Wintertour in der Hardangervidda

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Hardangervidda

Hardangervidda

Vor genau 2 Jahren waren Till & ich das letzte mal in Norwegen auf einer Wintertour. Da war die Verlockung groß mal wieder die Ski und die Pulka einzupacken und ein paar Tage in den Norden zu fahren. Als Begleiter waren Basti und Chris schnell zu begeistern, die ich 2008 für unsere erste Wintertour begeistern konnte. Vor uns lagen 2 Wochen Zeit um uns dort auszutoben. Geplant war mit dem Auto nach Geilo zu fahren. Die letzten Meter mit der Bahn nach Finse und von dort in einem Bogen nach Geilo zurück zulaufen. Lauftage waren mal mit 8 Tagen angesetzt, plus ein Reservetag, plus ein Ruhetag. Macht unterm Strich zehn geplante Tage Winterabenteuer. Und vor ab sei gesagt, dass diese Tour nicht unter dem Motto „Leichtwandern“ stand :-).

Let’s go!

Kleines Inhaltsverzeichnis

Tourenbericht von Finse nach Geilo

Anreise nach Norwegen

Leuchtturm in Hirtshals

Leuchtturm in Hirtshals

Basti und Chris stehen wie vereinbart gegen 20 Uhr bei uns auf der Matte und wir packen den VW Combi einschließlich Skibox bis oben hin voll. Mehr hätten wir nicht mehr reinbekommen :-)! Nach dem üblichen Tanken geht es auf die endlosen Meilen auf der Autobahn. B27, A8, A81, A7 und zu guter letzte nach der deutschen Deutschen Grenze auf die E45 nach Hirthals. Nachts fahren ist deutlich entspannte, da ein Stau fast ausgeschlossen ist und die lange Fahrt sich nicht noch unnötig in die Länge zieht.
Um 9 Uhr am Samstag stehen wir bei kaltem und windigen Wetter in Hirtshals und warten auf die Fähre, die um 17.15 Uhr ablegen wird. Der Zeitvertreib ist geprägt von Schlafen, Essen, Hirtshals erkunden, Schlafen, Essen und anschließend rappeln wir uns auf, das Bunkermuseum am Strand zu bewundern. In der Tat beeindruckend was die Deutschen im 2. Weltkrieg hier an Beton angerührt haben und dennoch wird uns klar, dass diese Anlagen nur für Eines gebaut wurden – Krieg. Es ist auf jeden Fall ein lohnenswertes Ziel um hier die Zeit zu vertreiben, da Hirtshals selbst nicht viel zu bieten hat.
Mit etwas Verspätung legt die Fähre ab, um uns nach 4 Stunden in Larvik (Norwegen) auszuspucken. Es dürfte so gegen 23 Uhr gewesen sein und wir wollen heute noch ins 250 km entfernte Geilo kommen. Über leere Landstraßen spulen wir die Kilometer ab und um uns herum ziehen sich Stück für die Stück die Berge empor. Auch wenn wir davon nicht sehr viel sehen können! Gegen 3.30 Uhr in aller Frühe hauen wir provisorisch unsere Isomatten an einem Parkplatz hinter dem Bahnhof von Geilo auf den Boden und gönnen uns den ersten richtigen Erholungsschlaf seit dem wir in Deutschland aufgebrochen sind. Das tut gut und treibt die Müdigkeit etwas aus unseren Gliedern.
Endet jedoch bereits um 8 Uhr morgens zum Packen der Ausrüstung und uns startklar für den Zug zu machen, der uns 11:40 Uhr aufsammelt und in einer halben Stunde nach Finse bringt. Mit jedem Meter wird die Landschaft winterlicher und die Vorfreude steigt ins Unermessliche! Wir sind endlich da….

Tag 1: Sonntag, 03.03.13 (bewölkt bei -5C°)
Finse bis zum See Brattefonn (ca. 7 km)

Bahnhof in Finse

Bahnhof in Finse

Yeahhhhh, Finse hat uns wieder! Till und ich schicken noch per LiveCam einen Gruß in die Heimat und wir packen die restlichen Sachen zusammen.
Das erste mal stehen Drei von uns auf den BC Skiern und gleich geht es eine kleine Abfahrt zum See Finsevatnet hinunter. Das wird ein Spaß :-)! Unten angekommen stehen alle noch auf ihren Brettern mit der Erkenntnis, dass es gut geht, aber mit Pulka im Kreuz kann eine Abfahrt recht ruppig sein. Der norwegische Wetterdienst hatte uns für heute kaum Hoffnung auf Sonne gemacht, aber wir haben Glück und zwischen den Wolke linst das Sonnenlicht hindurch. Wir sind happy und der Kilometer über den See fliegt an uns vorbei. Bald steigt der Winterweg in südliche Richtung links am großen Gletscher Hardangerjokulen wellenartig an und wir merken, wie die Schuppen am Ski an ihre Grenzen kommen. Irgendwann sind wir etwas verschwitzt und vor dem nächsten Anstieg kommen die Felle von Colltex auf die Ski.
Ja, so lassen sich die Berge problemlos meistern, da die Felle bei der Vorwärtsbewegung Grip im Schnee finden und wir schieben uns Meter für Meter über das wellige Profil. Genießen dabei die Aussicht auf die Umgebung und freuen uns am Dasein zurück in der Hardangervidda. Um 16.30 Uhr machen wir uns die ersten Gedanken wo wir unser Nachtquartier einrichten und finden schnell ein gutes Plätzchen mit etwas Windschutz. Um 18.15 Uhr (Stand März) verschwindet hier das Tageslicht und die kalte Stille legt sich über die Vidda. Wir wollen vorher mit dem Zeltaufbau, Wasser kochen, Essen und Vorbereitungen für den nächsten Tag fertig sein.

Aufstieg hinter Finse

Aufstieg hinter Finse

Mit dem Helsport Svalbard 6  hat Chris ein großes Zelt aus seinem Ausrüstungspool beigesteuert. Hier können wir zu Viert drin schlafen und es bietet Platz genug. Mehr als vier Leute sollte man bei dem vom Hersteller als 6-Personenzelt angebriesenen Zelt jedoch nicht sein. Sonst wird es wirklich kuschelig! Wir hatten es beim Vortreffen bereits einmal gemeinsam aufgebaut um mit dem Aufbau auf Tour leichter zu Recht zu kommen. Nichtsdestotrotz brauchen wir eine knappe Stunde bis alles steht und alle Fixierungspunkte im Schnee verankert sind. Dafür hält es jedoch jedem Wetter stand, auch wenn es aktuell nicht nach Schlechtwetter aussieht. Jeder richtet sich im Zelt ein und die Stammplätze fürs Schlafen und die persönliche Ausrüstung sind schnell gefunden. Weiter geht es mit Schnee schmelzen damit wir Wasser fürs Travellunch, Nachtisch und die Getränke haben. Dabei ist es viel wert, wenn das Wetter mitspielt und man je nach Außentemperatur alles in Ruhe machen kann. Auf Wintertour geht eben alles etwas länger wie im Sommer und wir sind gegen 20 Uhr mit Allem fertig und legen uns gleich in die mollig warmen Daunenschlafsäcke. Chris, Till und ich haben den Marmot CWM Membrain und Basti setzt auf eine Kombi aus einem Daunenschlafsack und als Außenschlafsack aus Kunstfaser. Warm genug sind sie alle und so schlafen wir recht fix ein. Wir haben ja noch einiges an Schlaf von der Herfahrt nachzuholen.

Tag 2: Montag, 04.03.13 (bewölkt bei -5C°)
See Brattefonn bis zu einem kleinen See vor der Hütte Kjeldebu (ca. 13,5 km)

Schnee am falschen Platz

Schnee am falschen Platz

„Man lernt auf jeder Tour dazu“ :-), ist mein erster Gedanke als ich noch in der Nacht aufwache. Grund ist, dass es mir auf den Kopf schneit, da wir den Eingang der Apside nicht richtig abgedichtet haben und der Wind treibt den Schnee durch jede Ritze direkt ins Zelt. Kurz alle Schotten dich gemacht und weiter geschlafen.

Wir sind nach knapp 12 Stunden Schlaf bereit neue Taten folgen zu lassen und krabbeln um 8 Uhr aus den Daunentüten. Erstmal müssen wir die Utensilien in der Apside vom Schnee befreien, der heute Nacht hier rein gekommen ist. Anschließend spulen wir das Morgenprogramm ab. Wasser für Tee und Müsli schmelzen, Tagesklamotten anziehen, Zelt abbauen, ersten Besuch auf der Freilufttoilette und zu guter Letzt alles in der Pulka verstauen. All das klappt erstaunlich gut und die Routine der letzten Tour ist noch abgespeichert. So kommen wir um 10 Uhr mit Peilung Südost los und haben fürs warm werden gleich einen kurzen Anstieg zu meistern. Hier blicken wir in die Weite über den See Midnutvatnet. Wie gestern ist der Himmel bedeckt, aber die Sicht ist soweit gut. Die Temperaturen sind mit -5C° für diese Gegend moderat und wir wünschten uns, dass es etwas kälter wäre. Bei diesen Temperaturen schwitze ich selbst mit der Mountain Equipment Fitzroy Jacket und es reicht während dem Laufen die Hardshell in Kombi mit zwei langem Funktionsunterhemden von Icebreaker. Grundsätzlich bin ich seit der ersten Tour zufrieden mit meiner Ausrüstung und diese hat sich bewährt. Neben der Pulka für den Großteil der Ausrüstung habe ich den Outdoor Research Drycomp Summit Sack auf dem Rücken. Hier sind alle Sachen drinnen, die ich schnell greifbar haben will: Thermoskanne, Tagesration zum Essen, Wechseljacke und wärmere Handschuhe. All das fällt nicht schwer ins Gewicht auf dem Rücken, ist aber Praktisch.

Übernachtung nach Etappe 2

Übernachtung nach Etappe 2

Wir folgen weiterhin dem Winterweg über den See, dann einen sachten Anstieg hinauf. Hier machen wir oberhalb des See Finnsbervatnet eine Rast. Es gibt wie in den kommenden Tagen Schoki, Energiegel, Nüsse, Trockenfrüchte, Dörrfleisch auf dem Speiseplan. Die Mischung macht es auf Dauer abwechslungsreich und man hat nicht schon nach dem ersten Tag keine Lust mehr auf das Zeugs :-). Vor dem See biegen wir dann Richtung Westen ab und über mehrere Kilometer laufen wir in welligem Profil durch ein geschlingertes Tal. Links und rechts erheben sich zahlreiche namenlose Berge. Der Wind kommt meistens von vorne und der „wind chill“ lässt grüßen.
Pünktlich 16 Uhr überlegen wir ob wir noch bis zur Kjeldebu vom DNT laufen. Es sind ca. noch 4 km oder suchen wir uns rechtzeitig ein nettes Zeltplätzchen am Ende des Langavatnet. Wir entscheiden uns für Zweiteres und sind happy darüber wie der 2. Tourentag gelaufen ist. Schnell ist ein Plätzchen gefunden, nicht jedoch ohne, dass Basti samt seiner Pulka 2-3 Meter eine Stufe runter gefallen ist, da wir die Konturen im Schnee wegen dem drüben Wetter nicht gesehen haben. Zum Glück bin ich nicht vorne gelaufen :-)! Basti meistert den ungewollten Abgang jedoch mit seinem Können und steht schnell wieder.
Das Zelt aufzubauen geht heute deutlich geschmeidiger und jeder weiss was zu tun ist. So steht die tolle Behausung innerhalb von 30 Min. Wir richten uns häuslich ein und starten das Abendprogramm um Essen zu bekommen und die Thermoskannen aufzufüllen. Die Stimmung ist ausgelassen und man hat viel Zeit um sich dies und jenes zu erzählen. Über den Tag spricht niemand wirklich viel während des Laufens. Steht die Truppe jedoch einmal, geht das männliche Geschnatter aller Arten gleich los und wir tauschen uns über die Eindrücke aus.

Ein toller Tag geht zu Ende und wir hauen uns um 20 Uhr in die Schlafsäcke. Eigentlich verrückt! Da hat man endlich Urlaub und nichts besseres zu tun als um 20 Uhr schon in der Koje zu liegen :-).

Tag 3: Dienstag, 05.03.13 (sonnig/bewölkt bei -10C°)
See vor der Hütte Kjeldebu bis oberhalb des Tals Bjoredalen (ca. 13 km)

Auf der Winterroute zur Hütte Kjeldebu

Auf der Winterroute zur Hütte Kjeldebu

Wir Vier sind wieder um 8 Uhr wach und starten in Tag Nummer 3. Gestern hatten wir Dank unsere Wetterfee Conny aus Deutschland per SMS erfahren, dass das Wetter heute wieder sonniger werden soll. Der erste Blick aus dem Zelt stimmt uns optimistisch als wir viel blauen Himmel sehen. Bei sonnigem Wetter macht das Touren einfach mehr Spaß, da die Sicht besser ist und man besonders im Schnee die Konturen deutlich besser erkennen kann.
Das morgendlich Programm startet und wir werden jeden Tag schneller, da wir die Routine bekommen und alles Hand in Hand läuft. So kommen wir um 9.15 Uhr los und erfreuen uns an dem tollen Wetter. Auf den ersten Metern jagt uns das Profil gleich über einen Anstieg und belohnt uns „on the top“ mit einer herrlichen Weitsicht über die ganze Hardangervidda. Wir stehen für einen Moment da und staunen einfach über das Dasein in dieser tollen Landschaft. Deswegen macht man unter anderem diese Touren um solche Momente erleben zu können. Es ist still um uns bevor wir uns in die Abfahrt zur Hütte Kjeldebu machen. Hier kommen wir um 10.30 Uhr und Basti schwelgt in der Vergangenheit, da er mit einem Freund bereits auf einer anderen Wintertour über Weihnachten Unterschlupf gefunden hat. Nicht die schlechteste Unterkunft! Hier gibt es ein großes Proviantlager mit allem was man auf Tour gebrauchen kann und die Hütte loclt mit einem Ofen zum heizen und „richtigen“ Betten. Wir stärken uns noch ein wenig am mitgebrachten Essen und folgen anschließend dem Wegweiser zur Dyranut. Diese Hütte kreuzt das einzigste Mal die Zivilisation, da hier die Ringstraße überquert wird.

Schneekristall

Schneekristall

Doch vorher warten noch ein paar Höhenmeter auf uns. Erst geht es gemütlich ansteigend die nächsten 2,5 km bergan, bevor wir vor einer Rampe stehen. Alles jammern bringt nichts, wir müssen da hoch :-)! Wir kommen Dank der Felle irgendwie hoch, entscheiden uns oben jedoch Chris etwas Ausrüstung aus der Pulka abzunehmen, da er über die ganzen Wellen der letzten Tage etwas zu kämpfen hatte. Er ist einverstanden und freut sich darüber. Ab hier wird das Profil für die nächsten 3 Tourentag recht flach und wir rutschen 5 km über eine Hochfläche bevor wir um 14.15 Uhr die Dyranut erreichen. Hier ist nichts los und die Hütte geschlossen. Ich klingel kurz die Wetterfee an, um nach dem Wetter für die nächsten Tage zu fragen. Erkenntnis des Anrufs: Es soll tendenziell kälter werden *yeaahhhh* und die Sonne steht uns zur Seite.
Chris teilt uns mit, dass er aktuell einen Durchhänger hat und nicht weiss, ob er die Tour weiter laufen kann und spielt für einen kurzen Moment mit dem Gedanken, die Straßenanbindung zu nutzen um die Tour abzubrechen. Basti, Till und ich hatten die letzten Tage gemerkt, dass er sich trotz der tollen Tour konditionell schwer tut. Wir Vier besprechen uns über die Situation und ich finde im Nachhinein gesehen, dass wir es super hin bekommen haben. In solch einer Situation ist es nicht immer leicht gemeinsam ein Entscheidung zu treffen. Chris rappelt sich kämpferisch wieder auf und wir entscheiden weiter zu gehen. Mich persönlich hat dies sehr gefreut, da ich weiss wie sehr sich Chris auf diese Tour vorbereitet und gefreut hat. Daher ein „Daumen hoch“ von mir für deinen Kampfgeist, Chris :-)!

Tal Bjoreidalen

Tal Bjoreidalen

Wir schauen auf der Karte nach einem netten Zeltplätzchen für die Nacht und werden 1km von der Hütte entfernt Richtung Süden fündig. Hier verlassen wir die Wintermarkierung und finden eine gute Stelle um das Zelt aufzustellen. Der Platz liegt oberhalb des Bjoreidalen und bietet einen tollen Ausblick auf das lang gezogene Tal unter uns. Einfach fantastisch, wie die Sonne hier zwischen den Wolken durchscheint. Till und ich lassen es uns nicht nehmen noch den nahe gelegenen Gipfel Nybunuten ohne die Pulka hoch zu laufen, während Chris und Basti das Zelt aufbauen. Der Abend nimmt seinen üblichen Lauf und Chris fühlt sich auch besser mit der Situation und wir können gemeinsam optimistisch auf den nächsten Tag blicken.
Wie auch in den vorherigen 2 Nächten ist mir der Schlafsack bei Außentemperaturen um die -10C° viel zu warm. Den Anderen geht es glaub ich nicht anders :-)! Aber es ist einfach nervig in dem VBL (=wasserundurchlässige Inlett zum vermeiden, dass beim Schwitzen der Daunenschlafsack feucht wird) zu liegen. Es ist zu warm und man schwimmt in seiner eigenen Brühe. Die Nacht zieht sich, aber irgendwann schlafe ich doch ein.

Tag 4: Mittwoch, 06.03.13 (sonnig bei -15C°)
Bjoredalen bis zur Hütte Sandhaug (ca. 23 km)

Outdoortoilette

Outdoortoilette

Heute treibt es mich schon kurz nach 7 Uhr aus dem Schlafsack und die Jungs folgen mir. Das Wetter hält was es verspricht und die ersten Sonnenstrahlen schauen bereits durch die Wolkendecke. So macht das Spaß und wir bekommen dennoch so langsam ein schlechtes Gewissen, dass wir bis dato so Glück mit dem Wetter hatten und die kommenden Tage ebenso rosig aussehen. Wir wollen uns echt nicht beschweren, aber so ein stürmischer Tag hätte zur Abwechslung auch was :-).
Dank dem improvisierten Toilettenpapierhalter bestehend aus der Schneeschaufel Ortovox Professional Alu II fällt bei diesen Aussichten sogar der morgendliche Stuhlgang angenehm aus. Trotz, dass die Außentemperaturen etwas niedriger sind als in den vorherigen Tagen.
Nachdem der ganze Ausrüstungskrempel zusammen gepackt ist, nehmen wir uns die Abfahrt ins Tal Bjoreidalen vor und treffen dort wieder auf die abgesteckte Winterroute. Vor der Bjoreidalshytta biegen wir Richtung Süden ab und folgen der Wintermarkierung. Ab hier steigt die Route auf 6 km über gemütliche 150 Hm an und jeder läuft seinen Rhythmus. Auf dem Abschnitt kommen uns zwei Deutsche mit Schneeschuhen und Rucksäcken entgegen und wir tauschen uns ein wenig aus. Schön, die Eindrücke von Anderen erzählt zu bekommen. So schön das Quatschen ist, wir wollen ja heute bis zur Winterhütte der Sandhaug um es uns hier 2 Nächte gemütlich zu machen und einen Ruhetag einzulegen.

Bergmassiv am See Nordmannslagen

Bergmassiv am See Nordmannslagen

Als wir um 12.15 Uhr die Höhenmeter hinter uns haben, schweift unser Blick über ein riesen Plateau. Vor uns liegt unter Schnee & Eis der Langavatnet und in der Ferne sieht man wunderschöne Bergzüge so weit das Auge reicht. Ab hier nehmen wir die Felle wieder von den Ski und rutschen zügig voran. Auf der Ebene kann man sehr gut Tempo mit den Ski machen und besonders Chris blüht richtig auf und schleift uns hinter sich her. Wir genießen jeden Meter! Das Wetter wird immer besser und wenn das so weiter geht, kommen wir schön gebräunt aus dem Norwegenurlaub zurück und wir werden uns der Frage stellen müssen: „Ward ihr wirklich in Skandinavien oder eher auf Malle :-)?“.
Vor Sandhaug steigt die Route wieder etwas an, aber wir kommen ohne Felle gut rüber und sind schon in voller Vorfreude auf die 2 Hüttentag. An der Hütte kommen wir um 15.45 Uhr an und steuern die Selbstbedienerhütte an. Die Haupthütte ist noch geschlossen und diese wird eine Woche später öffnen. Uns soll es recht sein, da nicht viel los ist. Ein norwegisches Paar und zwei Deutsche sind nur hier und haben es sich in der Hütte gemütlich gemacht. Die Hütte liegt wunderschön gelegen am See Nordmannslagen und der Ausblick auf die Berge auf der anderen Seeseite lassen das Naturfreundeherz höher schlagen. Es gibt einige abgetrennte Zimmer mit meist 4-6 Betten. Was für ein Luxus :-)! Alles ist sauber und man fühlt sich sofort zu Hause. Der Ofen spendet wohltuende Wärme, Schnee zum schmelzen ist bereits in Töpfen aufgesetzt und die Sitzgelegenheiten laden zum chillen ein. So haben wir uns das vorgestellt!

Katzenwäsche

Katzenwäsche

Eine Katzewäsche im Schnee später, kümmern wir uns um die Ausrüstung, die wir zum Trocknen aufhängen. Das meiste ist jedoch trocken geblieben, da das Wetter bis dato mit gespielt hat. Den restlichen Abend verbringen wir in Gesprächen mit den anderen Hüttenbesuchern und mit uns selbst. Die Obhut einer solchen Hütte in den Weiten Norwegens ist etwas schönes und wir krabbeln zufrieden ins das „eigene“ Bett.

Randnotiz: Der Preis für eine Übernachtung als DNT Nichtmitglied liegt bei 300 NOK/pro Person. Das sind ca. 39€ (Umrechnungskurs März 2013). Nicht gerade wenig, aber man gönnt sich ja sonst nichts und wir sind ja schließlich in Norwegen, wo die Preise sonst auch deutlich höher liegen als in Deutschland. Ein DNT Mitglied zahlt 190 NOK = ca. 26€. 

Tag 5: Donnerstag, 07.03.13 (sonnig bei -20C°)
Ruhetag an der  Hütte Sandhaug

Six Summit Tour

Six Summit Tour

Jeder interpretiert einen Ruhetag anders :-)! Für uns hieß „Ruhetag“, dass wir bei dem tollen Wetter unsere Bretter an die Füsse schnallen und die Pulka an der Hütte lassen. Die Bergkette auf der anderen Seeseite ist einfach zu verlockend und den ganzen Tag in der Hütte rumsitzen ist nicht. Wir packen also nur unsere kleinen Rucksäcke und laufen anfänglich in südwestliche Richtung über den See um auf eine passende Aufstiegsmöglichkeit zu zusteuern. Ohne Pulka läuft alles so einfach und wir rutschen gemeinsam auf den ersten Gipfel hoch und sind einfach nur geplättet als wir oben ankommen. Nicht platt der Anstrengung wegen sondern der Schönheit wegen: In Richtung Norden sehen wir bis rüber zum Hardangerjokulen, wo wir die letzten Tage her gelaufen sind. Der Südblick ist geprägt von eine Berglandschaft. Wir wissen unsere Glück zu schätzen, heute an diesem wunderbaren Tag hier zu sein.

Hüttenstimmung

Hüttenstimmung

Till, Basti und ich lassen uns es nicht nehmen die komplette Bergkette über die namenlosen Berge mitzunehmen. Chris fährt hinab zur Hütte um den Ruhetag auskosten zu können. In einem Auf und Ab kommen wir am Ende auf stolze 6 Gipfel und wir taufen die Tour „Six Summit Tour“ und viele schöne Eindrücke später treffen wir an der Hütte ein. Chris hat es sich bereits wieder gemütlich gemacht und den Tag genossen. Wir setzen literweise Wasser zum warm machen auf, den heute ist großer Waschtag in der Jungs-WG :-)! Zumindest der Kopf bekommt eine Wäsche ab. Mit einer kleinen Kanne kippen wir uns gegenseitig das Wasser über die Birne und auf einmal entdeckt man seine sauberen Haare wieder!
Den restlichen Tag verbringen wir in der Obhut der Hütte. Heute sind wir alleine und bis zum Abend kommt kein neuer Besucher mehr. Ein genialer Tag nimmt ein schönes Ende und wir hocken noch eine Weile zusammen, tauschen uns über das Erlebte aus und knipsen ein paar Bilder vom sternenklaren Nachthimmel.

Tag 6: Freitag, 08.03.13 (sonnig bei -20C°)
Hütte Sandhaug bis zur Hütte Rauhellern  (ca. 20 km)

Morgenstimmung

Morgenstimmung

Wir schauen morgens aus dem Fenster der Hütte und draußen lacht uns bereit der herrlich Sonnenaufgang entgegen. Draußen ist es schön kalt, aber das tut der Vorfreude auf den kommenden Tag keinen Abruch. Heute wollen wir versuchen bis in die Nähe der Hütte Rauhellern zu kommen. Das Terrain ist recht flach laut Karte einzuschätzen. Nachdem wir lecker Müsli mit Milchpulver gegessen haben und alle unsere Ausrüstung beisamen haben, packen wir Tourentag Nr. 4 an. Heut sind wir am „Wendepunkt“ unserer Tour von Finse nach Geilo und schlagen Laufrichtung Nordost ein. Wir merken sofort, dass es gegenüber den ersten Tagen deutlich kälter ist und bei mir kommt die Gesichtsmaske erstmals zum Einsatz. Das funktioniert aber leider nicht wie gewünscht :-(, da der Kondenz beim Ausatmen auch oberhalb der Nase ausströmt und es mir die Sonnenbrille von innen beschlägt. Durchs Laufen wird es uns jedoch schnell warm und wir genießen das super Wetter und die Fernsicht über die Vidda. Wir folgen die ersten Kilometer dem Winterweg und wie erwartetet hat es keine nennenswerten Steigungen. Es dürfte schon etwas anspruchsvoller sein :-)! Gerade gedacht, befinden wir uns schon in ein paar Hügeln und es geht Auf und Ab, bis wir auf einer größeren Erhebung oberhalb des Sees Langesjoen stehen und den tollen Ausblick genießen. In der Ferne ist ein schwarzer Punkt zu sehen. „Ist das schon die Rauhellern Hütte?“, fragt Chris. Basti: „Das GPS sagt 11 km, dafür ist der Punkt zu nahe“. Ich: „Laut Karte müsste es aber die Hütte sein“. Unsere Blicke schweifen noch einmal zur erneuten Einschätzung über den See. „Das kann nicht die Hütte sein!“, meinen wir. Jedoch errinnert mich die Situation an die für uns legendären „Schwedischen Meilen“. Was haben diese aus sich? Man denkt, man ist gleich da, da das Ziel so nahe erscheint. Bis man jedoch dort angekommen ist, zieht sich der Weg wie ein Gummi und man hat das Gefühl nie anzukommen.

Till

Till

Ab hier entscheiden wir uns den Winterweg zu verlassen und wollen am Ufer des Sees entlang zum Ziel laufen. Nach einer kurzen Abfahrt sind wir unten am See und laufen noch ein paar Meter um dort eine Mittagspause einzulegen. Grundsätzlich hat es sich für uns bewährt mind. einmal pro Stunde eine kleine Pause zum Trinken zu machen, da man bei der winterlichen, trockenen Luft mehr Flüssigkeit verliert als gewöhnlich. Ein bis zweimal pro Tag kann man je nach Lust und Laune eine größere Pause zum Essen & Trinken einlegen.
Na dann mal auf zu dem schwarzen Punkt. Anfänglich läuft Basti unten am Ufer entlang und wir anderen Drei etwas oberhalb. Nach ein paar Kilometern treffen wir uns wieder und laufen gemeinsam weiter. In der Tat zieht sich die Strecke am See ganz ordentlich und die „schwedischen Meilen“ haben mal wieder zu geschlagen :-). Je näher wir dem schwarzen Punkt kommen um so klare zeichnet sich die Kontur einer Hütte ab – Rauhellern.

Hütte Rauhellern

Hütte Rauhellern

Gegen 16 Uhr kommen wir tatsächliche dort an und treffen ein paar lustige Norwegen an, mit denen wir einen kleinen Smalltalk über die Hütte und deutsches Bier führen. Die Hütte macht in diesen Tagen für die kommenden Wintertag auf und wird gerade hergerichtet. So verlockend die Wärme der Hütte auch ist, wir wollen ein Outdoorabenteuer und im Zelt übernachten. Hinter dem nächsten Hügel finden wir gleich ein tolles Plätzchen direkt am Ufer des Sees. Wohlgemerkt noch der gleich See an dem wir heute morgen verdutzt gestanden sind und uns gefragt haben, ob der schwarze Punkt am Horizont die Hütte sein. Da wird einem sofort klar, wie groß der See ist und das die Skandinavier allgemein nie ein Problem mit Wassernachschub haben werden :-). Der Platz ist genial, aber es ist zu kalt für meine Bivakboots von Mammut. Von unten drückt es beim Stehenbleiben die Kälte hindurch. Da muss ich nachbessern. Vermutlich werd ich auf der nächsten Tour ein Stückchen einer Evaschaummatte nehmen und als Einlage reinlegen.

Abendstimmung beim Wasser kochen

Abendstimmung beim Wasser kochen

Den Abend verbringen wir bei vielen Erzählungen und viel zu Lachen. Recht schnell richten wir jedoch alles für den nächsten Tag hin und krabbeln in unsere Schlafsäcke. Es ist nämlich kalt da draußen :-). Das digitale Thermometer streikte in dieser Nacht und hat ab -25 C° nur noch „low“ angezeigt. Das nenne ich mal zuverlässige Technik! Aber so wollten wir es haben. Bei Temperaturen unter -10 C° kommt grundsätzlich nicht so sehr Wintertourenstimmung auf.

Tag 7: Samstag, 09.03.13 (sonnig bei -25C°)
Hütte Rauhellern bis nordöstlich des Berges Gronenutan  (ca. 20 km)

Panorama am See Langesjoen

Panorama am See Langesjoen

Brrrrrrrr, ist das heute morgen kalt! Aber alles jammern bringt nichts, vorallem da uns die Sonne bereits ab 7.30 Uhr mit ihren Strahlen empfängt. Alles am Körper ist warm bei diesen Temperaturen so lange man sich bewegt, jedoch die Füsse fühlen sich an wie ein Eisklotz. Keine Sorge, wir waren noch weit weg von Erfrierungen :-)! So verbringen das morgendliche Prozedure eben mit rumhüpfen und dem Gedanken an warme Füsse. In diesen Situationen denke wir jedoch selten daran: „Warum machen wir das eigentlich? Man könnte ja jetzt auch im Warmen zu Hause Urlaub sein!“. Es macht einfach zu viel Spaß auf Wintertour zu sein. Es ist eine tolle Abwechslung zu den ganzen Sommertouren und gerade eine Hardangervidda erlebt man in den Wintermonaten ganz anders. Das Licht, die endlos weiße Landschaft und sicherlich das „Winterfeeling“ gepaart mit der Extreme hier.
Erst als wir uns ab 9 Uhr auf den Skiern gleichmäßig der Winterroute entlang bewegen, kommt die Wärme in unsere Füße zurück. Das tut gut! Jetzt macht es auch nichts aus, dass sich den Großteil des Tages die Sonne hinter den Wolken versteckt. Die Etappe hat heut ein welliges Profil und in einem hoch und runter spulen wir die Kilometer runter. Chris spürt man die Anstrengungen der letzten Tage heute an, da er langsamer als sonst läuft. Er macht es aber genau richtig und lässt sich nicht von uns streßen und läuft sein Tempo weiter.

Es ist Pausenzeit

Es ist Pausenzeit

Vor der Hütte Heinseter wartet nochmal ein steile kurzer Anstieg, gefolgt von einer ebenso rasanten Abfahrt zur Hütte. Hier ist ebenso noch nichts los. Nur ein paar Leute sieht man in der Hütte sitzen. Die beliebteste Skitourenzeit für die Norweger ist eben erst ab Mitte März und den kompletten April durch. Wir nehmen noch etwas Kraftfutter, einen Schluck Tee zu uns und schnallen uns die Felle an die Ski. Ab hier geht es noch einmal 180 Hm in Richtung des Berges Grasnuten. Till legt den Gashahn gleich auf Vollgas und Basti und ich flitzen ihm hinter her. Macht das eine Laune mal wieder einen richtigen Anstieg hoch zu laufen. Er zieht sich über 3 Kilometer bei gleichbleibender Steigung aufi. Als könnte es keinen besseren Zeitpunkt geben, öffnet sich der Himmel zeitweise und die Sonnen strahlt mit uns um die Wette. Oben angekommen sind die Wolken jedoch wieder Herr der Lage und wir warten auf Chris und fachsimpeln über unsere Ausrüstung. In unserem Rücken liegt die Aussicht auf das Tal Heine und vor uns die letzte Welle bevor wir es in die Abfahrt geht.
Direkt nach der Abfahrt finden wir hinter einem Hügel im Windschutz einen tollen Platz zum Zelten. Irgendwie wird mit beim Zeltaufbauen klar, was wir für eine geniale Zeit hier haben. Alles ist eingespielt, jeder weiss was zu tun ist und alle packen mit an und besonders freut mich, dass Chris weiter mit uns gelaufen ist. Des Weiteren sind wir vom Wetter verwöhnt, da wir die meiste Zeit der letzten Tage viel Sonne hatten. Und ein abendliches Ritual in unserer Runde hab ich noch ganz verheimlicht: Chris hat vor der Tour eine leckern Whiskey besorgt, von dem es jeden abend ein Schlückchen gibt. Ein besonderes Erlebnis, wie -20C° kalter Whiskey den Hals runterläuft. So macht Wintertouren Spaß!

Tag 8: Sonntag, 10.03.13 (sonnig bei -25C°)
Berg Gronutan bis nach Geilo  (20 km)

Guten Morgen, Sonne

Guten Morgen, Sonne

Ich quelle die Jungs wieder um 7 Uhr mit meinem Tatendrang, da ich nach knapp 11 Stunden Schlaf kein Bock mehr hatte rumzuliegen. Die Jungs folgen aber brav ohne Aufforderung :-). Vor dem Zelt gibt es erneut einen Grund so früh in den Tag zu starten. Der Himmel ist blau und keine Wolke ist weit und breit zu sehen. Und bei meinem morgendlichen Klogang schleicht die Sonne über den Horizont und erleuchtet diese geniale Landschaft. Auch wenn es heute genauso kalt ist, wie am gestrigen morgen, kommen meine Füße diesmal besser mit der Kälte zurecht.
Wir legen gegen 8.45 Uhr wieder los und machen uns über die Winterroute auf den Weg zur Hütte Tuva, die ca. 6 km entfernt liegt. Dort wollen wir entscheiden, ob wir vor Geilo noch mal eine Nacht im Zelt verbringen oder heute komplett durchlaufen. Die Strecke bis zur Tuva führt durch ein hügeliges Profil, dass wir Welle für Welle bei dem Wetter abrutschen und genießen. Es wird der letzte Tag in der Vidda in diesem Jahr sein, da wir an der Tuva angekommen, entscheiden heute noch bis nach Geilo zu laufen, da es noch recht früh am Tag ist.

Ab zur Hütte Tuva

Ab zur Hütte Tuva

Wir laufen ein paar Meter mit den Pulken auf der Langlaufloipe, die auf dem kürzesten Weg nach Ustaoset führt und laufen Abseits der Route Richtung Nordosten direkt auf den Berg Ustetind zu. Ein beliebter Berg für alles Tagestourer, die von Ustaoset hierher laufen. Die Aussicht von dort über die Vidda ist einzigartig. Wir aber lassen den Berg linker Hand liegen und bereits hier kommen uns einiges Leute entgegen. Geilo und die Zivilisation kann nicht mehr so weit sein :-)! Wir folgen weiter dem Winterweg und stehen um 13.15 Uhr oberhalb des Tals Skurdalen und wir sehen seit langem mal wieder das Grün von Bäumen im Tal! Eine tolle Aussicht: man selbst befindet sich noch selbst in der totalen Winterlandschaft der Nidda und unter einem liegt uns eine Baumwelt zu Füßen. Ab hier folgen wir dem restlichen Weg über eine Abfahrt zur Hütte Gronebakken. Jetzt sind wir definitiv im Skigebiet von Geilo angekommen. Aber hier führt eine präparierte Loipe für den klassischen und Skating-Stil weiter. Für die Norweger scheint es nichts besonderes zu sein, als wir mit den Pulken die 4 km auf der Loipe laufen. Eher verwundert schauen diese als wir einige klassischen Läufer mit all unserem Gepäck überholen. Von wegen Norwegen ist eine Langlaufnation :-)!

Wir haben es geschafft

Wir haben es geschafft

Vor Geilo warten wir auf Chris und klären mit der Heimat ab, wann am nächsten Tag eine Fähre von Larvik nach Hirtshals zurückfährt und lassen diese gleich buchen. Chris und Basti sind schon vorgefahren und Till und ich folgen 30 min später. Ein bisschen Wehmut macht sich in mir breit, da die Tour schon wieder zu Ende ist. Vorher lassen wir es uns jedoch nicht nehmen im Sonnenuntergang die Skipiste von Geiloer Skigebiet mit samt der Pulka abzufahren. Das ist eine Gaudi zumal kein Anderer mehr auf der Piste ist. Unten warten Chris und Basti bereits mit dem Auto und einem 50€ Strafzettel fürs Falschparken :-). Daher für alle der Hinweis, die in Geilo am Bahnhof länger als ein Tag parken wollen – Finger weg davon! Wir breiten unsere komplette Ausrüstung um das Auto aus, packen das Auto für die Heimfahrt und ziehen uns frische Sachen an. Zum Abschluss einer solchen Tour kehren wir ihm Supermarkt ein (hat auch Sonntags geöffnet) und organisieren etwas Essbares für die Heimfahrt.
Der anschließenden Einladung von Chris zum Pizzaessen können wir natürlich widersprechen. Das ist sein „Dankeschön“ an uns, dass wir ihm auf der Tour geholfen haben. Für uns war es aber Ehrensache! Wir sind zu Viert gestartet und wollten auch zu Viert die Tour zu Ende bringen. Das ist uns geglückt und wir treten ab hier die Heimreise nach Deutschland an. Es war ein tolle Zeit und Norwegen wir kommen wieder, versprochen!

Infos zu einer Wintertour durch die Hardangervidda

Nationalpark Hardangervidda

Bergwelt der Hardangervidda

Bergwelt der Hardangervidda

Die „Vidda“, wie sie auch kurz genannt wird, ist mit 8.000 km² die größte Hochebene Europas. Einsamkeit ist hier garantiert! Der gleichnamige Nationalpark erstreckt sich über knapp 3.500 km². Der höchste Berg ist der Sandfloeggi mit 1719 m. Die Ebene ist voll mit großen und kleinen Seen, die die Landschaft prägen. Tierisch geht es unter anderem Dank der heimischen 15.000 Rentiere, den Schneeeulen, der Schneehasen, den Polarfüchsen usw. zu. Der Pflanzenreichtum bietet Moltebeeren, Flechten, Sträucher und mehr als 450 weitere Pflanzenarten, die teilweise nur in diesem Gebiet wachsen. Die Vidda lässt jedes Outdoorherz höher schlagen: Im Sommer wartet ein tolles Wegenetz für tolle (mehrtägige) Wandertouren mit dem Rucksack und der Winter lockt mit kalten Temperaturen (bis -40 C°) und perfekten Schneebedingungen für Ski- und Schneeschuhtouren.

Anreise

Wir sind bis dato immer mit dem Auto & Fähre bei einer Wintertour angereist, da man doch etwas Sperrgepäck mit den Pulken und Skier dabei hat. Dies wird schnell teuer bei den Flugairlines.
Des Weiteren bietet das Auto Flexibilität und bindet einen nicht zu sehr an die Flug- oder Bahnzeiten. Hier dennoch die weiteren Anreisemöglichkeiten:

  • Bahn: Ist auch direkt von Deutschland möglich und man kommt erholt in der Vidda an
  • Flugzeug: Hier ist Air Berlin die erste Adresse
  • Auto & Fähre: Für uns war die beste Lösung immer mit dem Auto von zu Hause bis nach Hirtshals (Dänemark) zu fahren. Dort auf die Fähre von Colorline bis Larvik und die letzten Kilometer auf den norwegischen Landstraßen zum Startpunkt. Am Ende der Tour kann man entweder über Schweden/Dänemark (Öresund & Storeboltbrücke) mit dem Auto zurückfahren oder eine Retourfähre buchen. In den Wintermonaten bekommt man meist spontan noch einen Fährenplatz gebucht

Öffentliche Verkehrsmittel

Durch den Nationalpark führen keine Straßen hindurch. Es gibt nur eine Ringstraße um die Vidda herum.

  • Bahn: Innerhalb Norwegens gibt es das Streckennetz der Norwegischen Bahn – NSB. Wohl das Beste, da die Bahn von Oslo nach Bergen direkt durch Geilo und Finse fährt
  • Bus: Auch eine Möglichkeit um voran zu kommen. Busverbindungen kann man hier finden

Orientierung

Navigation

Navigation

Im Sommer findet man sich auf dem Wegenetz anhand von Schilder, Steinmännchen und „T“-Zeichen („T“ steht für das englische „track“) auf Steinen zurecht. Im Winter werden ab ca. Februar mit einfachen Holzstöckchen, im Abstand von ca. 30-50 m, die Winterrouten von den Einheimischen markiert. Eine Karte und ein Kompass sind in der Vidda trotzdem ein absolutes Muss und sollten nicht zu Hause bleiben. Den bei schlechtem Wetter ist die Sicht gleich mal gen Null. Um ganz sicher zu gehen kann ein GPS Gerät nie schaden. Vor allem bei Wintertouren erleichtern Kompass und GPS das vorankommen, wenn man sich im „white out“ befindet. Bei diesem Wetterverhältnis sieht man keine Konturen mehr im Schnee und verliert schnell die Orientierung.

Verpflegung

Essensvorbereitung

Essensvorbereitung

Umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten findet man in der Vidda selbst nicht, jedoch in den darum liegen Gemeinden und Städten auf der Ringstraße um den Nationalpark. Geilo war hier immer unsere erste Adresse, da wir hier das Auto geparkt hatten. Futternachschub im Nationalpark findet man dennoch auf den Wanderhütten des DNT. Hier sollte man sich jedoch vorab informieren, welche Hütten Proviant für den Verkauf anbieten. Selbst im Winter ist das Proviantlager in einigen Winterhütten, für Alle mit einem DNT Hüttenschlüssel zugänglich und es kann geshoppt werden. Jedoch Vorsicht, der Gaumenschmaus kann teuer werden :-). Auf den Hütten gibt es je nach Ausstattung alles was man für eine Wandertour gebrauchen kann.

Hüttennetz

DNT Hütte

DNT Hütte

Das Hüttennetz in der Vidda ist aus unserer Erfahrung so aus gelegt, dass man in Tagesetappen von einer zur nächsten Hütte kommt. Wer nicht mit dem Zelt unterwegs sein will, findet hier in den gepflegten Hütten des DNT einen Unterschlupf. Über das Hüttenverzeichnis des DNT mit Kartendarstellung erfährt man mehr und viele nützliche Informationen zu den einzelnen Hütten.

Wetter

Kaltes Wetter :-)

Kaltes Wetter :-)

Die Hardangervidda kann für jeden Outdoorfreund, seine Ausrüstung zur Herausforderung werden und bietet alle Extreme in Sachen Wetter. Viel Niederschlag, Sonne, Sturm oder ein laues Lüftchen ist ein Wechselspiel der Wetterlaune. Besonders die westliche Vidda ist stark dem Einfluss des Meeresklimas ausgesetzt und hier kann es ordentlich Niederschlag geben. Genauso kann man hier bei Sonnenschein unterwegs sein und alles ist gut. Die Seite www.senorge.no bietet hier Abhilfe und manch eine Information, die wir selbst von verwöhnten Deutschen Wetterdienst nicht gewohnt sind. Einfach top! Das aktuelle Wetter gibt es hier. Erfahrungsgemäß konnten wir uns aber bei der Wettervorhersage in der Vidda nie wirklich auf die Langzeitvorhersage (norw. „Langtidsvarsel“) verlassen :-). Zwei Tage im Voraus sind aber kein Problem!
Die Temperaturen können im Winter bis auf -40 C° fallen und im Sommer auch mal die 20 C° überschreiten. Dies zeigt auch noch einmal die Extreme dieser Gegend.

Beste Tourenzeit

Die beste Zeit für Sommertouren ist Mitte Juli bis Mitte September, da im Juni noch viele Altschneefelder existieren können. In Richtung Herbst fällt das Thermometer nachts auch mal unter den Gefrierpunkt und es gibt den ersten Neuschnee. Wintertouren sind am besten von Mitte Februar bis Mitte April zu machen da im November, Dezember und Januar die Sonne nicht sehr lange über dem Horizont auftaucht. Zumal in dieser Zeit die niedrigsten Temperaturen des Jahres erreicht werden. Ab Mitte April fängt so langsam die Schneeschmelze an und macht eine Tour nur zur Qual.

Kartenmaterial

Hier haben uns die Topografischen Karten der Turkart Serie von Ugland IT Group im Maßstab 1:100000 immer gereicht: Hardangervidda Ost und Hardangervidda West.

Du willst noch mehr Tipps zu Wintertouren??

In dem Beitrag „Tipps für eine Wintertour“ findest Du noch viele weitere Infos und Tipps zur Umsetzung einer Wintertour.

Fazit der Tour

Es war eine richtige Männertour, die viel Spaß gemacht hat. Danke auf diesem Wege an Till, Chris & Basti für die tolle Zeit in der Vidda. Der Wettergott war die ganze Tour über auf unserer Seite und wir haben den norwegischen Nationalpark in seiner schönsten Form erleben können. Die erste Tour mit den BC-Skiern war eine Erfahrung wert und die Bretter an den Füßen werden bei der nächsten Tour wieder dabei sein, da der Bewegungsablauf und die Geschwindigkeit besser ist als mit den Schneeschuhen. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Tour. Dann soll es mal in etwas bergigeres Gelände gehen, wie z.B. der Jontunheimen Nationalpark!

Glücksgefühle

Glücksgefühle

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Ganz wichtig - Tourenplanung

Ganz wichtig – Tourenplanung

Starterfoto

Starterfoto

Zelten am Langesjoen

Zelten am Langesjoen

Basti genießt die Aussicht

Basti genießt die Aussicht

 

Chris

Chris

Ausblick ins Bjoreidalen

Ausblick ins Bjoreidalen

Veröffentlicht: von | Kategorie(n): On Tour | 6 Kommentare » Schlagworte: , , ,

6 Kommentare zu “Wintertour in der Hardangervidda”

  1. 1 Basti  | 20:23 on 04/09/2013:

    Hi Hannes,

    super Bericht, danke. War wirklich eine sehr feine Tour und hoffentlich nicht unsere letzte.

    Viele Grüße
    Sebastian

  2. 2 Hannes  | 20:29 on 04/09/2013:

    Hi Basti!

    Jep, war in der Tat ne tolle Zeit mit euch.
    Und klaro, schreit es nach einer Wiederholung.

    Bis denne
    Hannes

  3. 3 Dennis  | 10:19 on 04/10/2013:

    Hi Hannes,

    schöne Bilder und sehr guter Bericht! Danke auf für die ganzen Infos zur Anreise usw. Das macht es einem viel leichter selbst mal eine Tour dort zu planen. Die Anregung werde ich mir wohl für meinen Blog merken ;-)

    Gruß,
    Dennis

  4. 4 Hannes  | 12:24 on 04/10/2013:

    Hoi Dennis!

    Das hör ich gerne, dass ich dir altem Outdoorhasen noch was beibringen kann :-).

    Machs gut
    Hannes

  5. 5 Heiko  | 02:41 on 01/18/2014:

    Sehr schöner kleiner Bericht mit Fotos, welche Fernweh und Reisesehnsucht wecken, vielen Dank! Werde ich bei Gelegenheit mal auf meiner Seite verlinken…

  6. 6 Hannes  | 12:49 on 01/18/2014:

    Hallo Heiko!

    Freut mich, dass Dir der Bericht gefallen hat. Dieses Jahr geht es im März in den Jotunheimen. Es
    muss einfach mal bergiger werden :-).

    Servus Hannes

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