende See Richtung Osten

Blick über den Gjende See Richtung Osten

Wir sind schnell auf dem See und der angekündigte Wind trifft uns recht ungebremst direkt von vorne. Wir schnüren fix alles zu, was es zum zu machen gibt. Ich bin dieses Jahr auch mit neuer Kleidung auf Tour. Als Baselayer das übliche Icebreaker Shirt, dann ein schön atmungaktives Polartec Fleece gegen die Kälte und als 3. Schicht der Bergans Morgedal Anorak gegen den Wind & Schnee. Das besondere an dem Anorak ist, dass er aus einer speziell behandelten Wolle ist. Dadurch ist der Anorak winddicht, wasserabweisend und trotzdem Dank der Wolle extrem atmungsaktiv und schnelltrocknend.
Wir kommen trotz dem Wind den Umständen entsprechend voran. Über dem See ist noch keine Winterroute gesteckt, da kaum Schnee vorhanden ist. Verlaufen ist aber eher schwierig.  Immer wieder rutschen wir über Plankeis. Schlittschuhe wären hier geeigneter gewesen. Immer wieder zeigen sich im Sonnenlicht die umliegenden Berge wie Tjonnholstinden, Bessegen oder Besshoe. Ein herrlicher Anblick auch wenn wir die gesenkten Köpfe ungern in den Wind strecken. Der Wind nimmt deutlich zu und unter uns tanzt der lockere Schnee wild über den See. Wir befinden uns immer wieder in einer aufgewirbelten Schneewand und der Vordermann ist für den Augenblick schlecht zu sehen.

Till unsere Eisziege

Till unsere Eisziege

Um 11 Uhr sehen wir die Hütte Memurubu auf der rechten Seeseite vor uns und laufen dorthin um uns im Windschatten eines der Hütten mit Getränken und der Tagesration an Essen zu versorgen. Puhhhh, das tut gut! Wir hatten seit dem Start keinen Schluck Tee getrunken und nichts gegessen. Der Blutzucker ist im Keller und der Mund trocken von dem kalten Wind. Mir ist sogar ein wenig schlecht vom Flüssigkeitsmangel und wir nehmen uns vor, dass wir trotz Wind auf dem zweiten Abschnitt auf dem See alle 30 min etwas trinken und bei Bedarf zum Essen greifen. Eine Schneeziege hat sich in der Pause bemerkbar gemacht und prallt mit dem eisigen Bärtchen in der Truppe auf – Till :-). Durch den Wind hat sich auf den letzten Kilometern an seinem Bart ein ordentlicher Eiszapfen gebildet.

Die Gjendebu in Sicht

Die Gjendebu in Sicht

Nach der Stärkung geht es wieder runter an den See zu den Pulken und wir machen uns auf zu den nächsten 9 km Seestrecke. Es ist schon verrückt, dass wir hier die ganze Zeit auf einem zugefrorenen See laufen, der 18 km lang ist. Wo gibt solch einen riesen See in Deutschland? Die Überlegungen tanzen in meinem Kopf und mir fehlt im tosenden Windgestöber erstmal nur der Bodensee ein. Alleine im südlichen Nachbartal wartet ein noch größerer See mit einer Länge von ca. 30 km. Uns reichen glaube ich jedoch die 18 km auf dem Gjende :-). Als wir aus dem Windschatten des Berges Memurutunga kommen, erreicht der Wind seinen Höhepunkt, aber zur Erleichterung finden wir ab hier die Wintermarkierung im nebeligen Schneetreiben. Wir schieben uns wie an der Perle gezogen von Markierung zur Markierung und können irgendwo da hinten das Ende vom See ausmachen. Basti fragt: „Ist es jetzt besser das Ende zu sehen, oder eher demotivierend?“. Bei einem Schluck aus der Thermoskanne und einem Griff zum Essen einigen wir uns darauf, dass die Strecke bei beiden Varianten (mit oder ohne Sicht) gleich lang bleibt.
Viel gibt es auf den weiteren Kilometern nicht zu sehen, außer das es flach über den See weiter läuft und wir auch langsam vor uns das Tal Vesladalen immer näher auf uns zukommen sehen. Das Tal werden wir morgen durchqueren und es wird uns in die Höhe des Jotunheimen führen. Um 14.30 Uhr haben wir es dann endlich geschafft und vor uns taucht die Hüttenlandschaft Gjendbu auf. Basti stürmt in den Winterraum ein und Till & ich folgen ihm. Wie nah windiges Wetter und der Komfort einer einfachen Hütte doch sein können. Wir einigen uns darauf hier ein wenig zu bleiben, die Sachen zu trocknen und Wasser für die Thermoskannen aufzuwärmen. Eigentlich war geplant, dass wir hier nicht so früh ankommen. Wir waren wohl wieder recht flott unterwegs.
Die Winterräume sind sehr oft top gepflegt und man kann auch, wenn gewünscht, Proviant auffüllen. Die goldene Regel ist einfach, dass man die Hütte so verlässt, wie man sie angetroffen hat – Sauber! Die Tagesnutzungsgebühr ohne Übernachtung liegt z.B. bei 70 NOK (ca. 9€) pro Person. Wer übernachten will, sollte je nach Hütte ca. 300 NOK als DNT Nichtmitglied einplanen.

Um 17.45 Uhr stapfen wir gut gestärkt und aufgewärmt ein paar hundert Meter von der Hütte weg und bauen dort unser Zelt auf. Hier beginnt das übliche Abendprogramm aus Vorbereitung für den nächsten Tag und Wasser fürs Essen kochen. Wir genießen die gemeinsame Zeit und auch der Wind nimmt etwas ab. Für morgen hat der Wetterbericht etwas Entspannung und mehr Sonne angekündigt.

Tag 2: Dienstag, 18.03.13 (sonnig/bewölkt bei -3C°)
Hütte Gjendbu bis zum See Rauddalsvatnet (ca. 17 km)

Tolle Stimmung über dem Gjende See

Tolle Stimmung über dem Gjende See

Der erste Blick aus dem Zelt zeigt etwas Besserung in Sachen Wetter. Wir sind um 7 Uhr wieder top fit und erholt auf den Beinen. Frühstücken, Sachen zusammen packen und zu guter Letzt das Zelt abbauen. Das ganze bei ordentlich Tiefschnee! Hier ist ordentlich was runtergekommen und wir sinken bei jedem Schritt ohne Ski tief in den Schnee ein.
2 Stunden später stehen wir wieder auf den Latten nach dem wir uns die Skifelle für den Anstieg aufgezogen haben um an den bevorstehenden Anstiegen besser voran zu kommen. Und wir kommen gut voran :-). Stetig steigt der Winterweg den Berg durchs Tal Vesladalen an. Perfekt um nicht total im Schweiß der Anstrengung zu versaufen und auch nicht zu anspruchslos um zu frieren. Zu unserer rechten thront der Gjendetunga mit einer teils vereisten Steilflanke und beim Blick zurück überblicken wir jedes Mal den See Gjende und Basti deutet nochmal auf den Beseggen hin. Ein herrlicher Anblick auch wenn uns zur Krönung die Sonne fehlt. Sie spielt noch ein wenig mit uns und hält sich zurückhaltend hinter den Wolken.

Blick Richtung Rauddalen

Blick Richtung Rauddalen

Bevor wir rechts ins Raudalen auf der Winterroute abbiegen, gönnen wir uns eine erste große Pause um die letzten ernst zunehmenden Höhenmeter für heute gestärkt zu nehmen. Wir kühlen jedoch recht schnell aus und Basti stapft schon mal den Anstieg vor, Till & ich folgen ihm auf seinen Spuren. Seit heute morgen ist das Spuren so eine Sache. Der Schnee ist noch nicht vom Wind hart gepresst und liegt wie Puder auf einer festen Schneedecke. Hier tun auch die warmen Temperaturen der letzten Tag zum Tiefschnee ihr übriges. Mit jedem Schritt tauchen die Ski teilweise bis zur Wade im Schnee ab und die Pulka pflügt den Rest platt. So fällt es den Folgenden leichter beim laufen! Wir wechseln uns gelegentlich ab, damit jeder mal spuren darf.

Um 11 Uhr oben angekommen ist die Sonne auf unserer Seite. Um uns herum tut sich der Himmel auf und wir haben vor dem Eintritt ins Rauddalen eine wunderschöne Rundumsicht. Wir fühlen uns auf einmal sehr kleine in dieser Maße aus Gestein, Bergen & Schnee. Erhaben schleichen wir über das Plateau, Basti & ich machen ein Foto nach dem anderen um den Moment festzuhalten. Vor uns der Snoholstinden und die umliegenden Erhebungen brennen ein Bild der Schönheit ins unser Gedächtnis. Deshalb sind wir her gekommen! Endlose Weitsicht im alpinen Gewand.

Pausenzeit

Pausenzeit

 

Auf das Erlebnis gönnen wir uns erstmal gegen 12 Uhr eine weitere Pause. Was steht auf der Speiseteller? Trockenfleisch, Dörrobst, eine Menge Nüsse, Schoki und Bonbons. Als wir 15 min später unsere Gesichte gegen Wind drehen und weiterlaufen kommt uns ein feuchter Schnee entgegen. Woher kommt der den jetzt auf einmal? Alles jammern bringt nichts, da müssen wir durch und wir verschwinden im Schneegestöber! Wir spulen die letzten 5 Kilometer zur Olavsbu tapfer durch. Nur hin und wieder blitzt ein wenig Berg um uns im Sonnenlicht heraus. Wir sind schon wieder zu schnell und kommen gegen 14.30 Uhr an der Hütte Olavsbu an. Vier Skandinavische Mädels waren eben hier und begrüßen uns mit einem „Hej, hej“ und wir tauschen ein paar Wörter aus.
Anschließend verkriechen wir uns in die Hütte. Woooohhhh, was für ein toller Winterraum. Noch schöner als die Gjendbu und man fühlt sich sofort wohl. Aber die Nacht bleiben wir hier nicht, da wir nicht umsonst unser Zelt mitschleppen. Wir schmelzen erneut Wasser für den Tee und futtern die Tagesration leer. Draußen tut das Wetter uns einen Gefallen und die Wolken verschwinden. Im Fenster taucht der Mjolkedalstinden auf. Ein herrliche Berg!  Das Wetter scheint auch so schön zu bleiben.

Willkommen in der Olavsbu

Willkommen in der Olavsbu

Als wir um 16.15 Uhr aufbrechen, präsentiert sich die Landschaft wieder zu ihrem besten. Wir laufen noch 2 km zum See Rauddalsvatnet und finden hier einen Traumspot für das Zelt. In totalem Glück werkeln wir fleißig rum und auch das Thermometer bewegt sich in Richtung kälteren Temperaturen. Bereits um 19 Uhr haben wir – 15 C° und in uns steigt die Hoffnung, dass der Wetterbericht nicht recht behalten wird und ein Wetterhoch für die nächsten Tage auf uns wartet. Das erste mal packen wir die wärmenden Fäustlinge und ich meine Haglöfs Barrier II Pants aus und gleich ist es viel angenehmer.

Traumplatz im Jotunheimen

Traumplatz im Jotunheimen

Basti und meine Kamera läuft heiß und wir knipsen viele Bilder um den Moment festzuhalten. Ein Outdoortraum! Wir sind ganz im Hier und Jetzt dieser Bergstimmung! Mit dem Sonnenuntergang ziehen wir uns dennoch zurück ins Zelt. Wir haben das Hilleberg Keron 4 GT dabei! Ein wirklich durchdachtes Zelt für winterliche Bedingungen, dass jedoch auch den Geldbeutel beim Kauf erleichtert :-). Um 19.30 Uhr liegen wir in den Schlafsäcken und spielen gedanklich den Tag noch einmal durch. Hoffentlich bleibt es die Tage vom Wetter her genau so. Gerade morgen haben wir eine Abfahrt mit 300 Hm, die bei nebeligen Bedingungen kein Spaß machen sollte. Eine Stile umhüllt unser Zelt und die Nacht legt einen dunklen Schleier über uns. Gute Nacht!

Tag 3: Mittwoch, 19.03.13 (white out bei -1 C°)
See Rauddalsvatnet bis zur Hütte Leirvassbu (ca. 18 km)

Bergwelt in schwarz/weiss

Bergwelt in schwarz/weiss

Was gestern so schön geendet hat, ist heute eine trübe Suppe. Herzlich Willkommen „white out“! Wir haben dich nicht vermisst :-) und das Wetter über Nacht wieder deutlich wärmer geworden und wir sehen leider gar nichts mehr. Kopf hoch, Jungs! Vielleicht wird das Wetter ja über den Tag wieder.
Wir starten etwas später als sonst um 10 Uhr. Hinzukommt noch das wir ab der Olavsbu leider keine Wintermarkierung mehr haben. Scheinbar wird diese erst noch gesteckt! Das macht die Orientierung zwar nicht zum Problem, aber unser Laufweg gleicht einem Zickzack-Lauf. Basti gleicht hin und wieder die Route mit dem GPS ab. Der gestern abend so schön hart gefrorene Schnee ist heute wieder bei den milden Temperaturen tiefer und ich spure die ersten Kilometer über den Rauddalsvatnet. An dessen Ende übernimmt Basti und navigiert uns durch das konturlose Weiss. Es erstaunt mich immer wieder, wie sich das white out auf den Menschen auswirkt. Teilweise völlige Orientierungslosigkeit, weil man oben, unten, links und rechts nur weiss sieht. Man klammert sich an jede Kontur um sich zu orientieren und beim Laufen nicht ins straucheln zu kommen, weil man vor sich etwas übersehen hat, das man eigentlich nicht sehen kann :-).
Um 11 Uhr erreichen wir die Abfahrt ins Storutladalen. Wir sehen nicht viel, außer das bei jedem vom uns immer wieder die Pulka in der Abfahrt umfällt. Nerv! Ich erkenne zu gleich, dass ich beim Abfahren mit Sicherheit in diesem Leben kein Meister mehr werde. Basti & Till machen es den Umständen entsprechend deutlich eleganter! Schneller als gedacht sind wir dennoch unten und Basti beendet die Abfahrt mit einem anständigen Sturz eine kleine Schneeverwehung hinunter.  Man erkennt evtl. ob etwas vor einem ist und stochert aber wie blind rum um festzustellen, dass es hier einfach nur geradeaus geht. Eigentlich absolut zum lachen, aber in der Situation spielt die Comic uns einen Streich.

Staumauerüberquerung

Staumauerüberquerung

Ab hier soll es wieder über eine Strecke von ca. 7 km bergan gehen. Genauer gesagt 400 Hm, über dessen Anstrengung wir uns vorab nicht bewusst waren. Bereits auf dem ersten Kilometer geht es ordentlich nach oben und das Wetter wird nicht besser. Es kommt noch Schneefall hinzu und ohne Wintermarkierung ist der Optimalweg nicht auszumachen. Ergebnis davon ist, dass wir vor einem Stausee in so steiles Gelände kommen, dass sich Till über gerade mal 20 Meter Strecke samt der Pulka zu eine Kuppe schleppt um dort schaut ob wir überhaupt weiter kommen. Zu sehen ist dort nur eine Staumauer und es ist zu erahnen, dass es unter Eis bedeckt einen See dazu gibt. Umdrehen geht jetzt nicht mehr, da der Abstieg so steil ist, dass wir uns entscheiden über den See zu gehen. Aber bei Stauseen ist Vorsicht angesagt, da der Wasserstand ständig variiert. Prompt hat Till beim vorsichtigen begehen nasse Stellen im Schnee gesichtet. Diese Option fällt also weg! Andere Option kommt von Basti: „Gehen wir über die verschneite Staumauer?“. Uns bleibt nichts anderes übrig und wir tasten uns Pulka für Pulka über die Mauer. Ende gut alles gut, wir sind drüben :-)!
Für jemand der diesen Tourenabschnitt auch laufen will, sollte sich an dieser Stelle eher links vom Stauseeablauf halten. Die rechte Seite ist nicht  zu empfehlen!

Spuren im Schnee

Spuren im Schnee

Wir stärken uns mit Tee und etwas zum Beißen um zu neuer Energie zu kommen. Ab hier geht es dann wieder etwas gemächlicher voran, aber der Schnee wird immer tiefer, da wir mittlerweile 0 C° erreicht haben. Im ständig ansteigendem Weg laufen wir nördlich um den Stausee herum und Dank der nicht vorhanden Sicht sehen wir nur vereinzelt die Berghänge um uns herum. Der Weg führt um den Berg Stetinden herum und als wir das Tal Gravdalen durchlaufen haben sind wir froh darüber die Höhenmeter hinter uns zu haben. Das war ne richtige Schufterei! Mit den letzten 3 km vor Augen peilen wir die Leivrassbu an. Eine kleine Schrecksekunde gibt es jedoch noch in einer Abfahrt, als wir kurz vor knapp eine weiße Linie quer zu unserer geplanten Abfahrtsroute erkennen. Eine ca. 200 Meter breite Schneewechte, die wir gerade noch so erkennen und diese umlaufen. Von unten sehen wir das ganze Glück! Den Sturz hätte Basti samt Pulka mit Sicherheit nicht mehr gestanden :-). Die Wechte ist ca. 5-6 Meter hoch und wir staunen nicht schlecht.
Ein letzter Snack und der letzte Anstieg liegt vor uns, bevor wir in 1 km Entfernung das Etappenziel, die Hütte Leivrassbu, ausmachen können. Wir freuen uns über den Anblick und gleiten die letzten Meter in einer Abfahrt zur Hütte! In einiger Entfernung sehen wir ein rotes Zelt, dass vermutlich von den vier Skandinavierinnen sein dürfte. Wir suchen uns einen Platz bei der Hütte und bauen auf lockerem Schnee das Zelt auf. Auch in den Abendstunden will sich das Wetter nicht besser präsentieren und so haben wir schon keinen Grund länger draußen zu bleiben und erledigen alles restliche im Zelt.
Heute haben wir uns ne Kappe Schlaf verdient und so liegen wir erst um 22 Uhr in den Schlafsäcken, da wir erst gegen 18.30 Uhr angekommen waren und heute auch Schnee für die morgigen Tee schmelzen mussten. Nachts wache ich einmal auf und mir kommt der norwegische Horrorfilm „Cold Prey“ in den Kopf, den ich mir auf Anraten von Basti letztes Jahr mal reingezogen hatte. Diese Film wurde an der Leivrassbu gedreht! Ich war mir aber sicher, dass der Mörder aus dem Film bei diesem Shitwetter heute nicht aus der Hütte zu uns an Zelt kommen wird ;-).

Tag 4: Donnerstag, 20.03.13 (bewölkt/stürmisch mit Schnellfall bei 0C°)
Hütte Leirvassbu bis zur Hütte Spiterstulen (ca. 15 km)

Tosendes Wetter

Tosendes Wetter

Für heute haben wir eine entspannte Etappe vor uns. Über einen See laufen, einen kleinen Anstieg hinauf ins Tal Gronbakkan und ab dort geht es gemächlich Höhenmeter für Höhenmeter nach unten. Leider ist das Wetter auch heute bewölkt und die Sicht nicht wirklich berauschend und so langsam könnte uns der liebe Wettergott etwas mehr Sonne schicken. Eine SMS aus der Heimat ist ebenso ernüchternd, da für heute ordentlich Rückenwind angesagt ist. Wir nehmen es gelassen und starten um 9.15 Uhr.
Ein paar hundert Meter vor uns sehen wir die 4 skandinavischen Mädels, die wir an der Olavsbu getroffen hatte, den Anstieg hochlaufen. Kurz bevor wir selbst den Anstieg angehen, kommen die Mädels in voller Montur den Berg wieder runter gefahren. Wir denken: „Was bringt die Mädels dazu, jetzt gleich wieder um zu drehen?“. Es stellt sich heraus, dass sie die eben begonnene Etappe so gleich beenden wollen und auf besseres Wetter warten möchten. Über der Kuppe soll es links und rechts steile Hänge geben und für Lawinenabgänge bekannt sein: „We are a safety group, but maybe you are more experienced with avalanches“, sagen sie uns und nach einem kurzen Smalltalk stapfen wir den Hang hinauf.
Oben angekommen pfeift uns ein ordentlicher Wind in den Rücken. Auf jeden Fall schon mal besser wie von vorne :-)! Für uns ist die Hangsituation gut einschätzbar und wir können guten Gewissens sagen, dass hier keine Gefahr besteht, auch wenn die Szenerie sehr gespenstisch wirkt. Ein letzter Blick zurück zur Leirvassbu und seinem Horrorbewohner :-). Er hat uns diesmal verschont! Wir stapfen in flottem Schritt durch die Verengung zwischen Kyrkja und Tverbotntindan und sind 15 min später aus dem gröbsten raus, da hier der Taleinschnitt deutlich breiter wird. Wir setzen uns erstmal auf die Pulken und nehmen eine kleine Stärkung zu uns und lassen uns den warmen Tee die Kehle hinunter laufen. Um uns herum sind die Berge im tosenden Wind nur grob zu erkennen und ein kurzer fraglicher Gedankenblitz durchfährt mich: „Was machen wir bei diesem Wetter überhaupt hier draußen!?“. Dennoch können wir dem Wetterschauspiel auch etwas positives abgewinnen. Es wäre ja langweilig nur bei gutem Wetter unterwegs zu sein.

Mit guter Laune rappeln wir uns auf Richtung Spiterstulen. Es sind noch 9 km bis dort hin, die uns durch das Gronbakkan Tal führen. Ab hier geht es nur noch leicht abfallend nach unten und so finden wir schnell den Rhythmus im teilweise tiefen Schnee. Vorbei an Bergen Urdadalstindan und Hellstuguhoe gleiten die Ski perfekt dahin, nur machen sich Meter für Meter die warmen Temperaturen bemerkbar und das wir an Höhe verlieren macht die Luft auch nicht kälter. So rutschen wir allmählich in leicht sülzigen Schnee und die umliegenden Hänge sind vom starken Wind frei geblasen und präsentieren uns den nackten Fels. So hatten wir uns das Wintertouren hier nicht vorgestellt :-)!

Unterkunft bei Spiterstulen

Unterkunft bei Spiterstulen

Letzt endlich erreichen wir bereits um 13 Uhr aufgrund des einfachen Terrains die große Hütte Spiterstulen, die bereits aus der Ferne wie ein riesen Hotelkomplex erscheint. Der Wind hat in der letzten Stunde deutlich zugenommen und wir stehen zwischen den Holzhütten, die bereits geöffnet haben und stellen uns die Frage: „Was nun?“. Wollen wir hier im Luxus der Unterkunft bleiben und uns ins Warme stürzen oder Basti hat noch einen Tipp mit der etwas entfernten Unterkunftshütte für den Sommercampingplatz. Er schnallt sich die Bretter kurz an und rutscht zu der Hütte rüber. Es sind ca. 300 m über den Fluss. Der Raum ist geöffnet und wir einigen uns dort die Nacht zu verbringen. Die Hütte ist ganz einfach und hat sogar einen Toilette um die Ecke. Was wollen wir mehr! Wir putzen die Räumlichkeit ein wenig raus damit auch die deutsche Ordentlichkeit in Norwegen einkehrt.

So verbringen wir den restlichen Mittag und Abend in der Hütte und schauen immer wieder etwas besorgt nach Draußen. Der Schneefall gleicht mehr einem Graupel und mit dem Wind kommt alles quer angeflogen. Morgen geht es ja schließlich den Anstieg am Spiterstulen über 450m hoch. Definitiv eine Schlüsselstelle auf der Runde dieser Tour!

Tag 5: Freitag, 21.03.13 (bewölkt/Schneefall bei -5C°)
Hütte Spiterstulen bis zur Hütte Glitterheim (ca. 18 km)

Steilanstieg, welch ein Spaß

Steilanstieg, welch ein Spaß

Da wir heute kein Zelt abbauen müssen, geht uns alles recht leicht von der Hand und das bisschen Wärme in der Hütte bietet auch einen gewissen Komfort. Heute ist das Wetter nicht wirklich besser wie gestern. Nur die Temperaturen sind über Nacht zum Glück etwas gesunken und so ist zumindest heute morgen der Schnee noch hart genug.
Um 9 Uhr machen wir uns auf die Ski und kämpfen uns im Gegenwind zur Spiterstulen zurück. Wir frieren uns trotz Handschuhe beinahe die Finger ab! Bei der Spiterstulen angelangt schlagen wir einen ordentlichen Haken und nun kommt der Wind von hinten :-). Wir laufen noch ca. 300 Meter die Straße entlang und sind froh als wir einen mit den üblich Stöcken markierten Winterweg finden. Der Einstieg ist noch recht moderat, aber wird nach kurzer Laufstrecke sehr steil und wir haben richtig zu ackern um nicht nur uns sondern auch die Pulken den Berg hoch zu bekommen. Zum Glück machen die Schneebedingungen mit und wir sinken nicht ein, sondern laufen eher teilweise über vereiste Stellen im Hang. Hier ist Kanteneinsatz gefragt, sonst rutscht man ab und liegt mit der Pulka wieder unten im Hang :-).
Irgendwann haben wir es auch über das steile Stück geschafft und man läuft nicht mehr direkt den Hang hoch sondern folgt dem Hangverlauf angenehm ansteigend. Dank der Schneebedingungen läuft es besser als gedacht. Grundsätzlich ist der komplette Aufstieg sehr verblockt mit Felsen und daher haben wir keine Sorge wegen Lawinen. Jedoch gibt es zwei größere Schneefelder im Aufstieg, die bei mehr Schnee beachtet werden sollte.

Die Spiterstulen Bezwinger

Die Spiterstulen Bezwinger

Oben angekommen führt die Winterroute immer mehr um das rechtsliegende Bergmassiv herum und der Wind bläst dadurch nicht mehr so stark. Geschlagene 1 1/4 Stunden haben wir nur gebraucht. Wir hatten uns das deutlich schwere und langwieriger ausgemalt. Wir hatten aber auch Glück durch die Bedingungen, da der Hang nur wenig Schnee hatte. Danke auch dem fleißigen Winterroutenmarkierer. Ohne die markierte Winterroute muss man sich seinen Weg hier hoch selbst suchen. Mit Sicherheit kein Spaß :-)!
Ab hier ist das Terrain wieder deutlich flacher und geht tendenziell über 6,5 km bis zum Übergang an der Gletscherzunge des Veobrean leicht ansteigend. Leider sehen wir gar nichts von der schönen Landschaft um unser herum. Die Umsicht muss hier gigantisch sein, da man auch kleine Gletscher zu sehen bekommen kann. Wir brennen uns ein Bild der Umgebung in unsere Phantasie ein und laufen im guten Tempo durch den wieder tiefer werdenden Schnee. Wir wechseln uns beim Spuren regelmäßig ab und so kommt jeder in den Genuss des etwas leichteren dahingleitens.

Um 13.30 Uhr erreichen wir den höchsten Punkt der heutigen Etappe und leider immer noch null Sicht :-(. In der Abfahrt Richtung der Hütte Glitterheim gibt es jedoch einen Lichtblick in der Wolkendecke und für ein paar Minuten erleuchtet die Sonne ein wenig die umliegende Bergwelt des Berges Styggehoe und den weiteren Weg in Richtung Glitterheimen Hütte. Traumhaft schön und wir können uns zumindest grob vorstellen wo der bekannte Berg Glittertinden gen Himmel empor steigt. Es ist einer der bekanntesten Berge im Jotunheimen und bietet bei schönem Wetter Traumsicht über den Nationalpark. Eigentlich war für Glitterheim ein „Ruhetag“ mit Aufstieg zum Glittertinden geplant, aber wetterbedingt macht das kein Sinn für uns, da der Berggipfel recht plank dem Wind ausgesetzt ist.

Nach der Sturmnacht

Nach der Sturmnacht

Wir stapfen die letzten 3 km gemütlich einher, über eine kleine Welle und können bereits die Hütte sehen. Wir wollen jedoch die letzte Nacht bevor die Tour zu Ende ist noch einmal das Outdoorerlebnis im Zelt haben. Scheiß auf den Wind :-)! So bauen wir hinter einem großen Felsblock das Zelt auf und spannen wie jeden Abend alles komplett ab. Nun kann kommen was wolle in Sachen Wind. Als hätten wir es geahnt dreht der Wind beim Abendessen im Zelt ordentlich den Gashahn auf und das Zelt hat einiges auszuhalten.

Irgendwann schaffen wir es doch in die Schlafsäcke, nach dem wir beruhigt feststellen, dass das Zelt und die Abspannleinen super halten. Na dann mal gutes Schlafen bei dem Lärm den die Naturgewalten um unsere Behausung schafft.

Tag 6: Samstag, 22.03.13 (sonnig bei -5C°)
Hütte Glitterheim bis zur Hütte Gjendesheim  (ca. 21 km)

Nach der Sturmnacht

Nach der Sturmnacht

Als wir am nächsten morgen zum Sonnenaufgang aus dem Zelt krabbeln haben wir 12 Stunden ohne richtigen Schlaf hinter uns. In der Nacht hat der Sturm nochmal zu gelegt und obwohl das Zelt alles mit Bravour bestanden hat, haben wir Drei noch nie eine solche Nacht draußen erlebt. Erst in den frühen Morgenstunden hat sich der Wind gelegt und war beim Frühstück fast windstill :-). Verrücktes Wetter!

Die Abfahrt naht!

Die Abfahrt naht!

Um 8.40 Uhr packen wir alles ein letztes Mal in die Pulka und machen uns auf die finale Etappe. Königliches Wetter steht uns bevor und wir genießen die Weitsicht. Endlich mal kein white out! Wir rutschen gemütlich den Anstieg zum Blätjonnholet hoch. Immer der Sonne entgegen! Das Wetter ist phantastisch.
Oben auf der Anhöhe angekommen geht es über in ein auf und ab bis zur eigentlichen Abfahrt zum See Russvatnet hinunter. Wir genießen ein paar Minuten die Bergwelt hier oben und erfreuen uns an dem schönen Abschluss im Jotunheimen. Die Kamera erfasst noch einmal die letzten Eindrücke bevor wir die verhältnismäßig lange Abfahrt angehen. Till & Basti fühlen sich wie immer merklich wohl beim Abfahren und lassen es auf dem harten Schnee laufen. Die Jungs warten unten ein paar Minuten auf mich!
Ein Schluck Tee und Snack später geht es weiter über den 5 km langgezogenen Seeabschnitt. Kilometer bolzen ist hier das Motto und der See will so schnell kein Ende nehmen.

Auf die Plätze, fertig, los!!

Auf die Plätze, fertig, los!!

Irgendwann haben wir es geschafft und lassen den vereisten See hinter uns um den letzten ernsthaften Anstieg auf eine Anhöhe zu meistern. Anfänglich läuft alles super und wir kommen gut voran. Jedoch wird der Hang, der Winterroute folgende immer steiler und man quert diesen. Wäre ja alles kein Problem, wenn es die Eisplatten nicht geben würde :-). So quellen wir uns ein letztes mal mit ordentlich Kanteneinsatz über die vereisten Passagen, bis wir oben sind. Ab hier führt die Route ca. 2 km über ein Plateau bis zur langen Abfahrt zurück nach Gjendesheim.
Die Abfahrt wird zu meinem Glanzstück in der Abfahrtstechnik und ich übe erneut die gute alte „Arschbremse“ :-). Vor Gjendesheimen geht es dann in einem welligen Profil auf den letzten 2 Km zurück zu unserem Start- & Zielpunkt.

Heute wollen wir es uns richtig gut gehen lassen und buchen uns für eine Nacht in der Hütte ein. Hier zeigt sich wie der Norweger den deutschen Geldbeutel gähnend leer bekommt :-). Die Übernachtung ist nicht das Problem, aber das 3-Gänge-Menü killt mit 40€ jedes Preis-Leistungs-Verhältnis für den deutschen Tourist. Aber schließlich ist man ja im Urlaub und gönnt sich sonst nichts.
Bevor wir uns das Essen und ein richtiges Bett verdient haben, haben wir jedoch noch ein kleines Problem: Es ist weiß, kalt und liegt in großer Menge vor unserem geparkten Auto – Schnee. Die Zufahrt zum Auto ist durch die starken Winde der letzten Tage komplett verweht und hart gepresst. Mit unseren kleinen Schneeschaufeln kommen wir nicht weit! Also in der Rezeption ganz lieb gefragt, ob sie uns die Zufahrt nicht mit dem Traktor vor der Haustüre gegen Entgeld frei schaufeln. Geht leider nicht, da der Parkplatz nicht zum Grundstück der Hütte gehört :-(. Nochmal bettelnd, fragen wir nach großen Schneeschaufeln. Die bekommen wir Dank des freundlichen Norwegers mit einem Grinsen überreicht: „Good luck“. Ganz zufällig stehen drei andere Norweger unten am Parkplatz vor dem selben Problem und kommen auf uns zu und sie helfen uns freundlicherweise und nach 40 min steht das Auto wieder auf Asphalt.

Als Belohnung für den Fleiß gönnen wir und unseren Helfern am Abend ein Bierle zum Essen. Sau lecker aber die gähnende Leere des Geldbeutels wird nicht besser. Wie kann man  ein Bierle mit 0,33 Liter für 10€ verkaufen *kopfschüttel*. Im Endeffekt hatten wir einen tollen Abend mit den Norwegern in einer gemütlichen Runde und schauen nach einer stürmischen und etwas vernebelten Wintertour zufrieden auf 6 Tage im Schnee zurück!

Du planst auch eine Wintertour, aber brauchst noch Tipps??

In dem Beitrag Tipps für eine Wintertour findest Du noch viele weitere Infos und Tipps zur Umsetzung einer Wintertour.

Fazit der Tour

Der Jotunheimen hat uns überzeugt. Wir hatten eine tolle Tour in einer wunderschönen Berglandschaft mitten in Norwegen. Auch wenn das Wetter nicht immer auf unserer Seite war, können wir auf viele schöne Momente auf der Tour zurückblicken. Neue Erfahrungen gesammelt in Sachen Wintertour, eindrucksvolle Bilder im Kasten, tolle Gemeinschaft unter 3 Jungs und zu guter Letzt ein Wintererlebnis in einer anderen Region als der Hardangervidda. Der Jotunheimen sollte auch mal was für eine Sommertour sein und so ist garantiert, dass wir mal wieder kommen werden.

Weitere Bilder

Erste Nacht am See Gjende

Erste Nacht am See Gjende

Durch das Tal zum Rauddalsvatnet

Im Rauddal

Berg Mjolkedalstinden

Berg Mjolkedalstinden

Vereister Gipfel

Vereister Gipfel

Am Zeltplatz bei der Olavsbu

Am Zeltplatz bei der Olavsbu

Berg Kyrkja

Berg Kyrkja

Tosendes Wetter

Tosendes Wetter

Anstieg hinter Spiterstulen

Anstieg hinter Spiterstulen

White out!

White out!

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